Spitzel Chef – Die Kosten tragen Sie!

von in Arbeitsleben, Arbeitsrecht am Dienstag, 23. August 2011 um 12:28

Fühlen Sie sich komisch im Büro? So als ob Ihnen ein Schatten auf Schritt und Tritt folgen würde? Zwar gibt es keine Kameras an Ihrem Arbeitsplatz, trotzdem haben Sie das Gefühl, ständig beobachtet zu werden? Sie leiden nicht unter Paranoia! Tatsächlich werden immer wieder Arbeitnehmer heimlich überwacht. Frei nach dem Motto: Vorsicht ist besser als Nachsicht! Fehltritte können Sie nicht nur den Job kosten sondern auch noch einen Batzen Geld!

Kontrolle am Arbeitsplatz gibt es nicht mehr! Stimmt! Seit Jänner 2010 gibt es offiziell ein Gesetz in Österreich, das die Überwachung am Arbeitsplatz verbietet. Nur kann man sich darauf wirklich verlassen? Erst kürzlich erregte ein Fall in Deutschland großes Aufsehen. Der Chef eines Unternehmens wollte von seinem gekündigten Mitarbeiter die Kosten seiner Spitzelaktion rückerstattet haben. Und diese beliefen sich auf stattliche € 21.000,-. Enorm viel Geld, das Unternehmen bereit sind in Software und Hightech-Geräte zu investieren.

Kommunikation statt Hightech

Dabei wäre doch die Lösung so einfach und kostengünstig: Persönliche Gespräche statt Kontroll-Technologie. Vorgesetzte sollten einige Maßnahmen dem Einsatz von Spitzeln und Hightech unbedingt vorziehen:

  • Klare Regeln schützen vor Unwissenheit
    Setzen Sie klare Regeln und machen Sie diese für Mitarbeiter transparent.
  • Persönliche Gespräche statt öffentlicher Blamage
    Bei Verstößen machen Sie den Mitarbeiter in einem persönlichen Gespräch darauf aufmerksam und nicht vor der versammelten Belegschaft.
  • Regeln begründen
    Sprechen Sie offen mit Ihren Mitarbeitern, warum Sie bestimmte Regeln für wichtig erachten.
  • Das Ziel vor lauter Kontrolle nicht aus dem Auge verlieren
    Sie wollen produktive Mitarbeiter und nicht ständige Neubesetzungen. Allzu starke Fluktuation schadet Ihrem Arbeitgeber-Image und wirkt sich auch auf die Produktivität negativ aus.
  • Pause für Persönliches
    Geben Sie Ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zu regelmäßigen Pausen, um sich kurz um persönliche Angelegenheiten zu kümmern.
  • Was du nicht willst, dass man dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu.
    Schenken Sie Vertrauen, dann wird auch Ihnen Vertrauen zurückgeschenkt. Überlegen Sie, wie Sie sich in der Situation Ihrer Mitarbeiter fühlen würden.

Datenschutzgesetz – Verlassen Sie sich darauf?

Laut Gesetz dürfen Unternehmen keine versteckten Kameras einsetzen, keine privaten Social Media Kanäle checken und keine privaten E-Mails lesen. Was für viele so banal klingt, fällt dem Kontrollfreak-Chef nicht immer so leicht. Wie Sie mit so einem Chef umgehen können, hat Psychologin Christa Schirl-Russegger schon in einem Artikel gezeigt.

Verlassen Sie sich aber nicht zu sehr auf das Datenschutzgesetz. Auch der Fall in Deutschland ist nur um ein Haar gut ausgegangen. In manchen Fällen müssen Spitzelaktionen tatsächlich vom Arbeitnehmer getragen werden. Beispielsweise wenn Sie beim Blau-machen ertappt werden. Hier setzt das Datenschutzgesetz aus und Sie müssen alle Kosten tragen. Auch so manche Fälle von Beleidigung von Vorgesetzten über Social Media Kanäle müssen von Arbeitnehmern getragen werden. Das folgende Beispiel aus den USA zeigt nur zu deutlich, dass man auch im Social Web eine gewisse Netiquette nicht vernachlässigen sollte:

Quelle: www.welt.de

Kontrolle mag für den Vorgesetzten auf den ersten Blick erfüllend sein. Sieht man aber genauer hin, erkennt man: Er versucht nur, Ängste zu kompensieren. Denn auch der Chef wird kontrolliert. Ihn kontrollieren Zahlen. Produktivität oder Konkurs sind seine täglichen Begleiter. Da fällt es nicht leicht, den Mitarbeitern blind zu vertrauen. Hat man allerdings das Vertrauen des Chefs gewonnen, können Sie davon ausgehen, nicht weiter unter seinem Kontroll-Radar aufzuscheinen.

Redaktion

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