Speed Reading: Schneller und effizienter Lesen lernen

von in Arbeitsleben am Freitag, 23. November 2012 um 11:21

Man lernt es früh und tut es im Grunde jeden Tag. Die einen mehr, die anderen weniger. Manche sind unglaublich schnell dabei, andere brauchen scheinbar ewig. Das Aufnehmen und Verstehen schriftlich niedergelegter Gedanken – auch lesen genannt – ist eine der wichtigsten Kulturfertigkeiten unserer Zeit. Doch gerade in dieser – der Zeit nämlich – liegt oft das Problem: Denn die Flut an Informationen ist enorm und sowohl beruflich als auch privat gibt es meist mehr Lesestoff als bewältigbar. Der Psychologe, Journalist und WIFI-Trainer Albert Ganser erklärt den Zusammenhang zwischen Lesen und Autofahren und wie man das eigene Lesetempo mittels Speed Reading verdoppeln kann.

Doppelt so schnell lesen? „Durchaus möglich“, so der Experte

Albert Ganser

„Im Wesentlichen geht es darum, Texte effizienter zu lesen“, erklärt Albert Ganser, Speed Reading-Trainer am WIFI Steiermark. Wie effizient die Ausbildung tatsächlich ist, lässt sich mit ein paar Zahlen eindrucksvoll beweisen: Nach 16 Stunden Ausbildung kann man, so Ganser, bei Fachtexten auf das drei- bis vierfache der normalen Lesegeschwindigkeit kommen, generell ist eine Verdoppelung des normalen Lesetempos durchaus möglich. Doch wie funktioniert das Schnelllesen? „80 Prozent aller Texte sind nach bestimmten Regeln aufgebaut. Wenn man diese Regeln kennt, kann man seine Leistungseffizienz  wesentlich steigern. Ich weiß dann, wo ich im Text hinschauen muss“, erklärt Ganser.

„Wir fahren immer nur im ersten Gang“

„Es geht beim Speed Reading keineswegs darum, sich selbst unter Zeitdruck zu setzen und das Lesen als stressvoll zu empfinden“, wie er betont. „Ich empfinde ja auch beim Autofahren nicht mehr Stress, wenn ich statt im ersten im fünften Gang fahren würde. Unser normales Leseverhalten ist aber so, als ob wir immer nur im ersten Gang fahren würden. Wir nutzen das Potential unserer Augen und des Gehirns bei Weitem nicht aus.“ Die Sorge, dass man als Schnellleser ungenau liest, kann er entkräften. „Untersuchungen haben ergeben, dass Schnellleser bis zu 90 Prozent von dem behalten, was sie im Eiltempo lesen, während der Durchschnittsleser nur 55 Prozent der Informationen verinnerlicht“, so Ganser. Zudem kann man auch beim Lesen Energie sparen – dies schont die Augen und macht längere Konzentrationsphasen möglich.

Vier Tipps zum schnellen Lesen

Doch wie liest man schnell und schaltet mindestens einen Gang hinauf? Experte Ganser nennt vier einfache Tipps zum schnellen Lesen.

  1. Ein Ziel beim Lesen haben: „Wenn ich mir vorher überlege, was ich von einem Text haben will, bin ich viel schneller mit dem Lesen fertig“, so Ganser.
  2. Richtiger Zeit, richtiger Ort: Eine angenehme Leseumgebung, die passende Zeit und auch das Interesse am Text wirken sich, so der Profi, positiv auf die Effizienz des Lesens aus. Wer etwa am Computer liest, sollte bedenken, dass Buchstabengröße, Hintergrundfarbe und Bildschirmgröße eine große Rolle spielen.
  3. Das geistige Auge: Wer nur mit seiner direkten Sehkraft liest, nutzt nur 20 Prozent seiner Sehfähigkeit. Die übrigens 80 Prozent machen, so Ganser, das periphere Sehfeld aus. Und dieses zu nutzen, kann man trainieren.
  4. Die jeweils richtige Technik: Unterschiedliche Texte, so Ganser, erfordern unterschiedliche Techniken. Muss man etwa ein Skriptum für eine Prüfung lesen, hilft eine gute Markierungstechnik. Für Recherchearbeit hingegen genügt es oft, Texte nach bestimmten Stichwörtern zu durchsuchen.

Wussten Sie, dass …

  • Die schnellsten Leser bis zu 1000 Wörter pro Minute schaffen?
  • Es die Technik des Speed Readings schon seit dem Ersten Weltkrieg gibt?
  • Wenn Sie diesen Text jetzt gelesen haben, ihn Speed Reader schon zweimal gelesen haben könnten?
  • Es nicht nur Seminare, sondern auch eigene Smartphone-Apps zur Steigerung der Lesegeschwindigkeit gibt?

Bildnachweis: kallejipp / Quelle Photocase, Ganser

 

 

 

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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