Social Media Profil-Klau: Vom Blogger zum Google-Boss

von in Social am Dienstag, 12. Oktober 2010 um 10:27

Nicht einmal Google-Boss Eric Schmidt ist vor Internet-Gaunereien gefeit: Ein bekannter Technik-Blogger schlüpfte via Facebook-Profil in die Identität des Suchmaschinen-Magnaten und nutzte dies zum Kontakte-Knüpfen mit anderen Großkalibern. Dass dies kein Einzelfall ist, belegen Studien: So schlüpft jeder zweite Deutsche gerne einmal in andere Web-Identitäten oder schwindelt mit seinen Angaben im Social Web. Psychologische Untersuchungen besagen wiederum, dass Social-Media-Profile stärker der Wirklichkeit entsprechen, als vielfach angenommen.

Einmal in die Rolle eines Giganten der Weltwirtschaft schlüpfen – für den Gründer des Technologie-Blogs TechChrunch, Michael Arrington, für kurze Zeit Realität. Der US-Blogger erstellte sich nämlich ein Facebook-Profil unter der Identität des  Google-Chefs Eric Schmidt. Alles, was er dafür brauchte: Die Mailadresse Schmidts. Und die hatte er. Die Adresse war für ihn gleichsam der Schlüssel zu den großen Playern in der Web-Welt: Es dauerte nicht lange und Arrington konnte Youtube-Gründer Chad Hurley oder den Facebook-PR-Chef Elliot Schrage zu seinen „Freunden“ zählen. In die Hände spielte Arrington, dass der Google-Chef kein eigenes Facebook-Profil hat. Und selbst die auf den Leim gegangenen Web-Profis, die dem Blogger gleich nach Anlegen des Profils als mögliche Kontakte vorgeschlagen wurden, ließen sich lediglich durch ein – wahrscheinlich gegoogeltes – Profilbild und eine Mailadresse bluffen.
Größeren Schaden konnte Arrington zwar nicht anrichten, da Facebook ein Bestätigungsmail an das angegebene Postfach sendet. Sogar ohne dieses Mail habe er aber bereits „Freunde“ adden oder Nachrichten mit falscher Identität senden können, gab Arrington am Montag bekannt, berichtet das Online-Portal des ORF.

Nicht nur in Partner-Börsen wird also mit den eigenen Angaben geschwindelt. Glaubt man einer Studie im Auftrag von Symantec unter 7000 Usern, sind Social-Media-Angebote ein Sammelbecken an falschen Informationen. 53 Prozent der Deutschen hätten demnach in sozialen Netzwerken bereits einmal falsche Angaben gemacht. Damit liegen unsere Nachbarn – deren Wert wohl auch auf Österreich  anwendbar sein dürfte – weltweit im Spitzenfeld (33 Prozent).

Facebook liefert meist genaues Bild der User

Alles Lug und Trug auf Facebook, Xing, StudiVZ? Eben nicht, halten Psychologen der Johannes Gutenberg-Uni in Mainz dagegen, die zusammen mit US-Forschern 236 Nutzerprofile unter die Lupe genommen haben. „Online-Profile vermitteln tatsächlich ein sehr genaues Bild der Profilinhaber“, meint Psychologe Mitja Back, im Stern-Interview und ergänzt: „Die Ergebnisse haben uns selbst überrascht, weil sie der weit verbreiteten Meinung widersprechen, dass Online-Profile nur dazu verwendet werden, ein Ideal der eigenen Person zu präsentieren.“
Der Grund dafür sei, dass sich Social Networks wegen der Breite an darzustellenden Informationen hervorragend dafür eigneten, die eigene Persönlichkeit im Netz zu präsentieren. Nutzer präsentieren sich untereinander, um ihrem eigenen Bedürfnis nachzukommen, wahrgenommen zu werden.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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