Künstliche Intelligenz gegen die Blamage mit den Fremdsprachen

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 1. August 2013 um 10:38

Nonverbale Kommunikation ist gut und wichtig, stößt jedoch auch an ihre Grenzen. Ganz andere Grenzerfahrungen gibt es hingegen bei der verbalen Kommunikation und zwar dann, wenn diese nicht in der eigenen Muttersprache stattfindet. Spätestens im Urlaub merkt man schnell, dass die eigenen Englischkenntnisse wohl doch nicht „fließend in Wort und Schrift“ sind. Und was im Urlaub egal ist, kann im Job ziemlich peinlich werden. Digitale Sprachtrainer sollen das Erlernen von Fremdsprachen in Zukunft deutlich vereinfachen.

Papier vs. Realität

Warum das nötig ist? Mehrsprachigkeit ist heute weit mehr als ein Vorteil im Wettbewerb, sie ist vielfach sogar Voraussetzung – etwa für einen bestimmten Job. Und nicht selten stellt sich heraus, dass die Sprachkenntnisse am Papier der Bewerbungsunterlagen nicht ganz der Realität entsprechen. Wie lernt man eigentlich Sprachen und warum fällt manches leicht und manches weniger? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich die Neurowissenschafterin Manuela Macedonia von der Uni Linz. Ihre Erkenntnis: Digitale Sprachvermittler könnten das Feld revolutionieren.

„Billie wirkt sehr sympathisch“

Manuela Macedonia

Manuela Macedonia

In Experimenten fanden Forscher der Unis Linz und Bielefeld heraus, dass Studienteilnehmer Wörter mit Hilfe eines Sociable Agents – das sind Maschinen, die Interaktionen mit dem Anwender aufbauen – ebenso gut bzw. besser erlernten, als von einem menschlichen Sprachlehrer. Vor allem für das mühsame Lernen von Vokabeln aber auch in der Reha nach einem Schlaganfall könnten die digitalen Sprachtrainer künftig eingesetzt werden, so Macedonia. Für die Versuchsreihe haben Wissenschafter mit der Computerfigur „Billie“ einen digitalen Sprachtrainer entwickelt. „Er sieht aus wie ein etwa 14-jähriger Junge mit Sommersprossen, der sehr sympathisch wirkt.“

„Habe fest damit gerechnet, dass man mit Menschen besser lernt“

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Künstliche Intelligenz namens „Billie“

„Billie“ sowie ein menschlicher Trainer auf Video hatten jeweils die Aufgabe, den Probanden Wörter einer erfundenen Kunstsprache zu vermitteln. Und es zeigte sich: Beide Versuchsgruppen schnitten in dem Wettkampf etwa gleich gut ab, besonders talentierte Sprachschüler erzielten mit „Billie“ sogar bessere Ergebnisse. „Ich habe eigentlich fest damit gerechnet, dass man mit Menschen besser lernt“, so die Neurowissenschafterin überrascht.

„Immer da, geduldig & freundlich“

Ob sich die besseren Ergebnisse durch Billie selbst, die größere Aufmerksamkeit der Probanden oder einen gänzlich anderen Faktor ergeben, wollen die Forscher nun herausfinden. Ersetzen können intelligente Maschinen den Menschen freilich auch in Zukunft nicht, deren Einsatz in gewissen Bereichen macht jedoch Sinn. „Bereiche wie das Vokabel- oder Aussprachetraining oder Bereiche der Sprachrehabilitation, die massive Übung brauchen, können durchaus mit intelligenten Maschinen stattfinden. Der Agent ist immer da, geduldig und freundlich. Wenn wir Fehler machen, weiß er, was jeder einzelne noch nicht weiß und motiviert uns zum Üben, wenn uns gar nicht danach wäre.“

Praxistipp für Vokabel-Muffel

Auf „Billie“ müssen wir zwar noch ein wenig warten, einen Praxistipp, den jeder einzelne schon jetzt für sich umsetzen kann, gibt es aber schon jetzt: Er lautet: Bewegungen einbauen. Denn wie Macedonia bereits in früheren Studien herausgefunden hat, steigern Gesten zum einen die Merkfähigkeit und verögern zum anderen das Vergessen. „Wenn jemand beim Lernen von Vokabeln gestikuliert, dann ähneln bei ihm die im Gehirn mit dem Wort verbundenen Muster ein wenig mehr jenen, die wir als Kinder beim Lernen unserer Muttersprache entwickelt haben. Sprachen erlernen geht auf diese Weise ganz einfach und macht viel Spaß. Die Gesten verankern die Wörter einer Fremdsprache stärker im Gedächtnis.“ Es reiche jedoch nicht aus, irgendeine Bewegung zu machen. „Je besser die Geste den Inhalt eines Wortes abbildet, desto effizienter ist sie“, weiß die Forscherin.

Bildnachweis: ollyy / Quelle Shutterstock,

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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