Warum mehr Selbstmotivation Sie zu einem glücklicheren Menschen macht

von in Arbeitsleben am Dienstag, 16. November 2010 um 10:37

„Gefangen im Narrenkastl“ – ein Phänomen, das zigtausende Arbeitnehmer Tag für Tag einholt. Sie leiden an der so genannten „Aufschieberitis“, die wir unlängst in diesem Blog beschrieben haben. Wenn unsere Tipps allein nicht mehr ausreichen, um sich aus den Selbstmotivations-Tiefs zu befreien, könnte nun die Wissenschaft einen Anreiz liefern, sich künftig mit mehr Eifer den eigentlichen Tagesaufgaben zu widmen. Eine groß angelegte US-Studie kommt nun nämlich zu dem Schluss: Tagträumen macht unglücklich.

„A wandering mind is an unhappy mind“, so lautet der Titel der Harvard-Studie, für die 2500 Erwachsene und ihre „reizunabhängigen Gedanken“ (=Tagträume, Unaufmerksamkeit) unter die Lupe genommen wurden. Und das Ergebnis sollte Arbeitgeber wie Arbeitnehmer gleichermaßen schockieren: Durchschnittlich fast die Hälfte der gesamten Tageszeit, nämlich 46,9 Prozent, dachten die Probanden an etwas vollkommen anderes als an das, was sie eigentlich tun sollten. Arbeiten beispielsweise.
Doch dass sich selbst die „Faulsten“ damit nichts Gutes tun, ist die Kernaussage der Untersuchung: Menschen, die häufig in Gedanken versunken und nicht bei der Sache sind, sind in der Regel weniger zufrieden als jene, die sich immer voll und ganz ihrer Aufgabe widmen. Jeder kennt das: Jenes bohrende Gefühl der Unzufriedenheit, wenn man trotz eigentlich angenehmen Aufgaben nichts „weiterbringt“. Wer öfter abschweift ist, so die Studienautoren, häufiger unglücklich. Also: Man driftet nicht ab, weil man unglücklich ist, sondern man ist unglücklich, weil man ständig abdriftet.

Höchste Aufmerksamkeit beim Sex

Was wenig überrascht: Am ehesten bei der Sache waren die Probanden beim Sex. Dieser stellt auch die einzige Aktivität dar, die einen Ablenkungswert unter 30 Prozent erreicht. Bei Unterhaltungen mit anderen, Spielen, Musik und Essen waren ebenfalls relativ viele bei der Sache, woraus die Studienautoren auch schließen, das man deshalb bei diesen Tätigkeiten glücklicher sei, als bei anderen Tätigkeiten. Nummer eins in puncto Abschweifungs-Gefahr sei das Ausruhen, die Arbeit, die Zeit vor dem Computer und das Fahren mit Bus, Auto & Co.

Für die Untersuchung gingen die Wissenschaftler neue Wege: Sie entwickelten eine iPhone-App, mit der sie nach dem Zufallsprinzip ihre Probenden nach deren aktueller Tätigkeit und deren Wohlbefinden fragten. Auch wurde erhoben, ob die Tätigkeit mit den aktuellen Gedanken zusammenpasse. So kamen insgesamt 250.000 Datensätze zusammen.
An dem Projekt kann man übrigens nach wie vor teilnehmen, indem man sich auf www.trackyourhappiness.org registriert.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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