Selbstdarstellung: Negative Reaktion der Mitmenschen wird unterschätzt

von in Arbeitsleben am Freitag, 28. August 2015 um 10:48

Ohne ein gewisses Maß an Selbstdarstellung läuft es im Beruf nicht: Im Jobinterview, bei der Gehaltsverhandlung oder online in Businessnetzwerken. Der Pfad zwischen guter Werbung in eigener Sache und Prahlerei ist dabei schmal. Zu leicht überschätzt man die positive Reaktion der anderen und macht sich dabei mehr kaputt als mit zu viel Bescheidenheit. Die Plattform Forschung erleben berichtet von einem Experiment, das untersucht hat, warum der Schuss oft nach hinten losgeht:

Yeah, ich kann das!

Von den kleinen und großen Erfolgen im Job berichtet man gerne. Im Meeting, auf Facebook, unter Freunden. Soziale Medien machen es besonders leicht, seine Errungenschaften schnell und einfach mit der ganzen Welt zu teilen. Erhält man von seinen Mitmenschen positives Feedback, dann macht das natürlich Freude. Aber kommt die Selbstdarstellung bei Freunden, Kollegen und dem Chef wirklich immer gut an – oder kann Eigenwerbung sogar schaden?

Mit diesen Fragen hat sich Irene Scopelliti beschäftigt. Ersten Forschungen zufolge unterschätzen Menschen die negativen Reaktionen ihrer Mitmenschen, wenn sie Werbung in eigener Sache machen. Überbewertet werden dafür positive Reaktionen wie Stolz oder Freude. Diese Studien gehen allerdings nur von erinnerten Situationen aus, in denen man selbst oder jemand anderer vor einem angegeben hatte. Deshalb wurde untersucht, wie sich konkrete Versuche einer guten Selbstdarstellung auf andere Personen auswirken.

Interessante Persönlichkeit oder Angeber?

Studienteilnehmer wurden gebeten, fünf Dinge über sich selbst niederzuschreiben. Das konnte mit ihrem Aussehen, ihrer Familie oder ihren Hobbies zu tun haben. Einer Hälfte der Personen wurde gesagt, dass andere dieses Persönlichkeitsprofil bewerten würden. Sie sollten deshalb vor allem Fakten nennen, die ein großes Interesse zum Kennenlernen wecken würden. Diese Anforderung sollte eine möglichst positive Selbstdarstellung fördern. Den anderen Teilnehmern wurde diese Information nicht gegeben. Nach Erstellen des Profils schätzten die Probanden abschließend ein, welche Auswirkung ihr Profil auf andere haben würde: Wirkt man sympathisch oder wie ein Angeber? Ob sie mit ihrer Vermutung richtig lagen, wurde dann überprüft: Die Persönlichkeitsprofile wurden anderen Personen zur Bewertung vorgelegt.

Zu hohe Erwartung an positives Feedback

Es zeigte sich, dass sich die Teilnehmer allgemein überschätzt hatten, was die positiven Reaktionen der anderen anging. Das war besonders bei jenen der Fall, denen eine positive Selbstdarstellung nahegelegt wurde. Sie erhofften sich mehr Sympathie als die anderen Teilnehmer – kassierten tatsächlich aber viel schlechtere Bewertungen und wurden zudem eher als Angeber wahrgenommen. Der Grat zwischen selbstsicherem Auftreten und Angeberei ist also schmal. Der Wunsch, von seinen Mitmenschen positiv wahrgenommen zu werden, ist verständlich. Man sollte sich allerdings regelmäßig selbst die Frage stellen: Wann ist es zu viel des Guten? Und muss man alles mit jedem teilen?

Bildnachweis: Minerva Studio / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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