Schwierige Jobinterviews führen zu zufriedenen Mitarbeitern

von in HR am Montag, 2. November 2015 um 11:27

Assessement Center, knifflige Aufgaben, ungewöhnliche Interviewfragen: Kandidaten müssen während des Bewerbungsprozesses so einige Hürden nehmen. Ob nach schwierigen Bewerbungsgesprächen die ausgewählten Mitarbeiter zufriedener sind, hat Glassdoor in einer neuen Studie untersucht. Daraus geht auch hervor, warum Jobinterviews nicht zu einfach sein dürfen.

Bewerber auf dem Prüfstand

Das Vorstellungsgespräch dauert eine gefühlte Ewigkeit. Nicht nur der Personalchef stellt zahlreiche Fragen zum Lebenslauf, auch die Abteilungsleiterin möchte es genau wissen: Teamplayer oder doch lieber Einzelkämpfer? Wie würde man mit einem aufbrausenden Kollegen umgehen? Und sagt man es dem Chef offen, wenn er einen Fehler macht? Nach dem Fragenmarathon noch eine knifflige Aufgabenstellung aus der Praxis – danach wird man endlich in die Freiheit entlassen. Warum der Personalchef und die vielleicht zukünftige Chefin den Bewerber so „grillen“? Sie halten nicht nur nach dem fachlich besten Kandidaten Ausschau sondern auch nach jenem, der am besten zum Team und zum Unternehmen passt. Ein gutes Matching sorgt nicht nur für produktive Arbeitnehmer, es sorgt auch für hohe Zufriedenheit mit dem Arbeitsverhältnis – auf beiden Seiten.

Führt ein schwieriges Jobinterview aber auch dazu, den Bewerber zu finden, der sich am besten eignet? Das Bewertungsportal Glassdoor ist dieser Frage nachgegangen und hat dafür rund 154.000 Bewertungen aus sechs Ländern (Deutschland, Frankreich, USA, Australien, Kanada, Großbritannien) analysiert. Datengrundlage bilden Bewertungen von Arbeitnehmern, die nach dem Jobinterview eingestellt wurden und zu unterschiedlichen Zeitpunkten sowohl Interview, als auch Job bzw. Arbeitgeber bewertet haben.

Schwierig oder einfach

Laut Studie, die Bewerbungsgespräche auf einer Skala von 1 (sehr einfach) bis 5 (sehr schwierig) einstuft, führen Jobinterviews der Stufe 4 zur höchsten Zufriedenheit der eingestellten Arbeitnehmer. Arbeitnehmer in Deutschland sind im Durchschnitt 2,4 Prozent zufriedener mit ihrem Job, nachdem ein zehn Prozent schwierigeres Jobinterview geführt wurde. Zu schwierige Gespräche der Stufe 5 führten dagegen in allen Ländern dazu, dass die eingestellten Mitarbeiter mit ihrem Arbeitsverhältnis unzufriedener waren.

Nicht zu einfach, nicht zu schwierig

Die Herausforderung liegt darin, den optimalen Schwierigkeitsgrad für ein Gespräch zu finden: Herausfordernd, den Bewerber aber nicht überfordernd. Das erlaubt es dem Personaler, die Fähigkeiten und den „Cultural Fit“ eines Bewerbers sorgfältig zu untersuchen, ohne in dabei zu stressen oder zu verärgern. Sehr einfache Jobinterviews können zu Fehlern bei der Auswahl führen. Der neue Arbeitnehmer ist für den ausgeschriebenen Job womöglich gar nicht ausreichend qualifiziert. Sehr schwierige, unangenehme Jobinterviews führen auch nicht zum Ziel: Sie können ein Indikator für eine aggressive Unternehmenskultur sein. Wer die Gratwanderung meistert und den optimalen Schwierigkeitsgrad für das Gespräch wählt, prüft den Bewerber auf alle notwendigen Fähigkeiten und vermittelt dennoch das Gefühl von Wertschätzung.

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Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.