Schwangerschaft im Büro: Laut Studie ansteckend

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 29. November 2012 um 11:07

Nach dem Babybesuch einer Kollegin sagt ein Kollege halb im Scherz: „Na das wird jetzt die Runde gehen.“ Kommt das bekannt vor? Was viele vielleicht schon gehört oder beobachtet haben, wurde jetzt durch eine Studie der deutschen Universität Bamberg bewiesen: Schwangerschaften sind im Büro ansteckend. „Sind Geburten ansteckend?“, so lautete die konkrete Forschungsfrage. Wie eindeutig diese mit „Ja“ beantwortet werden kann, überrascht.

Schwangere Kollegin bestärkt doppelt

Denn wie die Forscher Sebastian Pink, Thomas Leopold und Henriette Engelhardt beweisen konnten, steigt die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Schwangerschaft nachdem eine Kollegin Mutter geworden ist nahezu um das Doppelte an. Die „Ansteckung“ passiere demnach aus zwei Gründen – bedürfnis- und überzeugungsvermittelt. Das heißt die Interaktion mit der Kollegin sowie deren Baby stärkt sowohl den eigenen Kinderwunsch als auch das Selbstvertrauen bei bereits bestehendem Wunsch nach Nachwuchs. Eine kinderlose Frau kann demnach „hautnah“ verfolgen, welche Auswirkungen Schwangerschaft und Geburt auf das Berufs- und Familienleben der Kollegin hat. Wie diese mit den Anforderungen der Arbeit umgeht und wie mit ihr selbst umgegangen wird. Aus einem „Kinder ja, derzeit aber nicht möglich“ wird durch diese Art von Beobachten nicht selten ein: „Es ist machbar.“

Mut, sich für ein Kind zu entscheiden

In der heutigen Zeit bedeutet, so der Hintergrund dieser Theorie, für eine erwerbstätige Frau eine Schwangerschaft häufig einen groben Einschnitt in der Erwerbskarriere mit – je nach gewähltem Karenzmodell und individueller Lebenssituation – zum Teil großen Veränderungen. Mitzubekommen, wie sich eine Kollegin in dieser Situation verhält, wie mit ihr umgegangen wird und dass sie sich – trotz des jeweiligen Berufes – für diesen Schritt entschieden hat, kann anderen Frauen Mut geben. Ob Schwangerschaften „ansteckend“ bzw. sozial beeinflusst sind, untersuchen Forscher übrigens bereits seit 1986. Teilen sich Personen ähnliche Kontexte – wie in diesem Fall die Arbeit in einem Unternehmen – ist der Einfluss auch größer.

„Ich will auch!“

Je ähnlicher die Situation der Frauen, desto größer auch der Einfluss. Der zweite Grund, weshalb Schwangerschaften sich verbreiten können, ist das Bedürfnis nach einem Kind. Dieses kann – unabhängig von der Person – bereits beim Anblick einer Babykugel bzw. eines Neugeborenen ausgelöst oder verstärkt werden. Hier geht es um das Kind an sich und weniger um die (werdende) Mutter.

Die Forscher werteten für ihre Untersuchung Daten von rund 42.400 Frauen in 7560 deutschen Betrieben aus.

Bildnachweis: mathias the dread / Quelle Photocase

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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