Karriere: Macht sich Schönheit bezahlt?

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 20. August 2015 um 10:34

Wie sich das Aussehen auf Erfolg in der Arbeitswelt auswirkt, haben zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten bereits untersucht. IZA World of Labor hat bisherige Erkenntnisse zum Thema jetzt zusammengefasst: Dürfen sich attraktive Menschen wirklich besonders oft über Jobzusagen oder mehr Gehalt freuen? Aktuelle Forschungsergebnisse und Handlungsempfehlungen, um Diskriminierung vorzubeugen:

Schönheit zahlt sich aus

Sollten innere Werte nicht mehr zählen, als das Äußere? Dieser Meinung mögen viele sein, ein Blick auf Gesellschaft und Arbeitsmarkt zeichnet aber ein anderes Bild. Wissenschaftliche Studien haben sich mit dem Erfolgsfaktor Schönheit bereits auseinandergesetzt. IZA World of Labor hat Studienergebnisse zur Bedeutung von Schönheit im Job zusammengefasst. Eine Erkenntnis: Gut aussehende Menschen gelten als leistungsfähig, kompetent, vertrauenswürdig und produktiv – und werden deshalb in der Arbeitswelt oft unbewusst bevorzugt. Die körperliche Erscheinung spielt besonders oft eine Rolle, wenn Kundenkontakt gefragt ist.

Attraktivität wird gut bezahlt

Schönheit macht sich offensichtlich auch auf dem Bankkonto bezahlt: Gutes Aussehen erhöht nicht nur die Jobchancen, sondern sorgt auch für mehr Einkommen: Attraktivität schlägt sich in einem Einkommensplus von bis zu einem Fünftel wieder. In China und Deutschland fällt der „Schönheitsbonus“ laut Forschungen besonders hoch aus. Bei den deutschen Nachbarn verdienen attraktive Frauen bis zu 20 Prozent mehr, bei Männern sind es immerhin 14 Prozent Gehaltsplus.

Für den Job unter das Messer?

Stilberatung, Ernährungscoach, Personal Trainer: Für manche ist das nicht genug. In der Hoffnung, dass jugendliches Aussehen und Schönheit auf der Karriereleiter noch weiter nach oben verhelfen, wird manchmal nachgeholfen. Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie hat 2014 bundesweit über 1.300 ihrer Patienten zu Beweggründen für plastische Eingriffe befragt: 4,2 Prozent der Befragten gaben an, sich von der ästhetischen Behandlung eine Verbesserung ihrer beruflichen Chancen zu erhoffen. Bei den Männern war dieser Anteil mit 9,2 Prozent deutlich größer als bei den Frauen (3,4 Prozent). Unter den Patienten in der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie sind übrigens überdurchschnittlich viele Akademiker: 34,9 Prozent der weiblichen und 38,5 Prozent der männlichen Patienten verfügten 2014 über einen Hochschulabschluss.

Diskriminierung in der Arbeitswelt minimieren

Laut IZA Labor of Work ist berufsbezogene Diskriminierung, basierend auf äußerlicher Erscheinung, in den letzten Jahren gestiegen. Um Diskriminierung einzudämmen, gibt sie folgende Empfehlungen aus:

  • Auf Fotos in Bewerbungsunterlagen verzichten
    Bereits beim Sichten der Bewerbungsunterlagen zählt der erste, optische Eindruck am Bewerbungsbild. Wer hier nicht überzeugt, kann gegenüber gut aussehenden Bewebern das Nachsehen haben – selbst dann, wenn die Qualifikationen stimmen. Auf Fotos in der Bewerbung zu verzichten würde laut IZA helfen, dass es alle qualifizierten Kandidaten zum Jobinterview schaffen und dort die Chance erhalten, sich und ihre Leistung zu präsentieren.
  • Führungskräfte und HR-Verantwortliche sensibilisieren
    Diskriminierung geschieht sicher nicht immer bewusst, entsprechendes Wissen kann für das Thema aber sensibilisieren.
  • Arbeitnehmer unterstützen
    Wenn im Job gutes Auftreten und die äußere Erscheinung besonders zählen: Arbeitgeber können ihre Mitarbeiter mit Schulungen und Trainings unterstützen.

Weiterführende Literatur zum Thema ist am Ende dieses Artikels zu finden.

Bildnachweis: Niels Hariot / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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