Schneechaos pur – Was tun, wenn man zu spät oder gar nicht im Job erscheint?

von in Arbeitsrecht am Freitag, 10. Dezember 2010 um 10:44

Alle Jahre wieder, kommt es so sicher wie Weihnachten: Das Schneechaos – sobald die ersten Flocken fallen und die ersten Zentimeter auf den Straßen der Alpenrepublik liegen bleiben. Es wird gerutscht, gecrasht und geschlittert was das Zeug hält. Und die Schreibtische in den Büros bleiben an Tagen wie diesem oft länger leer, als den Chefs lieb ist. „Eingeschneit“, heißt es da von Pendlerseite. Muss das der Chef aber akzeptieren? Gibt es so etwas wie „schneefrei“? Oder muss man sich gar einen Urlaubstag nehmen, wenn man es wegen der winterlichen Witterungsverhältnisse nicht an den Arbeitsplatz schafft?

Laut Arbeiterkammer ist die Lage klar: Ein Arbeitnehmer ist grundsätzlich verpflichtet, alle „zumutbaren Vorkehrungen“ zu treffen, damit er auch bei Schneechaos pünktlich an seinem Schreibtisch eintrifft. Was bedeutet das aber? Soll heißen: Ein gesunder Arbeitnehmer muss den Zwei-Kilometer-Arbeitsweg nicht zwangsläufig mit dem Auto zurücklegen, wenn die Straßen für Autos unpassierbar sind und der Fußweg aber zumutbar ist. Oder: Wenn der Arbeitsort mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Zug oder Straßenbahn ohne größere Probleme erreicht werden kann nicht aber mit dem Auto, dann darf von einem Arbeitnehmer erwartet werden, dass er diese verwendet. Auch dass man sich wegen des Schneetreibens früher auf den Arbeitsweg macht, sei durchaus von Angestellten zu erwarten, so die Arbeitnehmervertretung. Grundsätzlich müsse aber von Fall zu Fall entschieden werden. Jedenfalls Pflicht in Zeiten des Handys: Telefonisch melden, dass man nicht oder später erscheinen wird!

Schnee-Verspätung ist kein Entlassungsgrund

Extra Urlaub nehmen braucht sich niemand, der wegen der Fahrbahnverhältnisse nicht in die Arbeit kommen kann. Für Angestellte ist grundsätzlich auch vorgeschrieben, dass er für die witterungsbedingt nicht geleistete Arbeitszeit auch sein Gehalt überwiesen bekommt. Voraussetzung: Er oder sie muss ernsthaft versucht haben, rechtzeitig im Büro zu erscheinen. Bei Arbeitern heißt es allerdings aufpassen: Es kann nämlich sein, dass in manchen Kollektivverträgen die Bestimmungen andere sind und der Betroffene mit jeder eingeschneiten Stunde auch noch Geld verliert…

Dass eine Verspätung oder ein Fernbleiben wegen Schneefalls aber als Argument für eine Entlassung herangezogen wird, sei absolut nicht möglich, betonen die Arbeitsrechtsexperten der Arbeiterkammer.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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