Am Arbeitsplatz: Wenn der Schmerz täglicher Begleiter ist

von in Arbeitsleben am Montag, 15. Oktober 2012 um 12:06

Jeder dritte Österreicher leidet im Job unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen: Knapp die Hälfte unter Rückenschmerzen, 33 Prozent unter Augenproblemen. Das ergab die Studie „fit2work Arbeits-Fitness-Barometer„, die kürzlich präsentiert wurde. Demnach sind Österreicher mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen im Schnitt 25,2 Arbeitstage pro Jahr im Krankenstand. Die Hälfte davon, kommentiert der Sozialminister, wären vermeidbar.

Leistungsdruck macht zu schaffen

Die richtige Sitzhaltung am Arbeitsplatz

Auf die Frage nach den belastenden Umständen am Arbeitsplatz nennt ein Viertel der Befragten die gleichbleibende Körperhaltung bei der Arbeit – 72 Prozent der 1000 Befragten etwa arbeiten regelmäßig vor dem Bildschirm. Bei den Umwelteinflüssen geben 29 Prozent an, unter Hitzeeinwirkung zu leiden, jeweils 15 Prozent leiden unter Lärm oder Kälte. Unangenehme Gerüche oder Schadstoffe wie Staub belasten weitere 14 Prozent. Es sind aber vor allem die psychischen Belastungen, die den Menschen zu schaffen machen, so die Studienautoren: Rund ein Viertel der Befragten bewertet seinen Arbeitsplatz in Bezug auf Leistungsdruck als ziemlich oder sogar sehr schlecht. Interessant ist weiters, dass es in Bezug auf Anerkennung und Wertschätzung 22 Prozent sind.

43 Prozent fühlen sich nach der Arbeit leer und ausgebrannt

Die ständige Erreichbarkeit rund um die Uhr macht weiteren 19 Prozent zu schaffen. Nach der Arbeit leer und ausgebrannt fühlen sich 43 Prozent der Österreicher. Die Volkskrankheit Rückenschmerzen zählen, wie eingangs erwähnt, zu den häufigsten Beschwerden (46 Prozent), gefolgt von Nacken- und Schulterschmerzen (44 Prozent), Augenproblemen (33 Prozent) und Kopfschmerzen (27 Prozent). „Gegen all diese Krankheitsbilder kann man etwas tun“, so Sozialminister Rudolf Hundstorfer.

Oft „krankt“ es bei den Unternehmen

Wie die Studie allerdings weiters zeigt, gibt es bei der Gesundheitsvorsorge großen Nachholbedarf: Zwar bezeichnen zehn Prozent der Befragten ihr Unternehmen als „Vorreiter in Sachen Gesundheit am Arbeitsplatz“. Ein Fünftel der Studienteilnehmer ist allerdings der Ansicht, dass „Gesundheit am Arbeitsplatz dem Unternehmen nicht wirklich am Herzen liegt“. Weitere 36 Prozent meinen, dass Gesundheit zwar Thema ist, andere Dinge meist jedoch Vorrang bekommen. Zu den meist genannten bereits bestehenden Gesundheitsangeboten zählen flexible und bedürfnisorientierte Arbeitszeiten (36 Prozent), ergonomische Arbeitsplatzgestaltung (28 Prozent) sowie die Beratung durch Arbeitsmediziner (26 Prozent).

Mehr Wertschätzung für mehr Gesundheit

Auf die Frage nach den Gesundheits-Wünschen an das Unternehmen, nennt ein Viertel der Teilnehmer Burnout-Prävention und stärkere Einbindung in Entscheidungsprozesse, 22 wünschen sich Angebote zur gesunden Ernährung und ergonomische Arbeitsplatzgestaltung. 18 Prozent wünschen sich flexiblere Arbeitszeiten für eine bessere Work-Life-Balance. Auffallend ist, dass Maßnahmen zur Verbesserung der psychischen Gesundheit vor jenen der körperlichen Verbesserung liegen.

Ausweg anonyme und freiwillige Beratung

„Damit etwas passiert“ wurde mit fit2work ein freiwilliges und kostenloses Beratungsangebot ins Leben gerufen, das jeder und jedem rasch und unbürokratisch Wege aus der belastenden Situation aufzeigt“, so Hundstorfer. fit2work richtet sich an alle österreichischen Unternehmen sowie an Arbeitnehmer, Arbeitslose, Menschen, deren Arbeitsplatz aufgrund gesundheitlicher Probleme gefährdet ist und auch jene, die aufgrund gesundheitlicher Probleme Schwierigkeiten haben, einen Arbeitsplatz zu finden.

Bildnachweis: Svea Anais Perrine. / Quelle Photocase

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren