Der meiste Stress im Job kommt durch schlechte Kommunikation

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 24. April 2014 um 10:13

„Wir Arbeitspsychologen freuen uns, dass gerade entdeckt wird, was alles möglich ist.“ So kommentiert Veronika Jakl das erste Jahr der Gesetzesnovelle zum Arbeitnehmerschutz, die neben den körperlichen auch die psychischen Gefahren im Job sichtbar macht. Seit mittlerweile gut einem Jahr werden die Evaluierungen durchgeführt. Diese zeigen unter anderem auf, was Arbeitnehmer wirklich krank macht.

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Hohe Fluktuation und Krankenstandstage als Konsequenz

Die Zahl der Arbeitsunfälle in Österreich ist seit Einführung des Arbeitnehmerschutzgesetzes am 1. Jänner 1995 stark gesunken. Nun ist es an der Zeit, auch bei den psychischen Erkrankungen nachzuziehen, kommentiert Jakl die betreffende Gesetzesnovelle, die seit 1. Jänner 2013 in Kraft ist. Das erste Fazit der Expertin ist überwiegend positiv: „Aktuell habe ich es mit vielen Firmen zu tun, denen die Gesundheit der Mitarbeiter ohnehin sehr am Herzen liegt – und das ist mehrfach gut. Denn wird die Evaluierung als reine Pflichterfüllung gesehen, auf die keine Verbesserung folgt, ist das einfach schade. Meistens merken es diese Unternehmen jedoch selbst und zwar an hoher Fluktuation und vielen Krankenstandstagen.“

„Nun ziehen die anderen Arbeitgeber nach“

Arbeitnehmer Schutzgesetz GrafikKonkret bringt die Novelle eine Verpflichtung für die Arbeitgeber mit sich – nämlich, die Evaluierungsverpflichtung hinsichtlich der psychischen Belastungen am Arbeitsplatz. Viele Firmen jedoch, so die Arbeitspsychologin, sehen die Erhebung als positiven Anstoß für weitere Gesundheitsmaßnahmen. „Am Anfang haben vor allem jene Firmen, die ohnehin schon sehr viel für ihre Mitarbeiter tun, an der Evaluierung teilgenommen. Nun ziehen die anderen Arbeitgeber nach.“ Aktuell sind auch die Arbeitsinspektorate unterwegs, um die Firmen auf ihre neue Pflicht hinzuweisen. Viel Arbeit für die rund 650 zertifizierten Arbeitspsychologen in Österreich – „aber das ist gut so““, meint Jakl.

„Experten für ihren eigenen Arbeitsplatz“

Veronika Jakl

Veronika Jakl

Die Frage der Fragen lautet jedoch: Was macht die Arbeitnehmer krank? „Am häufigsten scheitert es an der Kommunikation im Team. Einerseits zwischen Führungskräften und Mitarbeitern, andererseits auch zwischen den Abteilungen. „Daraus entsteht dann unter anderem Stress, Zeitdruck und schlechtes Klima. Und genau diese Dinge machen auf Dauer krank“, weiß Jakl. Wie aber kann die Evaluierung konkret helfen? „Wir beziehen die Mitarbeiter selbst stark mit ein. Sie sind schließlich die Experten für ihren eigenen Arbeitsplatz und können sagen, welche Verbesserungen – etwa in der Kommunikation – nötig sind.“ Daraus werden Handlungsvorschläge erarbeitet, die dann von den Unternehmen umgesetzt werden.

Bis 2015 sollen alle Mitarbeiter informiert sein

KrankenstandWie viel Prozent der heimischen Firmen bereits auf mögliche Fehlbelastungen untersucht wurden, lässt sich schwer schätzen. „Ich hoffe stark, dass bis Ende 2015 die meisten Mitarbeiter zumindest schon einmal von dem Programm gehört haben“, so die Psychologin. Denn das Ziel hinter der Novelle ist ein bedeutendes: Die Reduzierung von psychischen Erkrankungen sowie daraus resultierenden Krankenstandstagen und Frühpensionierungen. „Es ist keine Tragödie, dass man das als Arbeitgeber jetzt machen muss“, beruhigt Jakl die Unternehmensvertreter. „Wir können hier individuell vorgehen und für jeden Betrieb passende Lösungen finden.“ Die Klientel von Jakl selbst ist ebenfalls bunt geschmischt – von der Bank über einen Hersteller landwirtschaftlicher Maschinen bis hin zum Gefängnis oder Windradproduzenten ist alles dabei.

Zur Person: Veronika Jakl

Psychologin Veronika Jakl ist zertifizierte Arbeits- und Organisations- und Personalpsychologin, sie bietet unter anderem als AUVA-Seminarleiterin in der Erwachsenenbildung Kurse und Seminare an. Jakl ist zudem Geschäftsführerin der eval IT GmbH und hat mehrjährige Erfahrungen im Eventmanagement.

Bildnachweis: JrCasas /Shutterstock, Ana Blazic Pavlovic /Quelle Shutterstock, Jackl

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit 2012 für karriere.at Am liebsten taucht sie durch Interviews in neue (Arbeits-)Welten ein. Als Jungmama liegen ihr die Vereinbarkeit von Familie und Job besonders am Herzen.

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