Sandkastenweisheiten: 16 Monate Mama oder meine neuen Jobs

von in Arbeitsleben am Freitag, 8. April 2016 um 10:30

Vor einigen Monaten habe ich an dieser Stelle mein Mama-Sein mit einem Augenzwinkern als meinen neuen Beruf beschrieben. Einige Zeit und noch ein Baby später stelle ich fest: Das ist nicht ein Job, das sind sogar ganz viele verschiedene. Wo die Erkenntnis anfing? In der Sandkiste natürlich!

Als Mama einer 16 Monate alten, sehr mobilen und neugierigen Tochter verbringe ich immer mehr Zeit draußen. Denn am Spielplatz, das merkt man als Elternteil schnell, ist vieles einfacher als in der Wohnung. Jedenfalls bringt die neu verbrachte Zeit bei uns im Innenhof zwischen Sandkiste und Schaukel auch neue Menschen in unser beider Leben – andere Kinder und deren Eltern – zugegeben, meist Mütter. Jedenfalls lernt man sich zwischen: “Nein, die Schaufel hat jetzt der Maxi”- und “Der Sand bleibt in der Sandkiste!” irgendwann doch besser kennen.

Wenn die Berufs-Identität Pause macht

Und dann kommt meist auch die sonst bei neuen Bekanntschaften übliche Frage nach dem Beruf. Mit dem einzigen Unterschied, dass diese Frage für eine Mama in Karenz meist so klingt: “Und, was hast du vorher so gemacht?” Spannend ist das “vorher” schon, in der Karenz pausiert doch irgendwie auch ein Stück der eigenen Identität. Aber zurück zum Thema: Ich habe das letzte Mal hier im Blog mein Mama-Sein als meinen neuen Beruf beschrieben und da fällt mir ein, was meine Mutter gerne sagt: “Wenn jemand fragt, du leitest gerade ein sehr erfolgreiches kleines Familienunternehmen.”

Einmal Mama – oder 14 neue Jobs

Da sich meine Kinderzahl auf zwei erhöht und sich somit auch meine Auszeit vom Job um ein Jahr verlängert hat, wurde es Zeit, diese Aussage genauer zu prüfen. Nicht ganz ernst gemeint und wohl wissend, dass es mir mit einem super Papa und tollem Rückhalt durch die Familie sehr, sehr gut geht, hier einige meiner aktuellen Berufe:

  • Zofe: Ich verbringe täglich ziemlich viel Zeit damit, zwei kleine Menschen halbwegs sauber zu halten und sie verschiedenen Situationen entsprechend angemessen zu kleiden. Während die Größere zum Glück brav mithilft und die Sache so leichter macht (von Fäustlingen und Haube reden wir jetzt einmal nicht), schafft es der Kleinere mit seinen acht Wochen, sich oktopusartig aus bereits angezogenen Ärmeln zu winden und zieht seine Beine so fest an, dass jede Strumpfhose kapituliert.
  • Köchin: Wer uns besucht, glaubt es kaum, aber die Küche ist tatsächlich nicht nur dazu da, dass das Kind Laden ausräumen oder mit Wasser spannende Schüttspiele veranstalten kann. Hier wird auch täglich gekocht bzw. Essen zubereitet. Mehrmals. Für ein Kind, das seine Vorlieben jeden Tag ändert, am liebsten Weintrauben oder Rosinen isst und das am besten im Stehen. Joghurt wird auf der Tischplatte verschmiert und alles, was schön färbt, auf den Boden geworfen.
  • Reinigungskraft: No words needed.
  • Wäschereifachfrau mit Spezialisierung auf schwierige Flecken: Ebenfalls, no words needed.
  • Krankenschwester: Seit die Große entdeckt hat, dass man bei einem Aua getröstet wird und ein Bussi bekommt, ist “Aua” neben “Nein” ihr zweites Lieblingswort. Als Krankenschwester weiß ich aber noch viel mehr: Zum Beispiel, wie man einen kleinen Kopf am besten streichelt, welches Zahnungsgel nicht ausgespuckt wird, ab wann man Fieber bei einem Kleinkind senken muss und warum Essigpatschen bei Babys keine gute Idee sind.
  • Ich bin, und das ist auch schon mein nächster Beruf, auch wandelndes Lexikon. Ich kenne meine Kinder in- und auswendig, weiß, mit welchem Stofftier die Große einschläft, welche Tierlaute sie bereits kennt, welche Geräusche im Haushalt ihr Angst machen – der Staubsauger ist der böse “Wu-Wu” – und weshalb man sich beim Wickeln von ihr Creme auf die Nase schmieren lassen muss, um einen Wutanfall zu vermeiden.
  • Schlafwagen: Der Kleine schläft aktuell am liebsten in unseren Armen, kaum legt man ihn in seine Wiege, ist er wach. Die Große will überall dabei sein, und wenn sie nicht gerade herumfetzt, klettert oder sich hinter Polstern “versteckt”, erkundet sie die Welt am liebsten von Mamas Hüfte aus.
 Ist Mama schon besetzt von einem Baby, ist das egal. Was muss, muss.
  • Transportmanagerin: Egal ob für ein paar Stunden oder über Nacht: Seit wir Kinder haben, ist Reisen mit leichtem Gepäck nur mehr ironisch zu verstehen und wir sind froh, wenn der Kombi uns samt Kinderwagen & Co. überhaupt schafft. Wer die vielen kleinen und großen Wichtigkeiten einpackt, ist klar. Die zofenhafte Lexikon-Krankenschwester.
  • Spielplatz-Kumpanin alias Bodyguard: Auf einem Spielplatz geht es heiß her und so lange die Knirpse sich und ihre Schaufeln nicht selbst im Griff haben, ist es an den Erwachsenen, für Recht und Ordnung zu sorgen. Da ist man einerseits froh, wenn das eigene Kind kein Rüpel ist, macht sich aber auch Sorgen, wenn es sich alles gefallen bzw. wegnehmen lässt.
  • Finanzmanager: Wo es wann die günstigsten Windeln gibt und mit wem man welche Kleidung tauschen kann – dieses Wissen ist bares Geld wert.
  • Innenraumgestalterin: Mach die Wohnung kindersicher aber dabei schick. Lästig aber notwendig, außer man hängt nicht an seinen Sachen oder findet es lustig, jeden Tag Bücherregale, Kleiderkästen & Co. neu einzuräumen.
  • Zaubererin: Lass Dinge, die gefährlich sind oder nicht bespielt werden sollen, möglichst schnell und unauffällig verschwinden. Klingt einfach, ist es aber nicht. Mit zunehmendem Alter lassen sich die Knirpse nämlich nicht mehr täuschen und die Ablenkung muss wirklich, wirklich gut sein.
  • Pädagogin: Über das Erziehen mache ich mir wohl am meisten Gedanken: Das richtige Umgehen mit Wutanfällen, Weinausbrüchen und Schaufel-weg-Dramen liegt eben nicht im Blut und hier heißt es, den für sich richtigen Weg zu finden.
  • Mama. Das ist mein liebster Beruf. Denn egal wie anstrengend meine zahlreichen Nebenjobs sind, ich würde nie tauschen wollen. Das Gute ist: muss ich auch nicht, denn Mama bleibt man ein Leben lang.

Bildnachweis: Mr.Exen / Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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