Sabbatical oder Karenz: Glücklich durch Auszeiten-Management

von in Arbeitsleben, Arbeitsmarkt, HR am Freitag, 22. März 2013 um 11:23

Reisende soll man nicht aufhalten. Auch nicht als Unternehmen. Denn wer etwa den Traum von einer Weltreise ausleben möchte, der wird das auch tun. Wenn der einzige Weg dorthin die Kündigung ist, dann wird eben gekündigt, wie Katrin Bointner, Organisationsentwicklerin bei Resch & Frisch, im Interview bestätigt. Auszeiten durch Karenzen aber auch der vermehrte Wunsch nach Sabbaticals hat das Unternehmen mit derzeit 1400 Mitarbeitern zum Umdenken gebracht. Das Stichwort lautet: Systematisches Auszeitenmanagement.

Drohende Gefahr, wichtige Mitarbeiter zu verlieren

Katrin Bointner

„Mit dem Thema Auszeiten durch Karenz ist unser Unternehmen schon immer konfrontiert, fast die Hälfte der Mitarbeiter ist weiblich“, berichtet Bointner. Früher passierten die Auszeiten jedoch ohne System, karenzierte Mitarbeiter waren „einfach weg“. Als vor etwa zwei Jahren vermehrt der Wunsch zu bewussten Auszeiten von Mitarbeitern gekommen ist, erkannte man den Bedarf zu Handeln. „Wir haben eingesehen, dass wir uns dem Thema stellen müssen, da sonst die Gefahr droht, wichtige Mitarbeiter zu verlieren“, so die Organisationsentwicklerin. Das Thema Auszeitenmanagement wurde in die Agenda aufgenommen, im April 2012 startete Bointner ihr Projekt.

Den Kontakt nicht verlieren

„Der Großteil unserer Auszeiten ist freilich durch Karenzen bedingt, wir haben aber auch gesehen, dass die Anfrage nach Sabbaticals für Weltreisen oder auch die Ausübung eines Hobbys steigt.“ Als nächster Schritt hat sich Bointner angesehen, was in jener Phase passiert, in der die Mitarbeiter weg sind. Und es zeigte sich: „Wir tun nichts.“ Um dies zu ändern, wurde begonnen, aktiv mit den Mitarbeitern Kontakt zu halten und die Auszeit so mitzugestalten. „Wir wollen durch Aktionen wie ein Eltern-Café oder die Mitarbeiterzeitung die Verbindung aufrecht erhalten, denn sonst kommen die Mitarbeiter auch gedanklich so weit weg vom Unternehmen.“

Flexibilität auf beiden Seiten

Als nächster Schritt muss geklärt werden, wie die Mitarbeiter nach ihrer Auszeit wieder ins Unternehmen integriert werden können. „Bei Sabbaticals ist dies einfacher, da die Mitarbeiter danach ja in der Regel wieder Vollzeit einsteigen. Bei der Rückkehr nach einer Karenz sieht es meist anders aus“, so Bointner. Früher habe man krampfhaft versucht, den alten Platz wieder zu besetzen. Dies macht jedoch nicht immer Sinn bzw. ist nicht immer möglich. „Wir sind jetzt viel flexibler was den Einsatz der Mitarbeiter betrifft. In rechtzeitigen Rückkehrgesprächen versucht man, individuelle Lösungen zu finden.“ Freilich, diese Vorgehensweise fordert ein Entgegenkommen bzw. Flexibilität auf beiden Seiten. Wie gut dieses Konzept funktioniert, zeigt jedoch die hohe Rückkehrquote von rund 70 Prozent.

Appell: Dem Thema offen gegenüber stehen

Im Zuge des Projekts „Systematisches Auszeitenmanagement“ wurde unter anderem ein Prozess für freiwillige Auszeiten definiert. Die Mitarbeiter werden angehalten, ihre Vorstellungen bei ihrer Führungskraft zu melden. Gemeinsam werden dann die Austrittsinfos ermittelt und weitere Schritte in die Wege geleitet. Dazu gehören auch Fragen zum Thema Versicherung sowie der Zeitpunkt der geplanten Rückkehr. „Kommunikation ist alles und ich kann nur den Appell abgeben, dem Thema Auszeit als Unternehmen gegenüber offen zu sein. Denn es sind wenige, die es tatsächlich machen aber wenn man Mitarbeiter halten will, sollte man proaktiv sein und auch Möglichkeiten einräumen.“

Zur Person: Katrin Bointner

Katrin Bointner ist seit 2008 in der Organisationsentwicklung bei Resch & Frisch tätig. Ihre Aufgabenschwerpunkte sind Organisatonsentwicklung, Employer Branding, Personalcontrolling sowie Holding-Projekte. Seit 2008 ist Bointner auch als Lektorin an der FH Wels und Linz sowie der JKU Linz, an der sie studiert hat, im Einsatz.

Bildnachweis: durantelallera / Quelle Shutterstock, privat

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren