Rückmeldungen auf Bewerbungen mangelhaft – Nachfragen erlaubt?

von in Bewerbung am Dienstag, 22. April 2014 um 19:59

Schickt man eine Bewerbung ab, ist dies meist mit Zeit, Mühe aber vor allem der Hoffnung auf einen (neuen) Job verbunden. Umso enttäuschender, wenn die Reaktion nicht die gewünschte ist oder, viel schlimmer noch, ganz ausbleibt. Laut aktueller karriere.at-Online-Umfrage klagen knapp 70 Prozent der Arbeitnehmer über sehr späte oder gar keine Reaktion auf ihre Bewerbungen. Nur wenige Arbeitgeber hingegen gestehen sich Versäumnisse ein.

Nur fünf Prozent der Bewerber wurden nie enttäuscht

Bewerbungsrueckmeldungen„Bewerbungsrückmeldungen: Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?“ Diese Frage stellte karriere.at seinen Usern per Online-Voting. Die Ergebnisse der 704 Befragten sprechen wohl vielen Arbeitnehmern aus der Seele. 39 Prozent mussten schon einmal Wochen auf eine Bewerbungsrückmeldung warten, weitere 30 Prozent erhielten auf ihre Bewerbung gar keine Antwort. Manchmal länger warten musste ein gutes Viertel der Befragten. Lediglich fünf Prozent gaben an, bisher nur positive Erfahrungen mit Bewerbungen gemacht zu haben. Wer sich selbst schon einmal beworben hat, weiß, wie lange die Wartezeit auf eine Rückmeldung sein kann. Folgt dann gar keine, sind Ärger und Enttäuschung verständlicherweise groß. Doch was sagen die Arbeitgeber dazu? 181 HR-Manager, Führungskräfte und Unternehmer wurden ebenfalls zum Thema befragt. Die Diskrepanz zwischen Bewerber- und Arbeitgebersicht könnte größer wohl kaum sein.

Nur wenige Arbeitgeber gestehen Versäumnisse ein

Bewerbungsrueckmeldungen_Arbeitgeber38 Prozent der Befragten gaben an, den Eingang einer Bewerbung binnen 24 Stunden zu melden. Weitere 29 Prozent sprechen von einer Rückmeldung innerhalb weniger Tage. Dass es bis zu zwei Wochen dauern kann, meinten 16 Prozent der Befragten. Lediglich 17 Prozent der Befragten auf Arbeitgeberseite räumen Versäumnisse ein. Sie sagen: „Hier haben wir noch Aufholbedarf“. Stellt man nun die Ergebnisse gegenüber, so zeigt sich folgendes: Auf der einen Seite stehen 69 Prozent der Arbeitnehmer, die über späte oder keine Reaktion auf Bewerbungen klagen. Dem gegenüber die Arbeitgebervertreter, die großteils (67 Prozent) davon berichten, dass in ihrem Unternehmen zeitnahe reagiert wird.

Bewerbungen dürfen nicht „untergehen“

Abhilfe verschaffen kann hier die Einführung eines professionellen Bewerbermanagements, denn unabhängig von der ausgeschriebenen Position sowie der Unternehmensgröße dürfe es nicht sein, dass Bewerbungen einfach „untergehen“, kommentiert karriere.at-Geschäftsführer Jürgen Smid die Studie. Was aber kann der einzelne Bewerber tun und vor allem, wann ist nachfragen erlaubt?

Wartefrist unbedingt einhalten

Andrea Starzer

Andrea Starzer

Karriere-Coach Andrea Starzer: „Telefonisch würde ich frühestens nach zehn Tagen nachfragen, da auch intern einige Abstimmungen laufen, idealerweise dann aber direkt bei der im Stelleninserat angegebenen Kontaktperson. Es ist natürlich auch in Ordnung, sich per E-Mail nach dem aktuellen Stand zu erkundigen. Vom persönlichen Vorbeischauen in der Firma würde ich jedoch abraten. Jeder hat schließlich seinen vordefinierten Zeitablauf und kaum jemand hat dann spontan Zeit für eine wirklich wertvolle Auskunft.“ Generell rät Starzer, sich bei Bewerbungen an den vom Unternehmen im Inserat angeführten Weg zu halten. Wird die Bewerbung per E-Mail gewünscht, sollte man diese auch digital übermitteln. Gibt es hingegen einen Link zu einem Recruitingtool, sollte diesem unbedingt gefolgt werden. Generell, so Starzer, werde jedoch immer mehr Arbeitgebern klar, dass sie mit Bewerbern anders umgehen müssen. „Personalmarketing ist in den HR-Abteilungen angekommen und zwar offline, etwa bei Karrieremessen oder Vorträgen, aber auch online.“

Tipp: Spam-Ordner regelmäßig prüfen

karriere.at-HR-Manager Thomas Olbrich kennt die Probleme mit Bewerbungsrückmeldungen – und zwar von beiden Seiten. Sein Tipp für Bewerber: „Gibt es eine angegebene Frist vom Unternehmen, bis wann mit einer Rückmeldung zu rechnen ist, sollte man diese unbedingt abwarten.“ Denn früheres Nachfragen bringt meistens nichts bzw. wird oft auch als unangenehm empfunden. Wichtig sei auch, Standardmitteilungen, etwa über den Eingang einer Bewerbung, nicht persönlich zu nehmen. „karriere.at etwa erhält bis zu 100 Bewerbungen pro Woche, da kann es einfach einmal dauern, bis alle gesichtet sind.“ Wer auf eine Bewerbungsrückmeldung wartet, sollte übrigens unbedingt regelmäßig die Nachrichten im Spam-Ordner prüfen. „Es passiert bedauerlicherweise immer wieder, dass man auf einer Blacklist landet und die Antworten dann übersehen werden. Das ist der Nachteil der E-Mail-Bewerbungen“, so Olbrich.

 

Bildnachweis: ArtFamily /Quelle Shutterstock, karriere.at, Starzer,

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.