Recruitingtrends 2013: Der Ausblick auf das neue Karrierejahr

von in HR am Dienstag, 8. Januar 2013 um 08:33

Das neue Jahr ist noch jung und eine Frage drängt sich geradezu auf: Was kommt 2013 auf uns zu? Welche Herausforderungen erwarten die Karriere- und HR-Welt? Die Wachstumsprognosen sind nicht unbedingt die besten, die wirtschaftliche Entwicklung steht noch in den Sternen und kann wohl auch durch Bleigießen nicht vorhergesagt werden. Wie aber können sich Personalmanager auf das heurige Jahr vorbereiten und was wird 2013 an Trends fix auf sie zukommen?

Schnell, sonst ist es zu spät!

Im Vorjahr haben sich die Trends für 2013 schon deutlich abgezeichnet: Es sind Themen wie Karenz-Management, Fachkräftemangel, Mitarbeiterzufriedenheit und auch das Generationen-Management, welche unbedingt Einzug in den HR-Alltag bekommen sollten. Es heißt zwar gerne „besser spät als nie“, zu spät ist es jedoch bald einmal und daher ist rasches Handeln angesagt. Dies trifft besonders bei den Schwerpunkten Social Media und Weiterbildung zu. Denn nur jene Unternehmen, die ihrem Ruf als attraktiver Arbeitgeber gerecht werden, können auch in Zukunft erfolgreich rekrutieren und am Markt bestehen bleiben.

1. Social Media und Mobile: Keine Zeit mehr verlieren

Geahnt hat man es vielleicht schon, spätestens seitdem Ende Oktober 2012 die größte Facebook-Recruiting-Studie im D-A-CH-Raum veröffentlich wurde ist klar, dass Social Media und Unternehmen noch lange nicht Eins sind. Denn: In der Theorie ist die Bedeutung der Firmenpages allseits bekannt und nichts Neues. Die Realität sieht meist jedoch ganz anders aus. Das Problem, welches Social-Media-Experten sehen, ist jenes, dass durch stiefmütterliches Behandeln der Karriereseiten (falls überhaupt vorhanden) sehr viel wertvolles Potenzial verschenkt wird.

Gerade für junge Menschen – die Arbeitnehmer der Zukunft – ist es wichtig, auf einer Seite angesprochen zu werden, informiert zu werden und die Möglichkeit zu bekommen, mehr über ein Unternehmen zu erfahren. Den Fachkräftemangel im Hinterkopf sollte die Bedeutung von einer adäquaten Social Media Präsenz 2013 in den heimischen Unternehmen nicht nur ankommen, sondern endlich auch wirken. Und noch eine Entwicklung ist nicht zu leugnen: 2013 wird das Jahr, in dem das Thema Mobile durch die stark ansteigende Dichte an internetfähigen Smartphones und Tablets endgültig auch im HR-Bereich ankommen muss.

Seit es in Österreich mehr Simkarten als Einwohner gibt und die Smartphone-Dichte laut ourmobileplanet.com schon 2012 bei 36 Prozent lag (2011 waren es noch 21 Prozent), ist die Frage nach der Relevanz von Mobile eigentlich gar keine mehr. In diesem Zusammenhang fällt unter Personalern zunehmend das Schlagwort „Mobile Recruiting“. Wer die mobilen Bewerber erreichen möchte, muss primär seine eigene Website und den dortigen Karrierebereich fit für Tablets und Smartphones machen. Stellenanzeigen sollten mobil genauso gut aussehen, wie auf Desktop-Geräten. Laut aktueller Social Media Recruiting Studie von Eva Zils sind 31 Prozent der Internetauftritte bereits mobile-tauglich, immerhin 51 Prozent planen bereits entsprechende Maßnahmen.

2. Employer Branding beginnt beim zufriedenen Mitarbeiter

Zufriedene Mitarbeiter sind der Schlüssel zum Erfolg. Einmal mehr wird diese Aussage von Kienbaum in einer HR-Strategiestudie bestätigt. 81 Prozent der befragten Unternehmensvertreter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz meinen demnach, dass die Arbeitgeberattraktivität überdurchschnittlich sein muss, um den Erfolg eines Unternehmens auch in Zukunft zu erhalten. Zufriedene Mitarbeiter sind daher der Schlüssel zum Erfolg – Employer Branding nur nach Außen zu richten, wäre der Anfang vom Ende. In der Theorie ist auch diese Tatsache in vielen Unternehmen angekommen – auch hier sieht die Praxis jedoch meist anders aus. „Viele Firmen haben dies zwar bereits erkannt, haben jedoch noch Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Entscheidend ist, dass ein Unternehmen diejenigen Attribute herausarbeitet, die es als Arbeitgeber auszeichnen, und diese dann zielgruppenadäquat, authentisch und kontinuierlich kommuniziert“, erklärt Thomas Faltin von Kienbaum.

Nicht zu stoppen: Recruiting-Games

REVEAL Onlinespiel von L´Oreal

Fakt ist auch, dass Online-Spiele für das Thema Recruiting mehr und mehr an Bedeutung gewinnen werden. Recruiting-Games sind im Kommen und deren positiver Effekt auf das Employer Branding darf nicht unterschätzt werden. Ein brandaktuelles Beispiel ist das Onlinespiel „Reveal“ von L’Oreal. Nachwuchstalente müssen hierbei online ein neues Produkt für den Kosmetikriesen erzeugen.

 

3. Karriere-Ende Karenz muss selbst ein Ende haben

Für die einen Jobs überqualifiziert, für andere fehlt wiederum die nötige praktische Erfahrung. Die Rückkehr in die Arbeitswelt aus der Karenz ist kein Kinderspiel – vor allem Frauen sehen sich immer wieder in der Situation, dass Kind und Karriere oft die Grenzen des Möglichen sprengen. Immer mehr Unternehmen bemühen sich, Familien mit flexiblen Arbeitszeitmodellen unter die Arme zu greifen. Denn sei es die Kinderbetreuung oder die Betreuung von Angehörigen – oft entscheidet die mögliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ob jemand einen Job überhaupt annimmt bzw. nach der Karenz in diesen zurückkehrt. Das richtige Karenzmanagement ist somit ein Gewinn auf beiden Seiten: Unternehmen sind dadurch attraktivere Arbeitgeber und für die Gesellschaft ergibt sich ein Weg aus der aktuellen „Generation der aufgeschobenen Kinderwünsche“.

4. Generationen-Management

Die österreichische Alterspyramide erlaubt einen sehr deutlichen Blick in die Zukunft. Einer Zukunft, die schon jetzt spürbar ist. Unternehmen werden zunehmend auf das Älterwerden der Arbeitnehmer reagieren müssen. Besonders Fertigungsbetriebe müssen auf den Gesundheitszustand der Mitarbeiter achten. Denn aktuell werden, so fasst es etwa Altersforscher Heinrich Geißler zusammen, Ältere oft als finanzielle Last und selten als Chance und Träger von Erfahrungswissen gesehen. Es braucht, so Geißler, ein Generationen-Managment, einen optimalen Mix der Generationen, um am Wettbewerb bestehen zu können. Ältere müssen demnach von alterskritischen Tätigkeiten entlastet und gleichzeitig als Wissensträger geschätzt und eingesetzt werden.

5. Weiterbildung boomt auch 2013

Um qualifizierte Arbeitskraft zu werden – und zu bleiben – ist Fortbildung das A und O. Weiterbildung – auch berufsbegleitend – wird zunehmend an Bedeutung gewinnen. Für Karriereexpertin Svenja Hofert etwa ist klar: „Wissen veraltet immer schneller, ein Studium kann nur noch absolute Grundlagen vermitten, Online-Kurse und kleine serielle Lerneinheiten sind hier die Lösung.“ Den Wunsch nach Weiterbildung spürt etwa auch die Plattform für berufsbezogene Erwachsenenbildung (PbEB). 23 Prozent der Unternehmen haben für das vergangene Jahr mehr Geld für Weiterbildungsmaßnahmen investiert. Thematische Spitzenreiter waren Ausbildungen zur Persönlichkeitsentwicklung gefolgt von Schulungen in Technik und Produktion sowie Verkauf und Marketing.

6. Mitarbeiter als Markenbotschafter

Viele Unternehmen haben noch nicht erkannt, welches Potenzial ihre Mitarbeiter als Markenbotschafter für das eigene Unternehmen haben. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Kienbaum-Studie zum Thema Internal Employer Branding. 69 Prozent der Firmen haben, so die Kienbaum-Experten, zwar eine Strategie für ihre Arbeitgebermarkenführung entwickelt, ebenso viele Unternehmen jedoch vernachlässigen die Möglichkeiten, die ihnen die eigenen Mitarbeiter als Botschafter in der Arbeitgeberkommunikation ermöglichen.

Nur jedes vierte Unternehmen hat demnach in die Ausbildung von Mitarbeitern zu Markenbotschaftern investiert, nur jedes fünfte Unternehmen organisiert Markenschulungen für die Belegschaft. „Wird eine Marke von den eigenen Mitarbeitern im Unternehmen nicht gelebt, sind die durch cross-mediale Kommunikationsmaßnahmen nach außen vermittelten Versprechen nicht authentisch. Identifizieren sich die Mitarbeiter aber mit der Marke, dann machen sie die unternehmerischen Interessen zu ihren eigenen und zeigen bei der Arbeit für ihr Unternehmen mehr Begeisterung und hohes Engagement“, so Kienbaum-Geschäftsführer Erik Bethkenhagen.

7. It’s all about communication baby!

Kommunikation und Soft Skills – dies sind die Schlüsselbegriffe 2013. Die Lust auf Kommunikation – und zwar echte Kommunikation – ist und bleibt zentrale Voraussetzung für den Erfolg als Führungskraft. Die Mitarbeiter wünschen sich Kommunikatoren, die den richtigen Umgang mit Fehlern gelernt haben und den Mitarbeitern Verantwortung nicht nur abgeben, sondern diesen Umstand auch ausreichend gut kommunizieren können. Soft Skills sind die zweite Schlüsselkraft auf menschlicher Ebene und, wie etwa das WIFI Steiermark in einer aktuellen Aussendung betont, auch für EDV-Spezialisten von zunehmender Bedeutung. „Ein Spezialist muss sich nicht nur auskennen, er muss seine Arbeit auch präsentieren können und sich innerhalb des Teams vernetzen.“ Die eigene Sozialkompetenz und andere persönliche Eigenschaften wie etwa Stressresistenz oder Teamfähigkeiten schätzen Österreichs Arbeitnehmer hoch ein. Wie eine GfK-Studie im Auftrag von stellenangebote.at jedoch zeigt, glauben deutlich weniger Arbeitnehmer, dass diese sozialen Kompetenzen im Bewerbungsprozess zählen.

Bildnachweis: Thomas K. / Quellephotocase, atenta, Statistik Austria, GfK

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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