Recruiting Videos – „cool“ ist nicht immer cool.

von in Arbeitsmarkt, HR, Social am Dienstag, 14. Juni 2011 um 14:42

Unternehmensvideos sind eine super Sache – wenn sie gut gemacht sind und die Zielgruppe punktgenau treffen. Besonders gute, witzige, haben wir vor einigen Monaten an dieser Stelle in einer kleinen Zusammenstellung präsentiert. Wie aber auch bei den Facebook-Karrierepages lauert hier der Teufel nicht erst im Detail, sondern ganz am Beginn der Umsetzung. Denn wie bei Social Media im Allgemeinen gilt für Recruiting-Clips im Speziellen der Grundsatz: Videos machen nicht automatisch cool. Sie sind nur so cool wie ihr Inhalt.

Erinnern Sie sich noch an das Bundesheer-Recruitingvideo, das vor etwas mehr als einem Jahr in Österreich für Aufsehen sorgte? Und wegen seiner klischeehaften Umsetzung und hämebeladener Kritik sofort wieder aus dem Verkehr gezogen wurde? Wahrscheinlich auch aus dem Grund, weil erkannt wurde, dass das Video bestenfalls durch unfreiwillige Komik besticht. Ob es in seiner kurzen Zeit on Air allerdings für ernsthaften Bewerberrücklauf sorgte, ist bis dato nicht bekannt. (Als Vorlage dazu diente übrigens ein fast identer Clip der ukrainischen Streitkräfte.)

Zum Vergleich dazu ein aktuelles Video des deutschen Auto-Giganten BMW: Vor kurzem ging ein Clip online, der junge Leute für eine Karriere beim Autobauer begeistern soll. Ob das gelingt? Sehen Sie Sich den „BMW Praktikum Rap“ an. Wir lesen uns in drei Minuten.

Erste Kritik auf das Video fiel in Branchen-Blogs wenig euphorisch aus – „Der beste Recruiting Clip, der je für Audi gedreht wurde“, sparten die Marketing-Blogger von „Off the record“ nicht mit Häme. Marcus Tandler vom Münchener JoBlog bringt es in gewohnter Manier weiter auf den Punkt: „Sowas kommt raus, wenn Anzugträger versuchen, irgendwas “cooles” auf die Beine zu stellen…“

Tatsächlich darf auf den Erfolg des Clips mit Spannung gewartet werden, bedient er sich doch auch eines relativ plumpen Klischees, das die dem Videokonzept zugrundeliegende Schlussfolgerung quasi auf dem Silbertablett serviert: Junge Leute finden Rapmusik cool. –> Machen wir eben irgendetwas mit Rapmusik. Was genau, ist dann egal.

Etwas, das bei der Umsetzung dem Anschein nach vergessen wurde, ist die Tatsache, dass es sich bei der angepeilten Zielgruppe des Clips nicht nur um Kids mit Kapperl und Justin-Bieber-Frisuren handelt, sondern um aktive Mitglieder des Arbeitsmarktes, die als solche auch wahrgenommen und angesprochen werden wollen. Die Fachkräfte, die „High Potentials“ von morgen. Die Tendenz der „Likes“ und „Dislikes“ bei den meisten kursierenden Versionen des Videos ist jedenfalls relativ eindeutig – wenngleich man der Fairness halber feststellen muss, dass sich nicht sagen lässt diese von PR-Profis oder von Mitgliedern der Zielgruppe selbst abgegeben wurden.

Natürlich ist es nicht leicht, fast unschaffbar sogar, sämtlichen Mitgliedern einer solch heterogenen Bevölkerungsgruppe wie „den Jungen“ mit einem Video zu gefallen. Was Jugendliche aber auf alle Fälle wenig anzieht, ist das Gefühl, von jemandem nicht für voll genommen zu werden. Analog erleben wir das mit diversen Jungwähler-Aktionen vor anstehenden Wahlen: Inhaltsleere Clips, die rund um die zentralen Begriffe „cool“, „geil“ oder „mega“ aufgebaut sind.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Dies ist kein Plädoyer für seriöse, langweilige 08/15-Unternehmensclips – aber definitiv ein Aufruf, sich Menschen so zu nähern, dass sich diese in ihrer Intelligenz, ihren Wünschen und Problemen nicht gekränkt fühlen.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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