Erste Schritte im Recruiting: „Ich war sehr nervös“

von in HR am Donnerstag, 28. Januar 2016 um 11:25

Vom Einzelunternehmen zum kleinen Team: Läuft das eigene, gegründete Unternehmen gut, stellt sich früher oder später die Frage nach personeller Unterstützung. Einen passenden Mitarbeiter zu suchen, finden und einzustellen klingt einfacher, als es ist. Besonders dann, wenn man nicht im Ballungsraum angesiedelt ist. Patrizia Faschang ist mit ihrer Online-Marketing-Agentur im oberösterreichischen Altheim tätig und erzählt aus der Recruiting-Praxis einer Jungunternehmerin:

Recruiting für Start-Ups

In einer Region, in der Jobs in bestimmten Branchen rar gesät sind, hat sich Patrizia Faschang nach ihrem Studium einen eigenen geschaffen: In ihrem Heimatort Altheim im Innviertel hat sie sich mit ihrer Agentur webdots selbstständig gemacht. Die gute Auftragslage sorgte nach kurzer Zeit dafür, dass sie sich der Recruiting-Thematik stellen musste. Ein gutes Stelleninserat schreiben, den Bewerbungsprozess gestalten und den richtigen Mitarbeiter finden – gar nicht so einfach, wenn man das noch nie gemacht hat.

Welche Position war die erste, die du in deinem Unternehmen besetzt hast?

Faschang: Ich habe damals jemanden geringfügig für Social Media und Websiteentwicklung eingestellt. Mit diesem Stundenausmaß war das optimal: Mein Mitarbeiter konnte noch sein Studium fertig absolvieren und ich konnte ausprobieren, wie es für mich ist, noch jemanden im Unternehmen zu haben. Mittlerweile habe ich drei Arbeitnehmer bei mir angestellt.

Von allen Herausforderungen im Recruiting – welche sind dir besonders in Erinnerung geblieben?

Faschang: Die größte Herausforderung war herauszufinden, welche Position ich besetzen möchte. Als Einzelunternehmer macht man ja alles selbst. Wo soll man beginnen? Welcher Arbeitsbereich ist so groß, dass man ihn jemandem überlassen könnte – und was möchte man überhaupt abgeben? Es stellt sich auch die Frage nach der Auslastung. Ein Vollzeitmitarbeiter muss z.B. erst einmal 40 Stunden ausgelastet sein. Das war für mich der erste Schritt: festzustellen, wen ich mir überhaupt ins Boot holen möchte.

Das Recruiting planen

Die Stellenausschreibung war der nächste große Schritt. Ich musste mir überlegen, wie ich die vakante Stelle am besten benenne, damit sich überhaupt Bewerber bei mir melden. Welche Hard- und Softfacts schreibe ich hinein, was ist mir selbst wichtig? Mir hat es geholfen, in die „Hubschrauberposition“ zu gehen und mich selbst zu fragen, wofür mein Unternehmen steht und was ein Arbeitnehmer mitbringen muss, um dazu zu passen. Danach kam die Frage, welche Ausschreibungen ich mir finanziell leisten möchte und wo ich inseriere, damit ich die passenden Kandidaten erreiche. Ich bin im Innviertel, nach Linz oder Salzburg fährt man eine gute Stunde – wie kriege ich  jemanden dazu, hier für mich zu arbeiten und auch längerfristig zu bleiben?

Wie war der ganze Recruitingprozess für dich?

Faschang: Das war alles total ungewohnt, ich war sehr nervös. Ich wusste nicht genau, wie ich mich darauf vorbereiten kann: In kurzer Zeit muss ich jemanden persönlich und fachlich kennenlernen. Ich war mir auch nicht sicher, ob überhaupt Bewerbungen auf mein Stelleninserat eintreffen würden und wie ich den ganzen Bewerbungsprozess gestalten soll. Zahlt sich ein mehrstufiges Verfahren aus? Habe ich überhaupt die Zeit dafür, mehrere Gespräche zu führen? Ich habe mich dann zwar vorbereitet, aber stark auf mein Bauchgefühl verlassen, um festzustellen, wer mit mir auf einer Wellenlänge ist. Ich lasse den Bewerber nicht unnötig länger sitzen und stelle ihm nicht noch etliche Fragen, wenn ich bereits weiß, dass es nicht passen wird. Man spürt ohnehin sofort, wenn man nicht harmoniert. Bewerber, die zwar nicht meine erste Wahl sind, aber prinzipiell trotzdem in Frage kommen würden, halte ich nach Rücksprache in Evidenz. Vielleicht klappt es im Jahr darauf mit einem Praktikum.

Welche Tipps hast du für Gründer, die vor der Recruiting-Herausforderung stehen?

Faschang: Langfristig planen! Wenn der Gedanke „Ich brauche einen Mitarbeiter“ auftaucht, besteht meist schon Personalbedarf. Dann jemanden zu suchen und einzustellen kann aber noch Monate dauern. Sobald erste Anzeichen dafür auftauchen, dass man sein Team erweitern möchte – sofort die Stelle ausschreiben, um den Bewerbermarkt zu sondieren. Außerdem gibt es jede Menge gesetzliche Vorschriften, die den Arbeitsplatz eines Arbeitnehmers betreffen: Licht, Fläche, Ausstattung etc. Für jede Handseife, das Geschirrspülmittel und andere Produkte muss man im Betrieb Sicherheitsdatenblätter auflegen. Kann man das auch alles erfüllen? Die Bezahlung ist auch ein heißes Thema: Mindestgehalt, Kollektivvertrag etc. – viele Jungunternehmer wissen darüber nicht ausreichend Bescheid. Kalkulieren muss man nicht nur die Finanzen, sondern auch die Zeit: Vor allem als EPU ist es extrem teuer, jemanden einzuschulen, nebenbei noch die Arbeit zu erledigen und die Verwaltung zu managen. Ausführlich habe ich mich dem Thema Einstellen des ersten Mitarbeiters auch auf meinem Gründerblog gewidmet.

Bildnachweis: YuryZap/Shutterstock; Leszek Czerwonka / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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