Gemeinsam statt einsam: Wieso Recruiting Teamsache sein sollte

von in HR am Mittwoch, 2. März 2016 um 11:46

In der Arbeitswelt wird oft auf Teamwork gesetzt, im Recruiting sieht es manchmal noch anders aus. Welche Kandidaten in die engere Auswahl kommen, das entscheiden meist ein oder zwei Personen. Beim Jobinterview selbst ist neben dem HR-Verantwortlichen zwar auch ein Abteilungs- oder Teamleiter dabei, zukünftige Kollegen werden in die Bewerberauswahl aber so gut wie nie eingebunden. Warum Recruiting eine Teamangelegenheit sein sollte, zeigt eine britische Studie.

Wenn Arbeitnehmer im Recruiting überhaupt mitmischen dürfen, endet das meist bei der Empfehlung eines neuen Mitarbeiters. Ich kenn jemanden, der würde für die offene Stelle eventuell gut passen. – Danke, sehen wir uns an. Arbeitgeber, die noch einen Schritt weiter gehen, ermöglichen es dem Team immerhin, den potenziellen neuen Kollegen im Rahmen eines kurzen Abteilungsrundgangs unter die Lupe zu nehmen. Aber Recruiting – das ist immer noch Sache der Führungskräfte. Dabei spricht einiges dafür, neue Arbeitnehmer über Hierarchie-Ebenen hinweg und im Team zu rekrutieren. Eine Studie des Behavioural Insights Teams (BIT) hat untersucht, welche Gruppenkonstellationen für erfolgreiches Team-Recruiting erforderlich sind.

Bewerberauswahl als Teamprozess

Warum beim Recruiting auf ein ganzes Team setzen? Eine Gruppe trifft laut BIT-Studie viel bessere Entscheidungen als Einzelpersonen. Untersucht wurde diese Annahme im Rahmen einer Online-Testreihe. 398 Teilnehmer mussten dabei aus vier Kandidaten für einen Job den am besten geeigneten auswählen. So wollte man herausfinden, ab wann eine Gruppe von Personen „klug genug“ für die richtige Entscheidung ist.

  • Gibt es zwischen Kandidaten ganz offensichtliche Unterschiede hinsichtlich ihrer Eignung, trifft eine Einzelperson mit 16-prozentiger Chance dennoch die falsche Entscheidung. Entscheidet eine Gruppe aus drei Personen über die Eignung eines Bewerbers, fällt die Fehlerquote auf sechs Prozent, bei einem fünfköpfigen Team sogar auf ein Prozent.
  • Sind sich die Beteiligten uneinig darüber, welche Bewerber am besten geeignet sind, rät die Studie ebenfalls dazu, mehrere Personen in die Entscheidung einzubinden: Eine Person alleine trifft in einem von drei Fällen die falsche Entscheidung, drei Personen liegen nur noch in 15 Prozent der Fälle falsch.
  • Liegen mehrere Bewerber Kopf an Kopf, weil sie sich in punkto Eignung kaum unterscheiden, sollte man sich auf das Urteil einer Einzelperson erst gar nicht verlassen. Genauso gut könne man laut Studie eine Münze werfen, um den Richtigen für den Job auszuwählen.

Schuld am Fehlurteil sind Vorurteile, die jeder mit sich trägt – oft auch unbewusst: Nur Absolventen einer bestimmten Universtität kommen für einen Job in Frage, Autodidakten kann man von vornherein ausschließen, Bewerber sind zu alt oder zu jung für den Job. Diskutiert man die Eignung eines Kandidaten hingegen im Team, ist die Wahrscheinlichkeit höher, objektiv zu urteilen.

Wie sieht das ideale Recruiting-Team aus?

Laut Studie ist ein Recruiting-Team von drei Personen in den meisten Fällen ausreichend. Geschlecht und Ausbildungsgrad der Beteiligten wirken sich im Entscheidungsprozess innerhalb der Gruppe nicht nennenswert aus. Im Rahmen des Online-Tests wurde nur festgestellt, dass ältere Personen in ihren Beurteilungen etwas harscher agieren als jüngere. Die Expertise, die HR für den gesamten Recruitingprozess mitbringt, ist laut Studie allerdings nicht irrelevant. Die Entscheidungsfähigkeit einer gut aufgestellten Gruppe kann aber nur schwer überboten werden, vorausgesetzt, das Team besteht aus den richtigen Personen. Dabei zählt nicht nur Fachwissen sondern auch, wie unabhängig jede Person entscheiden und agieren kann und wieviel Einblick man ins Daily Business mitbringt.

Bildnachweis: Rawpixel.com/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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