Raucher aufgepasst: Ihr seid produktiver

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 19. September 2012 um 10:19

Rauchen raubt Arbeitszeit. Rauchen verführt zu mehr Pausen. Raucher arbeiten weniger. Diese Meinung herrscht in wohl vielen Büros. Fixe Pausenzeiten oder Verbote sollen dem Rauchen Einhalt gebieten. Mit einer neuen Studie, die kürzlich veröffentlich wurde, bricht nun ausgerechnet die Universität Zürich eine Lanze für Raucher. Diese würden nämlich nicht weniger oder gleich viel, sondern sogar mehr und besser arbeiten, als Nichtraucher. Das sitzt.

Raucher: Schneller befördert, mehr Gehalt

In einer Zeit, geprägt von Begriffen wie Arbeitszeitoptimierung und Zeiterfassung, die Diskussion um Rauchverbote noch nicht erloschen, schlägt die neue Studie ein wie eine Bombe. Sie belegt nämlich, dass rauchende Arbeitnehmer am Arbeitsplatz produktiver sind, als ihre nichtrauchenden Kollegen. Wie Chloé Michel von der Universität Zürich erklärt, werden Raucher auch eher befördert und steigen auch schneller auf ein höheres Lohnniveau. Die Forscherin untersuchte über den Zeitraum von mehreren Jahren die Daten von britischen Rauchern und Nichtrauchern. Interessant ist, dass Raucher, die zwei bis drei zusätzliche Pausen machten, am besten abschnitten.

Nicht das Nikotin, die Pause macht es aus

All jene Raucher, die vielleicht das schlechte Gewissen plagt, sollten am besten jetzt nicht mehr weiterlesen. Oder sich der Wahrheit stellen. Denn es ist nicht das Nikotin, welches einen besser werden lässt – es sind die Pausen. Der Berner Arbeitspsychologe Norbert Semmer sagt zu „20 Minuten Online“: „Es ist schwierig, den Arbeitgebern das zu vermitten. Aber vor allem Kurzpausen fördern die Produktivität.“ Dies sei, so der Psychologe, wissenschaftlich gut nachgewiesen. Und wer Müdigkeit schon frühzeitig bekämpft – etwa durch kurze Pausen an der frischen Luft, profitiert mehr. „Schon wenige Minuten pro Stunde sind nützlich“ so der Wissenschafter.

Was Produktivität, Merkfähigkeit und Pausen miteinander zu tun haben

Seine Forderung deshalb: „Man müsste eine allgemeine Arbeitskultur einführen, die Pausen akzeptiert – auch bei Nichtrauchern.“ Dazu würden Kurzpausen ebenso gehören wie Powernaps. Eine reale Umsetzung dieser Idee sieht der Forscher allerdings als sehr unwahrscheinlich. „Viele, auch Führungskräfte, können sich schlicht nicht vorstellen, dass Nichtarbeiten die Produktivität steigert.“ Neben der Produktivität steigern Pausen übrigens noch eine weitere Sache: die Merkfähigkeit. Wie eine Studie der University of Edinburgh zeigt, helfen Pausen den Menschen tatsächlich dabei, sich Dinge besser zu merken. „Aktivitäten, mit denen wir uns in den ersten paar Minuten nach dem Höhren der neuen Information beschäftigen, haben einen Einfluss darauf, wie gut wir uns auch noch eine Woche später an diese Information erinnern“, erklärt Forscherin Michaela Dewar.

Mit oder ohne – Pause ist Pause

An dieser Stelle soll nun keine Belehrung darüber kommen, dass das Rauchen nicht gesund ist. Eher eine abschließender Appell dahingehend, dass Pausen gut für Körper, Geist und Seele sind. Es muss nicht immer eine Rauchpause sein. Führen sie eine Obstpause ein, eine Trinkpause, eine Kaffee-im-Freien– oder eine „Einmal-um-den-Block“-Pause. Zudem: Was hindert Nichtraucher daran – vom Passivrauch einmal abgesehen – sich hin und wieder zu den rauchenden Kollegen zu gesellen? Denn der nette Nebenbei-Nutzen von kurzen Auszeiten mit (rauchenden) Kollegen ist, dass man diese so besser kennen lernt und dies noch dazu meist an der frischen Luft. (Wenn man sich nicht direkt zum Aschenbecher stellt, sollte das kein Problem sein.) Zudem ist es gut, den eigenen Arbeitsplatz für Pausen kurz zu verlassen, denn nur dann verdient eine Pause auch wirklich ihren Namen: Unterbrechung eines Vorganges namens Arbeit.

Bildnachweis: fraueva / Quelle Photocase, Colourbox

 

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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