Psychologie: Das Beste kommt zum Schluss – Auch im Job

von in Arbeitsleben am Montag, 30. Juli 2012 um 10:30

Kennen Sie das auch? Eigentlich sind sie schon satt, doch was noch auf Ihrem Teller liegt, müssen Sie unbedingt noch essen. Sie haben sich das Beste nämlich bis zum Schluss aufgehoben. Abnehmexperten mögen dabei zwar die Hände über dem Kopf zusammenschlagen – aber für viele Menschen ist und bleibt es – trotz schmerzendem Bauch – so, dass das Beste eben zum Schluss kommen muss. Das Phänomen, welche viele Menschen wohl aus ihrem Alltag kennen, wurde nun wissenschaftlich untersucht und bewiesen. Auch im Bewerbungsprozess kann man sich dieses zu Nutzen machen, so die Forscher.

Der Ärger verblasst und nur das Gute bleibt

Aus früheren Studien weiß man, dass bedeutsame Lebenserfahrungen zum Teil positiver bewertet werden, wenn man sich dessen bewusst ist, dass sie bald zu Ende gehen. So kommt manchmal etwa kurz vor Schulende großer Wehmut auf und sogar dem nervigsten Lehrer wird nachgetrauert. Oder steht der Kauf eines neuen Autos bevor, fallen einem plötzlich nur die guten Stunden in der alten Kiste ein – der Ärger über durch Autopannen verpasste Termine ist verblasst. In einer aktuellen Studie, über die die Plattform Forschung erleben nun berichtet hat, haben die beiden Forscher Ed O’Brian und Phoebe Ellsworth untersucht, ob auch ganz alltägliche Erfahrungen positiver bewertet werden, wenn einem bewusst gemacht wird, dass sie zum letzten Mal stattfinden.

Die letzte Praline schmeckt besser als die vorletzte

Für ihre Studie baten die beiden Forscher von der University of Michigan insgesamt 52 Studierende, an einer „Testverkostung“ für Pralinen teilzunehmen. Dazu teilten sie die Studenten in zwei Gruppen: Den Teilnehmern der ersten Gruppe gaben sie nacheinander die insgesamt fünf Pralinen und zwar mit den Worten: „Hier ist Ihre nächste Praline“. Dass es insgesamt fünf Pralinen seien würden, erfuhren die Teilnehmer vorher nicht. Den Studenten der zweiten Gruppe wurden die ersten vier Pralinen ebenfalls mit den Worten „Hier ist Ihre nächste Praline“ gegeben – das letzte Konfekt wurde in dieser Gruppe jedoch mit den Worten „Hier ist ihre letzte Praline“ überreicht. Und tatsächlich zeigte sich: Teilnehmer, denen bewusst war, dass die gerade die letzte Praline aßen, haben diese deutlich schmackhafter bezeichnet als jene, denen das Ende der Verkostung nicht bewusst war.

Vortrag, Bewerbungsgespräch & Co.: Die Letzten werden die Ersten sein

Ihre Annahme, dass auch alltägliche Erfahrungen in Anbetracht ihrer Endlichkeit besser bewertet werden, sehen die Forscher damit als bewiesen an. Allein das Bewusstsein, dass etwas zu Ende geht, kann demnach dazu führen, dass Erlebnisse positiver bewertet werden. Sei es nun das letzte Abendessen im Liebslingsrestaurant, der letzte Arbeitstag oder der letzte Vortragende bei einem Symposium. Um die Erkenntnisse  der Forscher für sich einzusetzen, könnte man demnach versuchen, bei einem Vorstellungsgespräch zum Schluß noch einmal gezielt auf die eigenen Stärken hinzuweisen.

Fotonachweis: Rina H. / Quelle Photocase, Colourbox

 

 

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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