Psychische Erkrankungen im Job steigen weiter an

von in Arbeitsleben am Montag, 16. Juni 2014 um 10:54

Termin- und Zeitdruck sind Hauptursache für ungesunden Stress und somit psychische Belastungen im Job. Wie stark Arbeitnehmer diesem Druck ausgesetzt sind, zeigt nun eine Aussendung der AKOÖ. Demnach wurden im Vorjahr 20 Prozent (!) mehr Antidepressiva an Erwerbstätige verschrieben als noch vor fünf Jahren. Besonders betroffen sind Frauen sowie ältere Arbeitnehmer. Die Anzahl der Krankenstände aufgrund psychischer Erkrankungen hat sich zudem in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht.

Mit dem Erwerbsleben endet der Druck

Die Fakten sprechen eine klare Sprache und diese ist, anders kann man es nicht sagen, sehr unschön: Der Anstieg an verschriebenen Antidepressiva ist enorm, mit dem Alter der Arbeitnehmer steigt die Verschreibungshäufigkeit zudem signifikant an. Arbeitnehmer zwischen 31 und 40 Jahren sind schon deutlich häufiger betroffen als die Generation davor. Vielleicht auch, weil sie stärker auf die Bremse steigen und auf ihre Work-Life-Balance achten. Die Spitze der Verschreibungen erreicht jedoch eindeutig die Altersgruppe zwischen 51 und 60 Jahren. Vor allem Frauen sind hier stark betroffen. Bei ihnen gibt es knapp doppelt so viele Rezeptausstellungen wie für männliche Arbeitnehmer zwischen 51 und 60 Jahren. Weiters zeigt sich, dass, einmal aus dem Arbeitsleben ausgeschieden, die Zahl der Verschreibungen wieder deutlich zurückgeht. Mit dem Stress im Job hört für viele also auch der psychische Druck bzw. die Notwendigkeit auf, trotz Druck zu funktionieren.

Häufigste Ursache von Invaliditätspensionen

Stress im JobWie stark psychische Erkrankungen mit der Arbeit zusammenhängen, zeigen übrigens auch die Daten des Österreichischen Arbeitsgesundheitsmonitors von 2012: Damals waren fast ein Drittel (29 Prozent) aller Beschäftigten „psychisch höher belastet“, zehn Prozent sogar „sehr hoch“. „Arbeitgeber, die glauben, sie können ihren Profit durch eine knappe Personalbemessung zusätzlich erhöhen, schaden damit nicht nur den Beschäftigten und der Versichertengemeinschaft, sondern letztlich auch sich selbst“, kommentiert AK-Präsident Johann Kalliauer. Psychische Erkrankungen machen aktuell bereits mehr als zehn Prozent der gesamten Krankenstandstage aus – bei Frauen sind sie zudem bereits die häufigste Ursache von Invaliditätspensionen – bei Männern die zweithäufigste.

Gesetzesnovelle für mehr Arbeitnehmerschutz

Einen Weg aus dieser Entwicklung soll übrigens die mit 1. Jänner 2013 in Kraft getretene Gesetzesnovelle zum Arbeitnehmerschutz bieten. Diese verpflichtet Arbeitgeber dazu, eine Evaluierung hinsichtlich der psychischen Belastungen am Arbeitsplatz durchzuführen. Daraus ergeben sich gemeinsam mit dem durchführenden Arbeitspsychologen Handlungsvorschläge, die die psychische Gesundheit der Mitarbeiter wieder verbessern sollen.

Bildnachweis: KieferPix /Quelle Shutterstock, Taiga /Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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