Probleme anderer löst man kreativer als eigene

von in Arbeitsleben am Freitag, 11. März 2011 um 13:52

Kreativität ist ein kostbares Gut. Wenn sie ausbleibt, geht gar nichts mehr. Besonders schlimm, wenn das im Job, bei langwierigen Studien-Projekten der Fall ist. Der Lösungsweg der vom Boss oder von sich selbst gesteckten Monsteraufgaben kreist nur noch um das Problem, findet aber nicht zum Kern der Sache. Doch wie seine Kreativität zurückerlangen? Bis zu einem gewissen Grad kann man an seiner Inspiration auch arbeiten und diese trainieren. Für zeitnah anstehende Projekte, die rasch gelöst werden müssen, wird das allerdings zumeist wenig bringen. Mögliche Lösung: Sich von anderen beim Denken helfen lassen.

Ein oft unterschätzter Faktor ist in vielen Fällen, die Sichtweisen Dritter auch zuzulassen oder mit einzubeziehen. Sicher, gerade in Stressphasen wirkt oft nichts lästiger als der „gut gemeinte“ Ratschlag von Kollegen, Verwandten oder Freunden. Jeder kennt hingegen folgendes Szenario aus eigener Erfahrung: Im Job wird eine Lösung, an der mehrere „Experten“ tage- oder wochenlang getüftelt haben, stolz präsentiert. Und die Reaktion von allen Unbeteiligten darauf gleicht sich – „Super. Genau das sagen wir seit Ewigkeiten.“
Warum ist das aber so? Weil eben jene Unbeteiligten weitaus kreativer denken können, wenn sie nicht direkt mit der Lösungsfindung beauftragt sind, besagt nun eine Studie der Wissenschafter Evan Polman und Kyle Emich, über die der britische Blog „Research Digest“ berichtet.

Kreativere Geschenke für Fremde

Bekannt ist ja, dass es uns hilft, für Situationen bessere und kreativere Lösungen zu finden, wenn diese örtlich oder zeitlich weiter weg liegen: Weil man die Dinge mit etwas Abstand einfach besser abstrahiert. Und genau dasselbe gilt nach den Ergebnissen der beiden Psychologen auch, wenn man für andere Menschen, quasi auf soziale Distanz, Probleme lösen soll.

Die Wissenschaftler führten eine ganze Reihe an Versuchen mit hunderten Versuchspersonen durch. Unter anderem mussten diese Aliens für Science-Fiction-Storys zeichnen. Resultat: Wenn die Probanden ihre Männchen für die Geschichten anderer malten, waren diese bei weitem origineller als wenn sie diese für ihre eigenen entwarfen. Das selbe Ergebnis kam zum Vorschein, wenn es um Geschenkideen für andere Menschen ging: Hatten die Versuchspersonen keinen Bezug zum Beschenkten, so waren die Geschenkvorschläge kreativer als wenn sie dies für einen Bekannten tun sollten.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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