Praktikum: Mehr als Kaffee kochen, Akten stapeln und Post verteilen?

von in Arbeitsrecht am Donnerstag, 15. März 2012 um 12:00

Das Praktikum. Es gibt wohl kaum jemanden in der Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen, der keines absolviert hat. Vor allem Studenten sind davon geplagt und betroffen. Egal ob Wirtschaft, Jus, Publizistik oder Politikwissenschaft. Aber auch Schüler berufsbildender Bildungsstätten (HTBLA, HLW etc.) können ein Lied vom sogenannten Pflichtpraktikum singen. Allerdings, hier gleich eins vorweg, Pflichtpraktikumsverträge unterliegen größtenteils gewissen Richtlinien. Ganz im Gegenteil zu den diversen „Praktikumsverträgen“ wie sie oft mit Studenten abgeschlossen werden. Diese werden in der Regel ausgehandelt – und wer nicht handelt, verliert.

Von Michaela Grininger

Nehmen wir als Beispiel eine Kommunikationswissenschaftsstudentin. Diese, im vierten Semester ihres Studiums angelangt, möchte ihr theoretisches Wissen endlich mit der Praxis verknüpfen und sucht sich deshalb eine Stelle als Praktikantin. Nach ausgiebiger Recherche im Internet und mehreren Telefonaten wird sie fündig. Sie „darf“ ein dreimonatiges Praktikum bei einem Radiosender antreten. Monatliches Entgelt: null Euro. Dafür wird ihr einiges geboten: Einschulung im Audio-Schnitt, Interviewtechniken, Basics im Studio-Handling und so weiter. Dafür mal „gratis“ zu arbeiten scheint in Ordnung – zunächst. Außerdem wird sie ja vor allem in den ersten Tagen mehr Last als Hilfe sein, denkt sie sich. Und: Für ihr Studium zahlt ihr ja auch niemand etwas. Vertrag unterzeichnet, los geht’s.

Arbeit ohne Lohn – das demotiviert

Eine Woche verstreicht, noch eine Woche und in der dritten Woche schließlich angekommen, stellt unsere Studentin fest, dass sie mittlerweile selbstständig brauchbare Redaktionsbeiträge liefert. Zumindest die Meinungsumfragen, die sie durchführt und schneidet, können so gespielt werden, wie sie sie liefert. Der erste Frust steigt in ihr hoch, denn unbezahlte Arbeit verlangt hohe Eigenmotivation. Und diese sinkt, wenn man merkt, dass man schon einiges kann – aber umsonst. Weil man ja eben gar nicht bezahlt wird.

Weitere zwei Monate verstreichen und alles in allem kann unsere Studentin nun von sich behaupten, über eine Grundausbildung im Radiojournalismus zu verfügen. Kurze Pause zum Studieren. Ein halbes Jahr später will sie nun endlich einen „richtigen“ Job. Mit fünf Semestern Studium und einem dreimonatigen Praktikum sollte das doch nicht so schwer sein. Doch, weit gefehlt. Wieder werden ihr nur Praktikumsstellen, zumindest mit einer Abgeltung von 300 Euro pro Monat, angeboten. Ein Jahr und zwei Praktika später findet die Studentin nun endlich eine Stelle… als freie Dienstnehmerin. Aber das ist ein anderes Thema.

So wie unserer Studentin ergeht es heute vielen, die sich in Ausbildung befinden. Dabei kann unsere Heldin noch von Glück sprechen, konnte sie zumindest einiges lernen während ihres Praktikums. So viel Glück haben nicht alle. Immer wieder hört man, dass Praktikanten hauptsächlich Kaffee kochen und andere „niedere Dienste“ erledigen müssen. Noch dazu völlig ohne rechtliche Grundlagen, sich zu wehren. Denn der Vertrag für ein Praktikum schaut immer so aus, wie er ausverhandelt wurde. Also meistens so, wie er vom Arbeitgeber vorgelegt wurde. Wer macht sich schon die Mühe, zu diskutieren, wenn die Freude über ein Praktikum so groß ist?

Hier ein paar Tipps, die vor Antritt des Praktikums beachtet werden sollten:

  1. Vor dem Antritt des Praktikums unbedingt Zeitrahmen, Tätigkeitsbereich und Entlohnung festlegen. Achtung: Für unter 18-Jährige sind keine Überstunden erlaubt!
  2. Wenn ein Ausbildungsverhältnis vereinbart wird und kein Dienstverhältnis, wie das in der Praxis auch oft der Fall ist, bedeutet das laut Arbeiterkammer grundsätzlich keine fixen Arbeitszeiten sowie keine Bindung an Arbeitszeiten – dafür aber auch keine Bezahlung (außer einem Taschengeld) und keinen Urlaubsanspruch.
  3. Während des Praktikums sollte man selbst genaue Aufzeichnungen darüber führen, wie lange und was man gearbeitet hat.
  4. (Pflicht-)PraktikantInnen müssen vom Arbeitgeber vor Praktikumsbeginn bei der Gebietskrankenkasse angemeldet werden und von dieser Anmeldung eine Kopie ausgehändigt bekommen.
  5. Sollte das vereinbarte Entgelt nicht ausbezahlt werden, sollte man den Arbeitgeber umgehend zur Nachzahlung auffordern. (Achtung: Nicht zu lange warten, sonst verfällt der Anspruch auf das Geld.)
  6. Sollte vom etwaigen Lohn Lohnsteuer abgezogen worden sein, kann man diese – wenn keine Lohnsteuerpflicht vorliegt, wie dies bei einer Grenze von 12.000 Euro pro Jahr der Fall ist  – innerhalb der nächsten fünf Jahre zurückverlangen.

Quelle und weitere Infos zu Praktikumsplätzen und Ausbildungs-Vereinbarungen hier.

Vor allem in letzter Zeit wird von Seiten der Hochschülerschaft, aber auch von der Arbeiterkammer für den Schutz von PraktikantInnen gekämpft. Gefordert wird „dass in den Lehrplänen der Schulen und in den Studienplänen an den Unis ausdrücklich verankert wird, dass nur Pflichtpraktika im Rahmen eines Dienst-Verhältnisses anerkannt werden.“ (Quelle: Arbeiterkammer)

Redaktion

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