„In Österreich weiß kaum jemand, dass er schlecht präsentiert“

von in Arbeitsleben am Montag, 26. Mai 2014 um 10:26

„Wenn die Leute präsentieren wie vor zehn Jahren, dürfen sie sich nicht wundern, wenn die Zuhörer nebenbei ihre E-Mails checken.“ Mit dieser Aussage lässt Schien Ninan, Präsentations-Experte bei HPS Training, aufhorchen. Er erklärt, weshalb Präsentationen die Königsdisziplin der Kommunikation sind und warum in Österreich kaum jemand weiß, dass er schlecht präsentiert.

Große Unzufriedenheit jedoch hohe Toleranz

Schien Ninan

Dr. Schien Ninan

Präsentationen werden immer wichtiger. Von den einen geliebt, von den anderen gefürchtet oder gar gehasst, sind sie zwar keine leichte Aufgabe, jedoch auf der anderen Seite ziemlich genial. „Man kann dadurch sehr effizient einer großen Gruppe von Personen etwas vermitteln – vorausgesetzt, man macht es richtig“, erklärt Ninan. Und genau das ist das Problem. „Wir haben in Österreich eine sehr hohe Unzufriedenheit mit Präsentationen, aber diese wird eben toleriert. In anderen Ländern, den USA etwa, ist dies ganz anders. Bringt hier jemand keine gute Leistung, heißt es schnell: So schnell vertrittst du unsere Firma nicht mehr nach außen“.

Da geht ein Licht auf

Das Resultat: In Österreich weiß kaum jemand, dass er schlecht präsentiert. Wie schlimm die Lage tatsächlich ist, zeigt das Ergebnis der Studie „Die Bewertung von Präsentationen als Kommunikationsinstrument aus Sicht österreichischer Führungskräfte“ der WU Wien von Petrovic und Lovric aus dem Jahr 2009. Demnach sagen 95,7 Prozent der heimischen Manager, dass diese im Businessleben von großer Bedeutung sind. ABER: Gefragt, wie zufrieden sie mit der diesbezüglichen Performance im eigenen Unternehmen sind, antworteten nur 2,2 Prozent der Befragten: „eigentlich ganz gut“. Diese Kluft ist enorm und bedenkt man, in wie vielen Präsentationen man sich vielleicht selbst schon, sagen wir, gelangweilt hat, geht so langsam ein Licht auf.

Selbstcheck: Präsentiere ich Spannendes?

Wie aber kann man sicherstellen, nicht zu den 97,8 Prozent der weniger guten Vortragenden zu gehören? Ninan gibt vier Punkte, die ein absolutes Minumum sind, zum Selbstcheck:

  1. BenefitsAbsolute Souveränität: Es reicht nicht, keine Angst beim Präsentieren zu haben. Man muss wirklich extrem souverän sein. Felsenfest da stehen und seine Message klar rüber bringen. Wie dies funktioniert, kann man im Training lernen. Auch die Videoanalyse sowie ehrliches (!) Feedback hilft.
  2. Klare Botschaft: Es muss glasklar sein, warum das Thema, das man heute präsentiert, wichtig für die Zuhörer ist. Und das muss man ihnen auch sagen – klar und deutlich. Denn man darf die Leute nicht mit etwas langweilen, das für sie nicht relevant ist.
  3. Richtiges Ende: Am Ende muss eine klare Botschaft stehen, was die Leute nun tun sollen. Dafür braucht es klare Anweisunungen, wie mit den gehörten Informationen umgegangen wird.
  4. Nutzen: Man muss den Leuten klar sagen, was sie davon haben, wenn sie den Anweisungen folgen. Es geht darum, den Benefit, das, was für die Zuhörer drinnen ist, zu kommunizieren.

„Wirklich positiv herausragend ist man mit diesen Punkten aber noch nicht“, so Ninan.

Unbedingt vermeiden: „Betreutes Lesen“

Eine wesentliche Botschaft von Ninan: „Kann man nicht begründen, weshalb eine Info für die Zuhörer relevant ist, sollte man die Präsentation absagen. Denn sonst langweilt man sein Publikum und stiehlt auf beiden Seiten wertvolle Zeit.“ Ist eine Präsentation hingegen gerechtfertigt, sollte man auf einige Dinge achten:

  1. Textlawinen sind ebenso von gestern, wie „betreutes Lesen“. Es braucht heute viel mehr Visualisierungen und ein richtiges Nutzen der Software wie PowerPoint & Co.
  2. Das Präsentationssetting verändert sich: Wer etwa mit Tablet präsentiert, sollte dieses auch beherrschen und eine professionelle Präsentation für dieses Medium nutzen.
  3. Nie vergessen: Die Menschen sind heute durch die Medien schnelles, professionelles, souveränes Präsentieren gewohnt. Die eigenen Ansprüche sollten ebenso nach oben geschraubt werden.

Zur Person: Schien Ninan

Dr. Schien Ninan ist seit zweieinhalb Jahren Partner bei HPS Training. Dort ist der Training and Creative Director unter anderem für die Inhalte der Trainings sowie den  Blog zuständig. Ninan wurde mitunter bei Duarte Design in Kalifornien ausgebildet. Diese Agentur hat unter anderem die Präsentationen für Steve Jobs entwickelt.

Bildnachweis: wavebreakmedia /Quelle Shutterstock, HPS, Filipe Frazao /Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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