Positiver Stress: Gibt’s den überhaupt?

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 15. Mai 2014 um 10:47

Stress ist einer unserer täglichen Begleiter: Job, Familie, Freizeit – alles unter einen Hut zu bringen, geht vielen an die Substanz. Dann gibt es aber auch Menschen, denen Druck nichts anzuhaben scheint. Ausschlaggebend dafür kann eine positive Einstellung zum Thema Stress generell sein, sagen nun Wissenschaftler.

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Mehr als die Hälfte der österreichischen Arbeitnehmer fühlen sich von ihrem Job gestresst: Laut karriere.at-Stimmungsbild sind 22 Prozent beruflich „zu stark und oft bis zur Erschöpfung“ gefordert. 36 weitere Prozent sprechen davon, dass es phasenweise zu viel sei. Jeder Fünfte aber sagt „Mein Stress ist positiv“. Wie machen die das bloß?

Wie positiv kann Stress sein?

ueberfordert_arbeitnehmerMan hört ja viel vom so genannten positiven Stress und die, die ihn kennen, lieben ihn: Vieles geht leicht von der Hand, der Output ist am Ende des Tages größer als erwartet und die Zeit vergeht wie im Flug. Ist das Gegenteil der Fall, macht Stress krank, hemmt und hindert einen am daily Business. Jede zusätzliche Aufgabe erscheint wie ein weiterer Sandsack, der einem auf die Schultern geladen wird.

Eine Forschergruppe rund um Alia Crum über deren Studienergebnisse nun die Plattform „Forschung erleben“ der Uni Mannheim berichtet, geht davon aus, dass es auf die persönlichen „Mindsets“ zum Thema Stress ankommt. Also: Wer grundsätzlich glaubt, dass Stress positiv für Leistung, Produktivität und Arbeitserfolg ist, geht auch besser damit um. Wer allerdings das Gegenteil als fixe Idee in seinem Kopf verankert hat – also dass Stress Leistungen verhindert – geht auch weniger gut mit Drucksituationen um.

Wer Stress mag, will mehr Feedback

Dieser Schluss lässt sich aus folgendem Experiment der Forschergruppe ableiten: Per Fragebogen wurden Studierende zu ihrem Mindset, also ihrer persönlichen Einstellung zu Stress befragt. Mit etwas Abstand stellte man ihnen in einer Lehrveranstaltung die Aufgabe, eine Rede zu schreiben, die dann vor Experten und Videokamera vorgetragen werden sollte. Wenig überraschend: Jene, die Stresssituationen etwas Positives abgewinnen konnten, forderten auch eher Feedback zu ihren Leistungen ein als jene, die Zeitdruck und Co. grundsätzlich schlecht finden.

Ein Ergebnis, das natürlich polarisiert. Ist alles zu viel, Druck und Stress schon auf einem zu hohen Level, fällt es natürlich ungleich schwerer, seine Einstellung zum Positiven zu ändern. Jeder weiß das. Studien wie diese können Stressgeplagten aber auch als Weckruf dienen: Sich von Zeit zu Zeit an Erfolge und erbrachte Leistungen zu erinnern und zu hinterfragen, ob der Stress davor nicht für das Ergebnis an sich auch sein Gutes hatte.

Bildnachweis: ollyy / Quelle Shutterstock, Grafik: karriere.at

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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