Die hohe Kunst der positiven Selbstdarstellung: Wer nicht auffällt, fällt durch!

von in Bewerbung, Jobsuche am Donnerstag, 17. März 2011 um 11:16

In jeder Firma gibt es sie – Narzissten und Selbstdarsteller. Kollegen, die jeden Schritt ihrer Arbeitsleistung hinausposaunen und sich vor dem Chef in Pose werfen. Wenn ein Vorgesetzter diese Schauspielerei erkennt und auch Leistungsträger mit weniger Talent zur Eigen-PR gleichermaßen lobt und in Personalentscheidungen berücksichtigt, besteht das Problem lediglich auf persönlicher Ebene unter Kollegen. Erliegt die Führungsebene aber dem „Schmäh“ des begnadeten Eigenmarketers, ist Feuer am Dach. Vor allem Frauen würden ihr Licht zu häufig unter den Scheffel stellen, erklärt Psychologin und Psychotherapeutin Christa Schirl-Russegger.

Ich wurde in unserer Firma mit der Installation einer neuen EDV-Anlage beauftragt und sah in diesem Projekt für mich die Chance zur Abteilungsleiterin aufzusteigen. Mit Begeisterung und großem Einsatz habe ich mich an die Sache gemacht und wurde dabei von einem jungen Kollegen unterstützt. Dieser Kollege erzählte unseren Vorgesetzten häufig von den Fortschritten und schilderte immer, wie er EDV-Probleme in den Griff bekam. Ich bin eher zurückhaltend und fand seine Selbstdarstellung sehr übertrieben. Jetzt ist er Abteilungsleiter geworden.

So wie Ihnen, geht es vielen Frauen. Sie arbeiten im stillen Kämmerchen fleißig und mit hohem Einsatz vor sich hin, werden aber von der eigenen  Zurückhaltung ausgebremst. Frauen verwechseln die positive Selbstdarstellung der Männer häufig mit Hochstapelei. Die Konsequenz? Frauen stapeln tief und stellen ihr Licht unter den Scheffel. In Coaching-Gesprächen merke ich immer wieder, wie schwer es Frauen fällt, eigene Stärken aufzuzählen. Frauen, die in Beruf, Haushalt und Kinderbetreuung Enormes leisten, bewerten ihre Leistung oft mit „Das ist ja ganz normal!“ oder „Das schaffen andere auch!“ – ein eindeutiger Fall von Tiefstapelei.

Selbstdarstellung: Erfolge in eigener Bilanz verbuchen!

Aber, wer nicht auffällt, fällt durch! Lernen Sie, Ihr eigenes Können und Ihre eigenen Erfolge zu präsentieren. Beginnen Sie mit einem Erfolgs-Tagebuch. Schreiben Sie jeden Abend, einen Punkt auf, der zu Ihren Stärken zählt. Worauf sind Sie stolz? Was haben Sie erreicht? Was ist Ihnen gut gelungen? Was macht Ihnen Spaß? Was haben Sie erfolgreich bewältigt? Buchen Sie alles, was Sie geleistet haben, als persönlichen Erfolg in Ihrer Lebensbilanz. Als nächsten Schritt üben Sie sich darin, über Ihre Erfolge zu sprechen. Schildern Sie Ihren Freunden und Ihrem Partner, was Ihnen gut gelungen ist! Stehen Sie zu Ihren Stärken! Diese positive Selbstdarstellung stärkt Ihr Selbstbewusstsein und wirkt auf Ihre Umgebung zurück. Wenn Sie sich selbst in allen Schattierungen wertschätzen, werden Sie auch von Ihrer Umgebung mehr Wertschätzung erhalten.

„Bescheidenheit ist eine Zier, weiter kommt man ohne ihr!“ ist das weibliche Motto, um auf der Karriereleiter emporzukommen.

Zur Person:
Christa Schirl-Russegger ist Klinisch- und Gesundheitspsychologin, zertifizierte Arbeitspsychologin und sinnzentrierte Psychotherapeutin. Neben der Tätigkeit in ihrer eigenen Praxis ist sie außerdem Trainerin und Vortragende. Ihre Expertise stellt Christa Schirl-Russegger seit mehreren Jahren zahlreichen Medien zur Verfügung.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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