Mit Pferdestärken zum besseren Chef

von in HR am Dienstag, 29. April 2014 um 10:29

Reithalle statt Seminarraum. Das ist das Konzept hinter dem Führungskräfte-Training HorsePower. Geschäftsführer Thomas Egger erklärt im Interview, wie mit den Tieren gearbeitet wird und weshalb gerade die Konflikte mit Newcomern im Team nicht auf die leichte Schulter genommen werden dürfen.

„Wollten etwas abseits aller Seminarräume“

Wie kam es zur Idee eines Führungskräfte-Trainings mit Pferden?

Thomas Egger: Wir wollten etwas abseits aller Seminarräume machen, weil wir selbst schon oft genug Rollenspiele und Seminare besucht haben, in denen der nötige Praxisbezug gefehlt hat. Die Idee hinter HorsePower ist es, Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Führungseigenschaften und Fähigkeiten direkt zu hinterfragen und einen effizienten und nachhaltigen Praxistransfer anzubieten. Wir haben in unseren eigenen Firmen die Erfahrung gemacht, dass gerade dieser Praxistransfer oft fehlt. Durch das Medium Pferd wird dieser ermöglicht.

Wie kam der Schwerpunkt auf Junge im Team zustande?

Thomas Egger

Thomas Egger

Thomas Egger: Es zeigt sich aus eigenen Erfahrungen und den Herausforderungen der Firmen heraus, dass es gerade für Newcomer in einem Team schwer ist sich einzubinden und einzugliedern. Es besteht ein hohes Frustpotenzial für die neue Generation, wenn es Unternehmen nicht schaffen, deren Motivation und Ideen einzubinden.

Welche Konflikte orten Sie zwischen Führungskräften und „Jungen“ und wie können diese durch das Training gelöst werden?

Thomas Egger: Gerade High Potentials kommen mit viel Elan ins Unternehmen und wollen etwas in Gang bringen. Die Aufgabe von Führungskräften ist es, diese Motivation zu erhalten und in Bahnen zu lenken, die für das Unternehmen dienlich sind. Dies führt oft zu Konflikten, weil Führungskräfte Entwicklungspotential dort sehen, wo sie Junge nicht sehen und umgekehrt. Für Newcomer ist es auch oft schwer zu verstehen, warum Dinge in einem Unternehmen so laufen, wie sie dort gewohnt sind. Oft ist es schwer für die neue Generation abzusehen, wohin es gehen soll. Es fehlt an der Kommunikation durch die Führungskräfte.

Wie viel Nähe lasse ich zu?

Können Sie eine konkrete Übung mit den Pferden schildern?

PferdThomas Egger: Da gibt es zum Beispiel Distance und Nearness: Es ist für Führungskräfte und Junge wichtig, Distanz und gleichzeitig Nähe abschätzen zu können und diese dann je nach Situation anwenden zu können. In dieser Übung hat der Teilnehmer die Aufgabe, in einem beengtem Raum (11m  x 11m) ein Pferd zuerst auf Distanz, dann auf Nähe zu führen. Er bekommt dazu eine Flagge und ein paar Hinweise, wie es funktionieren könnte. Es ist seine Aufgabe, das Pferd durch seine Handlungen, sein Denken und sein Auftreten zu bewegen. Wenn er das für sich geschafft hat, dann machen wir das ganze in der Nähe. So können die Teilnehmer feststellen, welche Führungsposition für sie selbst die richtige ist: Wie viel Nähe lasse ich zu? Wo fühl ich mich wohl?

„Herausforderung, Leute länger als zwei Jahre im Unternehmen zu halten“

Was sind aus Ihrer Sicht DIE Herausforderungen der Zukunft?

Generation YThomas Egger: Für die Unternehmen wird es zunehmend zur Herausforderung, Teams und Führungskräfte länger als zwei Jahre im Unternehmen zu halten und so eine Kontinuität zu schaffen. Gerade Junge fragen sich immer mehr, für wen sie arbeiten und warum sie etwas tun sollen. Zugehörigkeit zu einer Firma wird immer weniger zum Faktor, genauso wie Gehalt oder Position. Junge Führungskräfte wollen etwas verändern, etwas schaffen. Das ist sicherlich eine der größten Herausforderungen für Unternehmen, ihnen diese Möglichkeiten zu bieten. Eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre wird es zudem sein, jene Jugendlichen, die momentan in der Ausbildung sind, in die Unternehmen zu integrieren.

Zur Person: Thomas Egger

Thomas Egger ist Geschäftsführer bei HorsePower Training. Seit Anfang 2013 wird dieses spezielle Training von Egger und seiner Frau angeboten, die Beschäftigung mit den Tieren sowie den Trainingsmethoden begann jedoch schon früher.

Bildnachweis: Vaclav Volrab /Quelle Shutterstock, ollyy /Quelle Shutterstock, HorsePower

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren