Gehalt 2016: Was ist einem Arbeitgeber die eigene HR-Abteilung wert?

von in Gehalt, HR am Montag, 25. Juli 2016 um 10:54

Wir starten in unsere Serie „Gehalt 2016“ und analysieren gemeinsam mit Gehaltsexperte Conrad Pramböck die erste Branche: Wie viel Gehalt ist aktuell drin für Personalmanager, Recruiter und HR-Profis?

Zwischen Verwaltungsarbeit und dem Wunsch, als strategischer Partner verstärkt wahrgenommen zu werden: Wir haben uns mit Gehaltsexperte Conrad Pramböck über Karriereperspektiven für HR-Experten unterhalten. Bevor es an die Details geht, die Gehälter der Branche im Überblick:

Gehalt Personalmanagement 2016

Wie ist Ihre Prognose für die Branche? Was sind die Chancen und Risiken?

Conrad Pramböck

Conrad Pramböck

Pramböck: Mein Eindruck ist, dass es für Personaler einige interessante Jobs am Markt gibt. Fragt man Unternehmen nach dem Wichtigsten im Betrieb, lautet die Antwort oft: das Personal. Mir fällt aber auf, dass in den wenigsten Unternehmen Personalmanagement auch aktiv mitgestaltet, meist wird es nur mit Verwaltungsaufgaben betraut. Die Erwartung an das HR-Management ist in vielen Fällen nur, dass die Verrechnung passt, Gehälter richtig ausbezahlt und Boni korrekt verrechnet werden. In manchen Unternehmen wird Personalmanagement auch im negativen Sinn eingesetzt, nämlich zum Überbringen negativer Nachrichten: Wenn es Restrukturierungen gibt, Mitarbeiter gekündigt werden etc. – das HR-Management wird dann gerne vorgeschickt.

Die Tätigkeit im Personalwesen an sich ist eine sehr spannende, denn ein gutes HR-Management ist das Um und Auf für ein funktionierendes Unternehmen. Worin unterscheiden sich Unternehmen? Es sind die Menschen, die dort arbeiten. Produkte und Dienstleistungen gleichen sich oft, am Ende des Tages unterscheiden sich Betriebe durch ihr Personal. Ein Hotel ist vielleicht nicht nur wegen des Angebotes bei den Gästen so beliebt, sondern weil das Personal dort außerordentlich gut ist.

Sind sich Arbeitgeber dessen ausreichend bewusst?

Pramböck: Die Frage ist, ob sie bereit sind, in gute Mitarbeiter zu investieren. Manche Unternehmen geben viel Geld für die besten Arbeitnehmer aus – wenn sie denn am Markt zu haben sind. Wer Mitarbeiter hat, die bereit sind, überdurchschnittlich viel zu leisten, sollte dieses Personal nicht einfach nur verwalten, sondern aktiv weiterentwickeln – Stichwort Mitarbeitermotivation, Weiterbildung, Gehalt. Dafür wird gutes HR-Management benötigt.

Ihre Prognose für die Zukunft?

Pramböck: Im Wesentlichen geht es hier um drei Faktoren: Zum einen das Können – da sehe ich das geringste Problem – sehr viele HRler machen ihren Job fachlich sehr gut und bleiben auf dem Laufenden, wenn es z.B. um neue Anforderungen wie Gehaltsangaben im Stelleninserat geht. Dann das Wollen: Möchte ich als Personalmanager das Unternehmen wirklich vorantragen? Meiner Einschätzung nach möchten viele HR-Manager bereits zu Beginn ihrer Karriere aktiv gestalten, scheitern aber oft am dritten Punkt: das Dürfen. Wenn das internationale Headquarter die Marschrichtung komplett vorgibt und Personalmanagement vor Ort nur noch umsetzen kann, wird aktives Mitgestalten schwierig. Entscheidungsspielraum gibt es oft keinen oder nur sehr wenig, die Budgets werden von Jahr zu Jahr gekürzt – dafür muss immer mehr geleistet werden. Es ist eine schwierige Konstellation, der viele Personalmanager hier ausgesetzt sind.

Welche Rolle spielen Aus- und Weiterbildungen für HR-Manager?

Pramböck: Von der Ausbildung her gibt es ganz unterschiedliche Zugänge. Viele Personalmanager haben Wirtschaft oder Jus studiert, manchmal auch Psychologie. Erfolg im Personalmanagementbereich hängt nicht in erster Linie von der ersten Qualifikation ab. Sehr viel im HR-Management hängt zusammen mit Berufserfahrung und dem, was ich on the job lerne – Stichwort learning by doing. Wichtig ist aus fachlicher Sicht jedoch, mit rechtlichen Rahmenbedingungen vertraut zu sein und alle Änderungen zu kennen. Ein Grundverständnis von Recht ist deshalb schon notwendig. Ebenfalls sehr wichtig: das Thema Netzwerken. Es gibt viele Personalerkreise und HR-Communities, teilweise auch branchenspezifisch aufgestellt, in denen Austausch passiert – und das sollten Branchenangehörige auf jeden Fall auch nutzen.

Schnelle Karriere mit gutem Gehalt – im Personalbereich realistisch?

Pramböck: Rasche Karrieren sind möglich, Einsteiger beginnen meist als HR-Generalist oder auf einen Bereich spezialisiert: Als Recruiter, im Bereich Compensation und Benefits – wo derzeit viele gesucht werden – im Personalmarketing etc. Über diese Spezialisierung bis hin zum HR-Business-Partner kann ich nach einiger Zeit Führungsverantwortung übernehmen. Das ist durchaus bereits im Alter von Anfang bis Mitte 30 möglich. 7 bis 10 Jahre Berufserfahrung in HR ermöglichen durchaus eine Tätigkeit in attraktiver Position. Eine Krux ist jedoch, dass ich mich von dort aus kaum mehr weiterentwickeln kann. Vom Leiter der Personalabteilung führt kaum ein Weg in die Geschäftsführung – das unterscheidet HR sicher vom Vertrieb oder einem Techniker, der eventuell technischer Vorstand werden kann. Die Karriereleiter ist für HRler mit dem Posten des Personalleiters meist zu Ende. Was dann noch möglich ist, ist der Wechsel in ein größeres Unternehmen. Das bedeutet auch mehr Gehalt, weil die Einkommen der Führungskräfte mit der Größe des Unternehmens zusammenhängen. Das alles muss natürlich zu meiner eigenen Persönlichkeit, meiner Lebensplanung und meinen Präferenzen passen: Manche fühlen sich in mittelständischen Unternehmen am wohlsten, andere in großen Konzernen.

Ihre Tipps für mehr Gehalt in der HR-Branche?

Pramböck: In den ersten 5 bis 10 Jahren der Karriere steigt das Einkommen mit zunehmender fachlicher Kompetenz. In dieser Phase geht es darum, Fachwissen aufzubauen,  auszubauen und mit Leistung zu überzeugen. Danach stellt sich die Frage „Führungsverantwortung – ja oder nein?“ oder eben der Wechsel in immer größere Unternehmen – verbunden mit mehr Gehalt.

Bildnachweis: Rawpixel.com/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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