Personal Austria 2012: „Der gesunde Apfel alleine reicht nicht aus“

von in Arbeitsmarkt, HR am Freitag, 9. November 2012 um 12:48

Wie steht es um die Gesundheit der österreichischen Arbeitnehmer? Wie funktioniert modernes Gesundheitsmanagement? Und wie führt man Mitarbeiter gesund zu Höchstleistungen? Fragen zum Thema Betriebliche Gesundheitsförderung, die heuer bei Vorträgen, Diskussionen und Best-Practice-Beispielen auf der Personal Austria 2012 – neben einer Vielzahl anderer Themen – diskutiert wurden. Ein Rückblick.

BGF – ein vielerorts belächeltes Schlagwort

Betriebliche Gesundheitsförderung – kurz BGF. Ein Schlagwort, das von vielen Unternehmen nach wie vor belächelt wird. Aber auch ein Begriff, der allein schon die Demografie immer stärker in den Vordergrund rücken wird. Warum Prävention wichtig ist, belegte Dietmar Schuster von der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit der Wirtschaftskammer. Eine Faktensammlung:

  • Dass die arbeitende Bevölkerung in Österreich immer älter wird, ist nichts Neues. Ab dem Jahr 2015 wird in der Alpenrepublik jeder dritte Arbeitnehmer älter als 50 Jahre alt sein. Tendenz steigend. Daraus ergeben sich laut Schuster drei Herausforderungen, die es zu lösen gilt: 1. Die Anhebung des Pensionsalters, 2. Demografie-Management und 3. geeignete Präventionsmaßnahmen für Arbeitnehmer zu finden.
  • Der Durchschnittsösterreicher verbringt in seinem Leben 59,4 beschwerdefreie Jahre. Ein Wert, der unter dem EU-Schnitt von 60,7 Jahren liegt. Trotzdem liegt Österreich mit 3.407 Euro jährlicher Pro-Kopf-Ausgabe für die Gesundheit im europaweiten Spitzenfeld.
  • Mehr als 50 Prozent der Krankenstände fallen wegen Beschwerden im Bewegungs- und Stützapparat und wegen Atemwegserkrankungen an. Fünf Prozent entfallen auf psychische Überbelastungen.
  • Je älter Arbeitnehmer sind, desto seltener sind sie im „Stand“. Wenn sie aber krank sind, fällt dieser im Durchschnitt länger aus. Jüngere sind hingegen öfter, dafür kürzer krankheitsbedingt abwesend.
  • Die Krankenstandsquote bei Arbeitern liegt bei 4,5 Prozent, jene von Angestellten bei 2,6 Prozent.
  • Bei den Krankenständen gibt es ein Ost-West-Gefälle: Wien und Niederösterreich liegen über dem Österreich-Durchschnitt, Tirol, Salzburg und Vorarlberg liegen darunter.
  • Je kleiner ein Betrieb ist, umso niedriger ist die Krankenstandsquote.
  • 11,1 Prozent der Ausgaben des BIP entfallen für die Gesundheitsversorgung. Allerdings liegen die Ausgaben für Gesundheitsvorsorge nur bei 1,9 Prozent (OECD-Schnitt: 3 Prozent).
  • Jährlich fallen in Österreich 38 Millionen Krankenstandstage an, die den Betrieben 7,7 Milliarden Euro pro Jahr kosten (3,1 Prozent des BIP).

Aktives Gesundheitsmanagement in der Realität

Veronika Harzl und Viktor Wratschko

Veronika Harzl und Viktor Wratschko

Die Gesundheit der Mitarbeiter lohnt sich doppelt: Für Mensch und Unternehmen. So weit, so gut. Doch wie kann diese erhalten werden und welche (realistischen) Chancen haben Unternehmen, dass eingesetzte Maßnahmen für mehr Gesundheit auch von den Mitarbeitern angenommen werden? Dass Handlungsbedarf besteht, ist klar. Denn Energie, Motivation sowie die Gesundheit der Mitarbeiter werden – besonders in wirtschaftlich turbulenten Zeiten – auf die Probe gestellt. Wie man aktives Gesundheitsmanagement nicht nur einführen, sondern auch wirklich leben kann, erklärten Viktor Wratschko, Geschäftsführer Eurotransline GmbH sowie Gründer und Initiator von forum energetix und Mitarbeiterin Veronika Harzl.

„Es hat im Kleinen begonnen“

Es sei wichtig, dass nicht nur darüber gesprochen, sondern BGF auch umgesetzt werde, erklärt Wratschko. Bei Eurotransline wurde im Kleinen begonnen: Ein Lauftreff, eine Nordic-Walking-Gruppe. Aus dieser Idee heraus ist forum energetix entstanden, mittlerweile profitieren andere Firmen vom Know-how des Unternehmens. „Die betriebliche Gesundheitsförderung ist für uns Mitarbeiter jeden Tag präsent, wir können das Gesundheitszentrum vor, während und nach der Arbeit nutzen. Wichtig für das Funktionieren ist jedoch die gute Abstimmung mit den Kollegen“, berichtet Veronika Harzl von einem Arbeitsalltag, der schon einmal durch eine Massage oder Sporteinheit unterbrochen wird. Auf die Frage nach der Messbarkeit der Gesundheitsforderung gibt es als Antwort zwar keine harten Zahlen, dafür jedoch Berichte von kreativen Mitarbeitern, Ideenreichtum und Begeisterung für das Unternehmen.

Entwicklung vs. Demographie: Die Zwickmühle der Personaler

Als eine der größten Zwickmühlen für Personaler nannte Michael Landertshammer, Institutsleiter vom WIFI Österreich, die immer schnellere technische Entwicklung samt Globalisierung auf der einen, und die demographische Entwicklung auf der anderen Seite. „Wir müssen als Betrieb attraktiv sein und schon jetzt schauen, Lücken der Zukunft zu schließen.“ Besonders die drei Gruppen Ältere, Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund müssten hierbei ins Boot geholt werden. Ins selbe Horn stößt Annabelle Pineda, Vice President HR Development von T-Mobile Austria. „Wir unterstützen die Mitarbeiter dabei, dass sie ihre Rolle im Unternehmen bestmöglich ausfüllen können. Die Führungskräfte haben dabei eine Schlüsselrolle“, erklärt sie weiter. Für die HR-Manager stellt sich dabei die Herausforderung, selbst in schwierigen wirtschaftlichen Situationen die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Weshalb wir uns nie alle in die Mitte des Turnsaals stellen sollten

Welchen Einfluss Individualität auf der Gelingen oder Scheitern eines Unternehmens hat, und weshalb sich nie alle Kinder zum Fangen eines Balles in die Mitte des Turnsaals stellen sollten, darüber sprach Gastredner Prof. Markus Hengstschläger am karriere.at-Messestand. Gemeinsam mit Robert Seeger jun., der Social Media als Treibstoff für Recruiting definierte, war er der Stargast am gut besuchten karriere.at-Messestand. Am kommenden Dienstag lesen Sie hier im Blog mehr darüber.

Bildnachweis: karriere.at/Frenner

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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