Get to know your Playing Field! – Tipps für die persönliche Vermarktung

von in Arbeitsleben, Arbeitsmarkt am Montag, 7. November 2016 um 11:40

„Die Welt ist mein Spielplatz!“ – Hochmut oder hochmotivierte Aussage? In Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung dürfen Junge und gut Ausgebildete durchaus Anspruch auf ein Stück vom globalen Spielplatz erheben. Letzteren sollte man aber auch sehr genau kennen! Der Digital- und Vermarktungs-Spezialist Jan Honsel über berufliche Herausforderungen der Gen Y&Z.

Jung und gut zu sein reicht heute längst nicht mehr aus, um einen tollen oder überhaupt einen Job zu ergattern. Trotz der richtigen Qualifikationen am Arbeitsmarkt durch die Finger zu schauen, betrifft zunehmend mehr High Potentials. Damit einher geht auch die zunehmende Relevanz von Networking und der Fähigkeit, sich selbst zu vermarkten. Wir haben bei Jan Honsel, Profi für Markenführung im digitalen Bereich (etwa bei Pinterest), nachgefragt, wie man sich am globalen Spielplatz zurechtfindet und was seine drei Top-Tipps fürs Selbstmarketing sind:

Wie lernt man sein Playing Field kennen?

Jan Honsel: „Playing Field“ klingt immer ein bisschen nach Fußballplatz und nach Struktur – das ist es leider nicht. Dabei handelt es sich viel eher um so etwas wie ein Bermuda Dreieck aus Disruption – einem Umbruch – Innovation und Karriere. Diese drei Themen fallen je nach Branche sehr unterschiedlich aus. Sie hängen allerdings untrennbar miteinander zusammen, weil sich durch Digitalisierung und Internationalisierung viele Dinge einfach verändern. Das führt oftmals dazu, dass Geschäftsmodelle, wie sie bisher existiert haben, einfach nicht fortbestehen werden. Das wiederum führt dazu, dass zur Sicherung von Marken, Modellen und Wirtschaftszweigen Innovationen unabdingbar sind. Natürlich hat das auch massive Auswirkungen auf Karrieren.

profi-vermarkter

Jan Honsel

„Das Playing Field ist eher Bermuda Dreieck als Fußballplatz!“

Jan Honsel: Die Halbwertszeit von Wissen, die Wertigkeit von Ausbildung und Skills, hat sich quasi auf unter fünf Jahre reduziert. Dazu kommt, dass ganz viele Jobs in naher Zukunft komplett ersetzt werden durch technologische Änderungen. Besonders beim Einstieg ins Berufsleben muss ich mir deshalb heute immense Gedanken machen, wo sich der Wirtschaftszweig, in dem ich arbeiten möchte, momentan und auf mittlere Sicht hinentwickelt, was ich mir dafür aneigenen muss und welche neuen Skills ich dafür brauche. Oder ob es fast mehr Sinn macht, mich aus diesem Berufsfeld vielleicht eher hinauszuentwickeln.

Wie sehen aus Ihrer Sicht die beruflichen Herausforderungen der Generation Y und Z aus?

Jan Honsel: Das eine ist sicher die technologische Weiterentwicklung – ob das jetzt in der Produktion ist oder im Marketing ist egal. Alle Bereiche eines Unternehmens sind betroffen. Die Geschwindigkeit der Entwicklungen nimmt ständig zu; das heißt, ich muss mich heute eigentlich mit vielen verschiedenen Themen in viel kürzerer Zeit auseinandersetzen und versuchen, sehr breites und oftmals auch recht tiefes Verständnis von solchen Trends zu haben. Ansonsten bin ich irgendwann outdated. Das bringt mich in eine Lage, dass ich nach dem Uni-Abschluss nicht sagen kann „Super – jetzt weiß ich alles“, mache zwei Jahre Weiterbildung on the Job, also in der Praxis, und danach läuft alles von allein. Nein – der Wissensstress, den man als Absolvent und Early-Job-Entree hat, wird die nächsten Jahre erstens konstant so weitergehen und zweitens vermutlich weiter zunehmen. Das ist eine große Veränderung und ein enormer Unterschied zu den Leuten, die ihren Abschluss vor zwanzig Jahren gemacht haben.

„Die Halbwertszeit von Wissen hat sich reduziert. Der Wissensstress bleibt heute ständig aufrecht.“

Jan Honsel: Die nächste Herausforderung ist dann, dass ich oftmals in Unternehmenskonstrukte einsteige, in denen sehr viele Menschen schon seit längerer Zeit arbeiten. Viele davon haben das Wissensverständnis, wie es heute herrscht, nicht. Von unten kommt der Druck von meiner Peer Group und von noch jüngeren Young Professionals – da entsteht eine Knowledge Challenge – und dann treffe ich vielleicht auf eine Organisation mit Kollegen und Chefs, deren Wissensstand noch auf einem Stand von vor zehn Jahren ist und ich muss versuchen, diese auf der Reise irgendwie mitzunehmen. Das ist eine Mega-Challenge: Wie muss ich mich da verhalten ohne fälschlicherweise zu vermitteln, dass alle anderen Idioten sind? Gerade in großen Unternehmen wird man den Wandel ökonomisch sinnvoll vor allem gemeinsam bzw. mit einer großen Anzahl an „Mitmachern“ gestaltet bekommen.

Wie wichtig wird Social Media am Arbeitsmarkt der Zukunft sein?

Jan Honsel: Die einen sagen ja mittlerweile gern „Social Media ist tot! Es gibt keine organischen Reichweiten mehr, man muss immer nur Geld auf den Tisch legen.“ Das stimmt so nicht. Man kann auch heute noch sehr gut ohne Paid Investments auf den großen Plattformen wie Facebook & Co. erfolgreich sein – man muss halt wissen, wie´s geht.

Das andere ist, dass immer wieder neue Opportunitäten dazukommen. Vor zwei, drei Jahren war das Instagram, zurzeit beschäftigen sich sehr viele zunehmend mit Pinterest und Snapchat. Auch da muss ich mir als Marketeer immer wieder neue Skills aneignen. Um Pinterest als Beispiel herauszunehmen: Pinterest ist kein wirkliches Social Network im eigentlichen Sinn, sondern eher ein Katalog von Ideen – eine Discovery Plattform. Sehr vieles, was ich mir über Facebook und Instagram angeeignet habe, muss ich eigentlich vergessen, weil Pinterest nach anderen Kriterien funktioniert. Für Snapchat gilt ebenfalls: neue Plattform, neue Regeln. Und das wird sich in Zukunft auch alles weiterentwickeln. Daran sieht man, wie wichtig Social Media ist und weiterhin sein wird.

Wie „cool“ ist es wirklich, für Pinterest zu arbeiten?

Jan Honsel: Die Gegenfrage lautet: Wie cool stellt man sich das vor? Spaß beiseite – es ist auf jeden Fall sehr cool! Pinterest ist eine Company, von der die Geschichte noch lange nicht erzählt ist, die geht gerade erst richtig los. Das nächste große Thema wird „Video und Bewegtbild“ sowie Social Commerce sein. An beiden Themen wird derzeit intensiv gearbeitet, der nächste große Evolutionsschritt passiert gerade. Zudem besteht dieses Unternehmen aus vielen sehr schlauen, aber auch extrem netten Kollegen, mit denen man international arbeiten kann und das macht einfach Spaß. Und dieser ganze Silicon Valley Spirit, wie man ihn aus Medien- und Fernseh-Geschichten kennt, der ist Realität, den gibt es wirklich und davon ist man dann einfach ein Teil. Es macht total Spaß zu sehen, wie innovativ und schnell alle denken und das erlebt man in anderen, eher traditionelleren Firmen leider eher selten.

 

3 Tipps für die persönliche Vermarktung

persönliches Marketing

Jan Honsel, der Spezialist für digitale Marken und Vermarktung, verrät drei essentielle Tipps für deine ganz persönliche Marke:

#1 Am Puls der Zeit bleiben
Beobachte den Markt und lerne! Wenn man in die USA, nach Großbritannien oder in den asiatischen Raum schaut und auf dem Radar hat, was dort gerade passiert, kann man sehr viel lernen und Entwicklungen antizipieren, die so oder ähnlich auch bei uns zu sehen sein werden.

#2 Eigenes Expertengebiet entwickeln und etablieren
Wo fühle ich mich sicher? Wo kann ich anderen etwas mitgeben? Dafür kann man auch Plattformen wie XING, LinkedIn, Medium oder andere Medienkanäle nutzen, um sozusagen Content Marketing für sich selbst zu betreiben und Aufmerksamkeit zu bekommen.

#3 Sichtbarkeit für sich selbst herstellen
Das kann passieren, indem ich auf Konferenzen gehe und einfach mitdiskutiere oder bei den zahlreich existierenden Eventformaten eine Rolle übernehme – z.B. einen Workshop organisieren oder erste Präsentationserfahrung bekommen. Das bringt immens viel!

 

Young Professionals aufgepasst!

Mehr Tipps vom Spezialisten für die eigene, persönliche Vermarktung gefällig? Jan Honsel hält auf der kommenden Manageers Conference 2016 eine Keynote, bei der es darum geht, die Chancen eines Marktes zu erkennen und dementsprechend zu reagieren. Anschließend wird in einer Podiumsdiskussion besprochen, welche Strategien dir helfen, um dich im Arbeitsmarkt zu positionieren und deine Chancen wahrzunehmen.

Wie du deine Online Reputation optimieren kannst, erfährst du dort außerdem im karriere.at Workshop „Hacks für deine Bewerbung“ am 8. November von 15.30 – 16.30: Anmeldung.

 

Zur Person: Jan Honsel

Seit seinem Start bei CScout/Mandalah und Deutsche Bank in New York City, später dann u.a. als COO und Publishing Director bei den Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien, Co-Founder Business Punk und Business Angel verschiedener Start-ups konnte Jan Honsel vielfältige Erfahrungen und Kompetenzen in den Bereichen (digitale) Medien, Marketing und Sales erfolgreich generieren und einsetzen. Mit diesem interdisziplinärem Background ist er von 2014 bis November 2016 für die erfolgreiche Einführung und den dynamischen Ausbau von Pinterest im deutschsprachigen Raum verantwortlich. Künftig möchte er weiterhin im Digitalgeschäft mitgestalten.

Bildnachweis: Gelner Tivadar / Shutterstock; lithian/Shutterstock; Honsel

Tanja Karlsböck

Tanja Karlsböck verfasst Blogposts rund umʼs Arbeitsleben, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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