Per Professional-Blog zum Job: „Man ist in den Köpfen der Menschen präsenter“

von in Jobsuche, Social am Donnerstag, 17. Januar 2013 um 11:49

Man kann sich bewerben und auf einen Job hoffen. Oder zusätzlich bloggen und zeigen, was man praktisch auf dem Kasten hat. Ein Weg, für den sich Nika Mizerski entschieden hat. Mit karriere.at sprach sie über ihre Erfahrungen, ihre Themen und ihre Motivation, ein Professional-Blog zu betreiben. Einer ihrer Leitsätze: „Um zu bloggen, muss nur der Entschluss dazu gefasst werden und dann bestenfalls konsequent an der Umsetzung gearbeitet werden.“

Wie kam es zu deinem Blog? Was ist Thema? Worauf zielst du mit Marketing Potentials ab?

Nika Mizerski: Als ich das Stipendium der WU Executive Academy für den Universitätslehrgang Werbung und Verkauf bekommen habe, beschloss ich, meinen Blog ins Leben zu rufen. So dokumentiere ich meine Weiterbildung. Der Blog dient als Wissensarchiv und Reflexionstool und zeigt, mit welchen Themen ich mich beschäftige. Außerdem sammle ich gute Online-Informationsquellen. Die leitende Idee hinter meinem Blog ist es, die umfassenden, teils abstrakten Vermarktungsthemen und beeinflussenden Expertenmeinungen kompakt abzubilden.

Wie sieht generell die Professional-Blogger-Landschaft in Österreich im internationalen Vergleich aus?

Nika Mizerski

Nika Mizerski: Fachliche Blogs von Einzelpersonen sind in Österreich eine Ausnahmeerscheinung. In den USA beispielsweise sind Blogs eine vielgenutzte Möglichkeit, um das Expertenprofil zu schärfen. Die persönliche Vermarktungskultur ist dort eine andere, aber auch bei uns ist Selbstmarketing wichtig – von anderen nur meist nicht gern gesehen.

So weit ich weiß versteht man unter Professional Blogger auch Menschen, die mit ihrem Schreiben Geld verdienen. Ich denke nicht, dass es im deutschsprachigen Raum viel Platz für Einzelpersonen gibt, um sich so eine große Leserschaft aufzubauen, dass Werbeeinnahmen als Haupteinkommen generiert werden können. Von Marketingagenturen speziell geschulte Blogger, die derzeit bei der Produktpromotion von Kosmetika vermehrt eingesetzt werden, bilden eine Ausnahme. Diese Werbeform breitet sich eventuell tatsächlich auf andere Konsumgüter aus.

Wie schätzt du die Chancen ein, über einen Blog beruflich „entdeckt“ zu werden?

Nika Mizerski: Natürlich sollte ein Blog zielgerichtet verfolgt werden. Wer sich aber durch reine Erfolgsabsichten motiviert, wird mit großer Wahrscheinlichkeit enttäuscht. Im Vordergrund sollte die qualitative Arbeit stehen. Was sich daraus ergibt, ist nicht vorhersehbar.

Welche Reaktionen gab es auf deinen Blog bisher?

Nika Mizerski: Ich bin erstaunt, wie schnell sich mein Blog herumgesprochen hat. Man ist mit so einem Projekt in den Köpfen der Menschen wesentlich präsenter. Aus dem privaten Umfeld fanden die Idee alle sehr gut und die Motivation das anzugehen keineswegs selbstverständlich.

Ich nütze den Blog auch, um Unternehmen anzuschreiben und aus einem Marketingblickwinkel zu befragen. Ich erwarte nicht, dass Unternehmen meinen Blog geschäftlich ernst nehmen. Das es fallweise doch so ist, zeigt, wie wichtig Social Media für die Unternehmensreputation ist.

Was ist dein Tipp an Studenten? Worauf sollten sie achten?

Nika Mizerski: Ein Blog ist eine von vielen Möglichkeiten, potentiellen Arbeitgebern Einblick in technische Fertigkeiten und fachliches Know-How zu geben. Ein solches Projekt setzt Bemühungen voraus. Diese zeitliche Investition nimmt man nur auf sich, wenn man für eine Sache brennt. Meiner Erfahrung nach suchen professionelle und erfolgreiche Unternehmen genau solche MitarbeiterInnen.

Doch mit einem Blog ist auch ein Risiko verbunden. Die Kritikbereitschaft von Menschen erscheint mir höher als das Zugestehen von Anerkennung. Es ist wesentlich, dass Inhalte sehr genau reflektiert und auf faktische Korrektheit geprüft werden, bevor sie online gehen. Durch einen ernstgeführten Blog lernt man frühzeitig auf unterschiedlichen Ebenen dazu.

Was muss man können, wenn man zu bloggen beginnt?

Nika Mizerski: Freude am Schreiben ist eine wichtige Voraussetzung, dass der Blog nicht bald wieder beendet wird. Alles andere ist Learning by doing! In der Praxis werden automatisch Umsetzungsbedürfnisse und Fragen aufgeworfen, denen ich gerecht werden will oder muss.

Um zu bloggen, muss nur der Entschluss dazu gefasst und bestenfalls konsequent an der Umsetzung gearbeitet werden.

Welchen Stellenwert hat spezifisches Wissen deiner Meinung nach (SEO, Grafik, redaktionelle Kenntnisse etc)?

Nika Mizerski: Das wichtigste Element eines Blogs sind spannende und lesefreundliche Inhalte. Gewisse Handgriffe aus dem Repertoire der Suchmaschinenoptimierung anzuwenden ist sicherlich nicht falsch. Es bestehen bereits so viele anwenderfreundliche Tools, dass Ästhetikansprüche auch ohne ausgereiften Grafik- und Designkenntnisse umgesetzt werden können. Für einen professionellen Online-Auftritt reicht das nicht aus. Dann ist der Einsatz von Grafikern und anderen Media-Spezialisten gefragt!

Zusätzliche Skills in einem miteinander verwandten Bereich aufzubauen, um selbständig eigene Ideen realisieren zu können, ist eine Verantwortung, der jeder ambitionierte Studierende und Berufstätige nachkommt. Letztlich werden wir Jungen im Berufsalltag genau an solchen technischen Fertigkeiten gemessen, die ja nicht weniger als Teil der Umsetzungskompetenz sind.

Zur Person:

Nika Mizerski absolvierte ein Doppelstudium der Internationalen Betriebswirtschaft und Slawistik in Österreich, Polen und den USA. Einschlägige Berufserfahrung sammelte sie bei der Unternehmensberatung Deloitte. Seit 2012 setzt sie als Stipendiatin der WU Executive Academy ihre Ausbildung zur akademischen Marketing- und Salesmanagerin fort. Nika bloggt unter marketingpotentials.com.

Bildnachweis: LOFTFLOW / Shutterstock, privat

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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