Pensionsschock – von wegen! 60 Prozent wollen früher in die Rente

von in Arbeitsleben, Arbeitsmarkt am Montag, 17. Juni 2013 um 10:36

Viele kennen sie, die berühmte Angst vor der Pension. Gerade Menschen in höheren Positionen dichtet man sie gerne an. Der Manager etwa, dem zu Hause sicher die Decke auf den Kopf fallen wird. Angesichts dieser doch sehr gängigen Annahme überraschen die Ergebnisse einer aktuellen Studie. Demnach zweifeln viele höher Qualifizierte, ob sie ihrer Arbeit überhaupt bis zur Pensionierung gewachsen sind.

Der Zweifel ob man durchhalten kann

Das steigende Pensionsalter ist nicht nur für Menschen mit körperlich anstrengenden Berufen ein Problem. Vielleicht haben es „Schreibtischtäter“ sogar noch schwerer, da ein körperlicher Abbau logischer erscheint und viele Unternehmen bereits darauf reagieren.  Wie eine deutsche Pilotstudie nun zeigt, zweifeln auch höher qualifizierte Angestellte, ob sie bis zu ihrer Pensionierung durchhalten können. Durchgeführt wurde die Untersuchung von Michael Behr vom Thüringer Wirtschaftsministerium und Anja Hänel von der Uni Jena. Sie befragten insgesamt 101 qualifizierte oder hoch qualifizierte Arbeitnehmer.

Angst vor dem Ruhestand – nur ein Klischee?

angstDie Befragung bestätigt zum einen jene Annahme, dass sich diese Gruppe besonders mit dem Beruf identifiziert. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass für drei Viertel die Arbeit einen großen Teil zum Lebensglück beiträgt. Freilich, dies nährt das alte Klischee von der Angst vor dem Ruhestand. Jedoch wird die Arbeit auch von dieser Gruppe als Belastung empfunden. „Trotz positivem Leistungsbegriff und hoher Arbeitszufriedenheit empfinden die Angestellten bereits in den 50ern, dass ihnen die Arbeit nicht mehr so leicht von der Hand geht“, so die Forscher.

Frauen zweifeln früher

zweifelDer Grund liegt darin, dass die Leistungsanforderungen in der Regel gleich bleiben und gerade die hoch qualifizierten Arbeitnehmer diesen Druck auch spüren. Wie die Befragung weiters zeigt, fühlen sich Frauen früher als Männer nicht mehr in der Lage, den Anforderungen entsprechend gerecht zu werden. Die Forscher führen dies auf die Mehrfachbelastungen durch berufliche und familiäre Arbeit zurück. Hierbei dürften wohl auch Betreuungspflichten für ältere Angehörige eine Rolle spielen. Ein Drittel der Frauen kann sich nicht vorstellen, den Job bis zur Pensionierung zu machen – bei den Männern ist es ein Fünftel.

60 Prozent wollen frühzeitig aussteigen

pension_geniessenBis zum gesetzlichen Pensionsalter durchzuhalten können sich 60 Prozent der Befragten nicht vorstellen. Sie freuen sich darauf, Dinge nachholen zu können, für die keine Zeit war. Angst vor dem Pensionsschock? Fehlanzeige. Drei Viertel der befragten 60-Jährigen glauben, dass es ihnen nach dem Austritt aus dem Berufsleben besser gehen wird.

Zu wenig Rücksicht auf Ältere

Der Grund hierfür könnte in zu wenig Rücksicht auf Ältere seitens der Arbeitgeber liegen. Nur 16 Prozent aller Befragten erleben Rücksichtnahme im Unternehmen. Wer es sich also leisten kann, wartet nicht bis zur Pensionierung. Jedoch: Durch das frühe Ausscheiden der hoch qualifizierten Mitarbeiter gehen den Unternehmen wertvolle Fachkräfte verloren. Die Hausaufgabe für die Wirtschaft wird es sein, rasch auf diese Entwicklung zu reagieren. Denn die Zeit steht nicht still und das Minus an immer weniger hoch qualifizierten Älteren und wenig Jungen, die nachkommen, könnte sonst ein sehr unangenehmes Ausmaß annehmen.

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Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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