Pause machen – aber richtig! Anleitung zur perfekten Entspannung

von in Arbeitsleben am Dienstag, 16. Oktober 2012 um 07:24

„Jetzt machen wir erst einmal Pause.“ Ein Satz, den es nicht in jedem heimischen Büro zu hören gibt. Denn wie eine aktuelle karriere.at Online-Befragung zeigt, machen vier von zehn Arbeitnehmern höchstens einmal pro Tag Pause. Zehn Prozent der Österreicher arbeiten sogar durch. Weniger als die Hälfte der Befragten (47 Prozent) gab an, mehrmals täglich die Tätigkeit zu unterbrechen. Dass Pausen jedoch die Leistungsfähigkeit steigern, da sind sich Experten einig.

Je freier desto mehr Pausen

699 Arbeitnehmer nahmen an der Umfrage teil. Auf die Frage „Wie oft machen Sie pro Tag Pause“ sagten zehn Prozent: „Nie, ich arbeite immer durch“. 34 Prozent gaben an, nur mittags die Arbeit einmal ruhen zu lassen. Fixe Pausenzeiten gibt es für neun Prozent der Befragten, 47 Prozent sagten aus, sich ihre Zeit selbst einteilen zu können. Diese Gruppe ist es auch, die mehrmals täglich pausiert. Doch wie stehen Österreichs Arbeitgeber zu dem Thema? Anscheinend, so das Ergebnis einer Umfrage unter 265 Unternehmensvertretern, relativ entspannt. Auf die Frage „Wie regelt Ihr Unternehmen Pausen?“ sagten 55 Prozent, „Pause macht, wer eine Pause braucht.“ Bei 32 Prozent gibt es fixe Pausenzeiten, in acht Prozent der Unternehmen teilen die Teamleiter die Pausen ein. Fünf Prozent der Unternehmensvertreter gaben an, dass in ihrer Firma durchgearbeitet werde.

Aber die Raucher machen doch auch …

Wer warum und wie oft Pause macht, bleibt in vielen Büros nicht unkommentiert. Da heißt es schnell: „Die Raucher machen ständig Pause“ oder „Wieso sitzt er überhaupt nie am Platz?“ Und „Sie telefoniert ständig privat“. Doch nicht nur unter der Kollegenschaft kann das Pausenverhalten zu Spannungen führen. Auch seitens der Unternehmensführung gibt es manchmal Unverständnis für häufige Pausen. Dabei sind diese, richtig gemacht, sogar ein Garant für mehr Leistung und Konzentration. Eine Studie der University of Edinburgh etwa zeigte, dass Pausen den Menschen dabei helfen, sich Dinge besser zu merken. Eine jüngere Studie der Universität Zürich bricht ausgerechnet eine Lanze für Raucher – diese seien nämlich produktiver. Der Grund hierfür ist freilich nicht das Nikotin, sondern die Pausen.

Judith Proksch-Gabriel, AMD

Alle 90 Minuten 5 Minuten Pause

„Der Großteil der Arbeitnehmer ist verleitet durchzuarbeiten“, kommentiert Judith Proksch-Gabriel vom Arbeitsmedizinischen Dienst (AMD) die Online-Umfrage. Und dadurch gehe viel an Leistungsfähigkeit, Konzentration und Produktivität verloren. „Ideal wäre spätestens alle 90 Minuten eine kurze Pause von fünf bis sieben Minuten“, rät die Expertin. Was in der Pause die beste Entspannung bringt, hängt freilich von Tätigkeit und Person ab. „Wer viel sitzt, sollte unbedingt aufstehen, sich bewegen, die Augen entlasten und unbedingt den Arbeitsplatz kurz verlassen“, erklärt Proksch-Gabriel.

„Rauchpause für alle“

„Ich fordere gerne, auch wenn das zuerst erschreckt, die „Rauchpause“ für alle. Denn Raucher machen mit ihren Pausen – bis auf die Zigaretten – vieles richtig. Ihre Pausen sind regelmäßig, haben die richtige Länge, beinhalten meist Bewegung sowie sozialen Austausch und eine entspanntere Atmung“, erklärt die Arbeitspsychologin. Abgesehen von den Zigaretten also die ideale Pause. „Was ich leider auch immer wieder höre, ist das Problem, dass die Leute ihre Pausen rechtfertigen müssen. Ein Raucher braucht keinen Grund zu suchen, weshalb er fünf Minuten aus dem Büro geht. Leider ist das Thema der präventiven Pause noch nicht in den Köpfen der Menschen verankert, auch die Arbeitgeber haben hier Nachholbedarf.“ Und vorbeugende Pausen, so Proksch-Gabriel, wären oft hilfreich. Denn viele Menschen merken nicht gleich, dass sie eine Pause brauchen, sondern erst dann, wenn sie richtig erschöpft sind.

Entspannungsübungen für die kurze Pause

Den Arbeitsplatz zu verlassen ist sich zu bewegen, ist schon eine gute Pausengestaltung. Mit kleinen Entspannungsübungen kann man die Pause für Körper und Geist noch idealer gestalten. „Eine Übung sieht etwa so aus, dass man kurz den ganzen Körper anspannt und beim Ausatmen wieder loslässt. Der Kürzeste und effektivste Weg der Entspannung ist allerdings die Atmung. Denn bei Stress wird diese automatisch flacher.“

Schnelle Übung für die Bauchatmung

Ganz entspannt hinsetzen und die Hände auf den Bauch legen. Langsam durch die Nase einatmen und dabei spüren, wie sich die Bauchdecke hebt. Dann langsam durch den Mund wieder ausatmen und bewusst spüren, wie sich die Bauchdecke wieder senkt. Nach einigen Minuten dieser Atmung sollte man sich ruhig und entspannt fühlen.

Pausen kann man nicht „aufsparen“

Die ideale Zeit für eine Pause, so Proksch-Gabriel, gibt es nicht. „Wir Menschen haben einen individuellen Rhythmus. Man kann jedoch sagen, dass die Leistungsfähigkeit um die Mittagszeit abnimmt. Deshalb sollte man auch eine längere Mittagspause einlegen.“ Sich die Erholung aufsparen kann man hingegen nicht, erklärt die Expertin. Dies hat, ebenso wie längere Pausen zwischendurch, keinen positiven Effekt auf die Leistungsfähigkeit. „Der Erholungseffekt ist am Anfang der Pause am größten“, betont Proksch-Gabriel erneut, dass die ideale Pausenzeit fünf bis sieben Minuten beträgt. „Wichtig ist, dass diese Pausen vom Arbeitgeber respektiert und vom Arbeitnehmer eingefordert werden.“

Wie viel Pause steht einem zu?

Arbeitet man mehr als sechs Stunden pro Tag, steht einem laut Arbeiterkammer eine halbstündige Pause zu. Ist es gewünscht oder nötig, kann diese auch in zwei Einheiten zu je 15 oder drei Einheiten zu je zehn Minuten abgehalten werden. Pausen sind übrigens keine Arbeitszeit und werden daher nicht bezahlt.

Bildnachweis: suze / Quelle Photocase, Hvid / Quelle Photocase, AMD

 

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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