Keine Pause im Büro: Jeder Vierte arbeitet fast immer durch

von in Arbeitsleben am Dienstag, 5. April 2011 um 12:02

Heute schon Pause gemacht? Sollten Sie diese Frage mit „Nein“ beantworten, sind Sie in relativ großer Gesellschaft. Denn wie nun eine repräsentative Untersuchung aufzeigt, sind die österreichischen Arbeitnehmer wohl die geborenen Arbeitstiere: Jeder Vierte nimmt seine Pause bestenfalls gelegentlich wahr. Und 15 Prozent arbeiten gleich den ganzen Tag über durch, haben also gleich gar keine Arbeitsunterbrechung. Arbeitnehmer schaden mit dieser Keine-Pausen-Politik aber nicht nur ihrer eigenen Gesundheit. Sie vermindern auch ihre Produktivität, womit Sie auch ihrem Dienstgeber keinen Gefallen tun.

Mittagspause! Nicht nur wenn der Magen knurrt, ist sie für viele der Höhepunkt des Arbeitstages. Zeit, um sich dem gepflegten Kollegen-Smalltalk zu widmen, eine Zigarette zu rauchen und zwischendurch einige Minuten „Freiheit“ zu erleben.
Wie eine Studie des Institutes IFES im Auftrag der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) nun aufzeigt, sind es aber erschreckend viele Österreicher, die ihre Arbeitsplätze nie für Pausen verlassen! So sei laut der Studie im Schnitt für 15 Prozent gleich gar keine Mittagspause vorgesehen. Erschreckend: Besonders stark betroffen von der Pausen-Unkultur: Angestellte im Bereich „Gesundheit und Soziales“ mit 27 Prozent!

Führungskräfte machen am seltensten Pause

Von jenen, die eine Pause machen dürften, würde rund ein Viertel (23 Prozent) höchstens „gelegentlich“ die ihnen zustehenden Pausen konsumieren. Und hier tritt das zutage, was die Pausenkultur in heimischen Betrieben kennzeichnet: Je stärker dem Einzelnen die Möglichkeit gegeben ist, sich seine Arbeitszeit selbst einzuteilen, umso seltener wird diese Pausenchance auch genutzt. So stünden zwar 62 Prozent der „einfachen Angstellten“ regelmäßig vom Schreibtsich auf, jedoch nur jeder zweite „qualifizierte“ und lediglich 47 Prozent der leitenden Angestellten.
Der Grund dafür, dass sich so viele keine Pause gönnen, liegt jedenfalls in den wenigsten Fällen (13 Prozent) darin, dass Vorgesetzte das Recht auf Unterbrechungen nicht tolerieren würden. Vielmehr zeigen Österreichs Arbeitnehmer extrem hohes Verantwortungsgefühl: Mehr als die Hälfte (55 Prozent) sagen nämlich, dass sie so viel abzuarbeiten hätten, dass sie gar nicht zum Pause-Machen kämen.

Pausen erhöhen Produktivität

Dass gerade letztere Annahme der Angestellten nicht zutifft, widerlegt eine Studie, die im karriere.blog vor wenigen Wochen vorgestellt wurde: Ablenkung hilft uns nämlich, im Job besser zu werden. So würden kurze, gezielte Ablenkungen sogar helfen, die Konzentrationsphasen zu verlängern – vorausgesetzt, die Pausen fallen nicht allzu lange aus.
Gerade langwierige, schwierige Projekte erfordern auch ein fixes Pausenschema. Ein solches erhöht nämlich mittelfristig nicht nur den Output, sondern hilft auch dabei, länger die Lust an einem Projekt zu behalten.

Pausen-Unkultur: Der erste Schritt ins Burnout

Wer auf hohem Stresslevel arbeitet – und das tun die meisten Arbeitnehmer mittlerweile – sollte sich Pausen auf alle Fälle gönnen, allein schon, um persönliche Bedürfnisse wie Hunger, Durst oder den Gang zur Toilette zu befriedigen. Dass viele Arbeitnehmer diese „Selbstverständlichkeiten“ auch nahezu selbstverständlich hinten anstellen, belegt eine steigende Anzahl an Burnout-Patienten. Und dass das Nicht-Pause-Machen bzw. Sich-Selbst-Ignorieren in vielen Fällen am Beginn der Burnout-Spirale steht, wird darin ebenfalls beschrieben.

Fazit: Die kurze Entspannung während der Arbeitszeit sollte keinesfalls als „Arbeitszeit-Fresser“ gesehen werden, sondern viel mehr als Investition in die eigene Gesundheit. Gerade in High-Pressure-Berufen. Denn verglichen mit oftmals mehrmonatigen Burnout-Krankenständen sind einige wenige und noch dazu über den Tag verteile Auszeit-Minuten eine relativ geringe Investition. Aber eine durchaus wirksame.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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