Der Feind lauert hinter jeder Ecke: Paranoide machen schneller Karriere

von in Arbeitsleben am Dienstag, 24. Januar 2017 um 11:25

Er hat Angst vor Lästereien, Absprachen hinter seinem Rücken und Kollegen, die in seinen Dateien schnüffeln: der paranoide Kollege. Kann so jemand Karriere machen? Er kann, sagt ein Psychologe. Paranoia im Job zu haben, das helfe sogar beim Aufstieg auf der Karriereleiter.

Paranoide Gedanken als Karriereturbo?

Der Psychologe Niels van Quaquebecke hat im Rahmen einer sechsmonatigen Studie mehr als 400 Arbeitnehmer in Deutschland zum Thema befragt. Für die Untersuchung beantworteten die Studienteilnehmer verschiedene Fragen zu paranoiden Gedankengängen und ihrer Situation im Job. Das Ergebnis: Wer über paranoide Wesenzüge verfügt, steigt in der Organisation auch eher auf. Das gesamte Paper wurde an dieser Stelle veröffentlicht.

Mit der Studie widmet sich der Psychologe der Paranoia als Wesenszug, der in Zusammenhang mit Leadership noch nicht ausführlich erforscht wurde. Gut untersucht ist in der Organisationspsychologie hingegen die Selbstkontrolle. Laut van Quaquebecke haben beide Charakterzüge – die Paranoia und die Eigenkontrolle – Gemeinsamkeiten: Wer sich selbst gut unter Kontrolle hat, kann sein Verhalten rasch auf sein Umfeld einstellen. Ein Wesenszug, der in der Arbeitswelt und in Unternehmen ausschlaggebend ist, um voranzukommen. Personen, die über ein hohes Maß an Selbstkontrolle verfügen, observieren ihr Umfeld genau und passen ihr Verhalten laufend an.

Krisen und Gefahren immer auf dem Radar

Ihre Umwelt immer im Blick haben auch paranoide Personen. Um festzustellen, ob ihnen jemand etwas Böses will, halten sie die Augen immer offen und passen sich veränderten Bedingungen schnell an. Paranoiker sind außerdem immer auf das Schlimmste gefasst, negative Situationen haben sie oft gedanklich bereits durchgespielt. Im Fall einer Krise sind sie meist besser vorbereitet, als ihre Mitmenschen. Ein Umstand, der ihnen in unruhigen Zeiten bei der Führung eines Teams oder eines Unternehmens zugute kommen kann.

Interessant im Zusammenhang mit der Karriereleiter: Werden Personen mit paranoiden Wesenzügen befördert, sehen sie das als ihren eigenen Verdienst an. Anders jedoch, wenn ihnen Verantwortung oder Aufgaben entzogen werden: Die Ursache dafür orten sie bei anderen Personen in ihrem Umfeld.

Ein gewisses Maß an Paranoia kann der eigenen Karriere und dem Unternehmenserfolg also durchaus zuträglich sein. Das funktioniert laut Quaquebecke natürlich nur, solange keine schwere Form der Paranoia vorliegt.

Bildnachweis: Pathdoc/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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