Organisation: Auf der Suche nach der verborgenen Struktur

von in HR am Mittwoch, 17. Juni 2015 um 10:29

Morgens 9 Uhr, Ankunft im Büro: Vom Parkplatz ins Gebäude, vorbei am Empfang und der Teeküche zum Schreibtisch im Großraumbüro. Hallo Kollegen! Auf diesem Weg streift man schon vieles von dem, was ein Unternehmen als Organisation ausmacht: Infrastruktur, Technik, Menschen. Abseits davon gibt es aber noch mehr – und vieles erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Organisationsexpertin Carola Kaltenbach über den Einfluss komplexer Gebilde, Strukturen und warum der Grund für Konflikte nicht immer beim Menschen liegt.

Carola Kaltenbach

Carola Kaltenbach

„Organisationen sind komplexe Gebilde, die auf den ersten Blick nicht so einfach zu durchschauen sind“, erklärt Carola Kaltenbach. Wer als Supervisor oder HR-Verantwortlicher in einem Unternehmen tätig ist weiß, dass es schwierig ist zu beschreiben, was abseits von Hierarchien und Personen im Hintergrund noch geschieht. Verschiedene Modelle können beim Verstehen und der Gestaltung von Dynamiken, Wirkkräften und Entwicklungen helfen. „Führungskräfte oder HR-Verantwortliche benötigen Modelle wie die geistige Landkarte, um die eigene Organisation einerseits gut zu verstehen, andererseits um sie auch sinnvoll verändern zu können“, so Kaltenbach.

  • Strukturen sind die vorgegebenen, vereinbarten, von der Unternehmensführung entschiedenen Hierarchien, Entscheidungswege, definierte Abläufe, Prozesse, Rahmenbedingungen und Ziele.
  • Dynamiken sind die lebendigen Prozesse, die innerhalb dieses Rahmens geschehen: Kommunikation im Team, Konflikte, Unausgesprochenes, Werte, Rollen, Erwartungen, Wünsche der Beteiligten – kurz, das Zusammenwirken der Menschen innerhalb dieser Organisation.

Wie sich Personen innerhalb einer Organisation verhalten, hat nicht nur mit ihren Persönlichkeiten zu tun. „Auch die Organisation und wie sie gestaltet ist, beeinflusst mich als Person“, erklärt Kaltenbach. Strukturen beeinflussen, wie im Unternehmen gearbeitet wird: Von der technischen Ausstattung bis zu den eigenen Werten und der Unternehmenskultur.

Konflikte: Woran liegt’s?

Spätestens wenn es zwischen Teams oder Abteilungen nicht mehr glatt läuft, lohnt sich ein Blick auf die eigene Organisation und ihre Strukturen und Dynamiken. „Konflikte können natürlich an Personen liegen, man muss sich aber auch ansehen, in welcher Umgebung gearbeitet wird. Wie ist die Struktur beschaffen, so dass der Konflikt noch unterstützt wird?“, sagt die Organisationsexpertin und nennt ein Beispiel: „Wenn zwei Teams zusammenarbeiten müssen und eines sitzt im 3. Stock während das andere im Erdgeschoss arbeitet – alleine dadurch wird Kommunikation schwierig. Die einen warten auf die anderen und jeder denkt, dass es das andere Team wohl nicht der Mühe wert findet, mal vorbeizuschauen. Da entstehen alleine durch die Struktur Konflikte, beteiligte Personen müssen dann noch gar nicht kompliziert sein.“

Kommunikation

Konflikte entwickeln sich immer dann, wenn es unterschiedliche Interessen, Ziele oder Bedürfnissen gibt. Sie entstehen laut Kaltenbach bei hohem Arbeitstempo eher, weil keine Zeit für die Kommunikation bleibt. Auch ein hoher Innovationsgrad, Veränderungen und hoher Leistungsdruck kann Konflikte fördern. Unterschieden wird zwischen gewollten und ungewollten Reibereien: „Es gibt Konflikte, die notwendig sind, damit ein sinnvolles Produkt entstehen kann. Dass dann die Entwicklungsabteilung mit der Produktion streitet ist insofern sinnvoll, weil die Entwickler sonst Dinge ausarbeiten würden, die in der Produktion aber nicht leist- oder machbar wären“, erklärt Kaltenbach und erzählt, welche Dynamiken in der Praxis außerdem besonders oft auftreten: „Was in der täglichen Arbeit immer wieder auftaucht sind Schwierigkeiten in der Kommunikation, verschleppte Konflikte, schlecht abgestimmte Veränderungsprozesse, fehlende Pausenkultur und mangelnde Wertschätzung und Anerkennung. Oft fehlt auch Raum für informelles Zusammensein oder es wird übersehen, dass Kommunikation der ’soziale Schmierstoff‘ ist.

Zur Person

Carola Kaltenbach ist Psychotherapeutin, Klinische Psychologin, Gesundheits- und Wirtschaftspsychologin. Sie begleitet mit TAO Veränderungs- u. Entwicklungsprozesse von Personen, Teams und Organisationen, Konfliktbewältigung und Gesundheitscoaching sowie Supervision spezialisiert und hält Workshops und Seminare zum Thema Organisationstheorien.

Bildnachweis: alphaspirit / Shutterstock; eelnosiva / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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