Verhilft Optimismus wirklich zu besserer Leistung?

von in Arbeitsleben am Freitag, 4. Dezember 2015 um 11:37

Jetzt seid doch mal ein bisschen optimistischer. Dann geht alles viel einfacher! Realität oder bloß Einbildung? Ob positives Denken einen Einfluss auf die eigene Leistung hat, haben Forschungen untersucht – und das Ergebnis dürfte Pessimisten doch ein klein wenig freuen.

Ach, das wird schon. Optimisten sehen auch in düsteren Zeiten die positiven Seiten des Lebens und pushen sich vor schwierigen Aufgaben mit positiven Gedanken. Optimismus soll Zuversicht schaffen und so zu guter Leistung anspornen. Forschungen zufolge ist eine positive Einstellung außerdem förderlich für die eigene Gesundheit und die Lebensfreude. Aber steigen Pessimisten dabei wirklich schlechter aus und bringen weniger Leistung? Die Plattform Forschung erleben hat eine Studie zu diesem Thema ausgegraben.

Ob sich Optimismus günstig auf geistige Leistung auswirkt, hat ein US-Forschungsteam um Elizabeth Tenney untersucht. Sie vermuteten, dass der tatsächliche Effekt von Zuversicht auf die geistige Leistung überschätzt wird. Gute Performance habe demnach wenig mit positivem Denken sondern mit tatsächlichen Fähigkeiten zu tun.

Die Zuversicht auf dem Prüfstand

Überprüft wurde diese Annahme in einer Reihe von Studien. Teilnehmer wurden dabei per Zufallsprinzip zwei Gruppen zugeteilt: Die Getesteten und die Beobachter. Erstere mussten zunächst einen Vortest mit mathematischen Aufgaben bewältigen. Danach wurden sie in zwei Gruppen unterteilt. Gruppe A wurde gesagt, dass sie im Vortest besonders gut abschnitten und demnach 70 Prozent der Aufgaben im nächsten Test schaffen würden. Diese Aussage sollte für besonderen Optimismus unter Gruppe A sorgen. Die Teilnehmer der Gruppe B erhielten die Info, dass sie aufgrund ihres Ergebnisses im Vortest nur 30 Prozent der gestellten Aufgaben lösen würden. Kein fruchtbarer Boden für sehr viel Optimismus. Danach sollten die Getesteten den Grad ihrer Zuversicht einschätzen und schätzen, welches Maß an Aufgaben sie im Haupttest korrekt lösen würden. Letztlich bearbeiteten beide Gruppen den Test. Die Gruppe der Beobachter wurde über den Aufbau der Studie aufgeklärt und erfuhr, dass die Getesteten eine manipulierte Rückmeldung erhalten würden. Die Leistung und den Optimismus der Gruppen A und B sollten sie danach einschätzen.

Gute Nachrichten für Pessimisten

Wenig verwunderlich: Die Teilnehmer der Gruppe A waren optimistischer gestimmt als die Getesteten der Gruppe B. Gruppe A ging davon aus, im Test bessere Leistungen zu erbringen. Von diesem Umstand gingen auch die Beobachter aus. Beim Auswerten der Testergebnisse zeigte sich allerdings kein Unterschied zwischen den Gruppen. Die Optimisten schnitten nicht besser ab als jene Gruppe, die mit Versagen zu rechnen hatte.

Optimismus wirkt sich auf die geistige Leistung demnach kaum aus – ein Freibrief für negative Gedanken und ungebrochenen Pessimismus? Zuversicht scheint auf Stärke keinen Einfluss zu haben, auf Faktoren wie Gesundheit und Ausdauer jedoch sehr wohl. In vielen Situationen schadet es daher keinesfalls, mit einer großen Portion Optimismus ans Werk zu gehen.

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Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.