Online-Portfolio wanted – Wie präsentiere ich mich gekonnt im Web?

von in Bewerbung, Jobsuche, Social am Donnerstag, 14. Juli 2011 um 13:02

Verschicken Sie Ihre Bewerbungen noch in Briefform? Erfahrene Job-Suchende wissen: Immer mehr Unternehmen erwarten sich die Daten ihrer Kandidaten via Online-Bewerbungsformular, was das klassische Word-Dokument in Tabellenform mehr und mehr obsolet werden lässt. Alles hat allerdings Vor- und Nachteile: Online-Formulare beschleunigen zwar den Bewerbungsvorgang, den Betroffenen wird allerdings jede Möglichkeit genommen, den eigenen Stil miteinfließen zu lassen. Ein eleganter Work-Around um dieses Problem stellt der Trend zu Online-Portfolios dar, die sich in einen Link verpackt überall hinzufügen lassen. Wir zeigen, wie man ein solches erstellt.

Albert Ortig, Eigentümer des Unternehmens Netural Communications GmbH, sieht großes Potenzial in solchen digitalen Lebensläufen: „Online-Portfolios sind zweifelsohne hilfreich, insbesondere weil das gesamte Bewerbungsmanagement zunehmend digital abgewickelt wird.“

Portfolios für Dummies?

Das Erstellen eines Online-Portfolios bedarf keiner großen Web- oder Programmierkünste. Mittlerweile werden diese als Fast-Fertig-Produkte angeboten, denen nur noch die persönliche Note des Eigentümers hinzugefügt werden muss. Dabei handelt es sich um Farben, Bilder oder Schriften, die leicht geändert beziehungsweise schnell hochgeladen werden können. Welche Art des Online-Portfolios der Nutzer wählt, ist dabei Geschmackssache. Im Wesentlichen unterscheidet man zwischen Websites und Blogs. Je nach Aufwand und Kenntnissen in dem Bereich hat der Nutzer zwischen den Tools die Qual der Wahl.

„Ein gut gemachtes Online-Portfolio ist für bestimmte Positionen sinnvoll und auch hilfreich“, weiß Ortig: „Bewirbt sich jemand als Interface-Designer, dann ist es sicherlich von Vorteil, Referenzen auf diese Weise zu präsentieren.” Andere Berufsgruppen wie Software-Entwickler müssen hingegen nicht unbedingt mit Online-Kunstwerken auftrumpfen.

Etablierte Anbieter in diesem Bereich findet man aktuell eher im englischsprachigen Raum:

Coroflot
Bei Coroflot handelt es sich um eine Plattform, die es jungen Kreativen erlaubt, sich im Internet mit ihren Arbeiten vorzustellen. Coroflot-Nutzer kommen meist aus der Design-Branche und sind weltweit verstreut. Von Vorteil ist das integrierte Jobboard, wo Projekte und Aufträge, sowie auch Anstellungen schnell vermittelt werden können.

Behance
Behance ist wiederum eine englische Plattform, die sich auf die Karriere ihrer Nutzer spezialisiert hat. Mit einem Portfolio auf dieser Plattform erreichen Kreative die große Masse.

Carbonmade
Diese Website ermöglicht das einfache und schnelle Erstellen sowie Verwalten eines Online-Portfolios. Auch diese Plattform wird größtenteils von Designern, Grafikern und Illustratoren genutzt.
Im deutschsprachigen Raum ist diese Art des Online-Portfolios eher selten, obwohl die Vorteile klar ersichtlich sind:

– keine Domain erforderlich
– Betreuung durch die Plattform
– meist mehrere vorgefertigte Designs zur Auswahl
– viele Funktionalitäten wie beispielsweise das Teilen der Seite auf Social Media Plattformen

Für Fotografen und Künstler eignet sich natürlich auch die Plattform Flickr. Sie bietet Künstlern und Freischaffenden die Möglichkeit, ihre Bilder und Fotos frei zugänglich zu machen und sich so mit der Auswahl ihrer besten Arbeiten zu präsentieren.

Wem das noch zu unpersönlich ist, der sollte die Möglichkeit in Erwägung ziehen, ein eigenes Blog zu führen – die Gelegenheit, sich in seinem Fachbereich als Experte zu positionieren.

Bekannte Anbieter hierfür sind:
WordPress
Die bekannte und beliebte Software wird von vielen Nutzern zur Erstellung und Verwaltung ihrer Präsenz im Internet genutzt. Die Möglichkeit, ein Blog zu betreiben und somit die Besucher der Seite auf dem Laufenden zu halten. Kommentar- und Sharing-Funktionen zeichnen den Platzhirsch in der Blogger-Szene aus.

Blogger
Blogger ist eine Blogsoftware aus dem Hause Google. Es bietet wie viele andere Bloggingsysteme dem Nutzer die Möglichkeit, Fotos, Informationen und Projekte zu teilen und zu veröffentlichen.

Tumblr
Tumblr versucht, neben seinen Konkurenten durch seine flexible Datenstruktur zu brillieren. Templates können vom Nutzer sowohl angepasst als auch editiert werden.

Für diese Art der Portfolioerstellung bedarf es einer eigenen Domain und einem meist kostenpflichtigen Webhosting Paket, jedoch lohnt sich der Aufwand durch die Extra-Vorteile gegenüber Hosted Websites:

  • Einfache Installation
  • Großer Pool an Themes, die durch Basis CSS Kenntnisse weiter verändert werden können
  • Viele Plugins und somit vermehrte Funktionalität auf die Bedürfnisse des Nutzers angepasst

Das ist Ihnen noch immer nicht genug? Sie wollen auch Ihr soziales Netzwerk an Ihrem Portfolio teilhaben lassen? Dann melden Sie sich doch bei spezifischen Social Networking Plattformen an und vernetzen Sie sich mit anderen.

Bekannte Plattformen sind unter anderem:

XING
Bei XING handelt es sich um eine soziale Plattform, die es dem Nutzer ermöglicht, sowohl berufliche als auch private Kontakte zu verwalten. Sie ist nach wie vor das etablierteste Network für Business-Kontakte und bietet den Nutzern mitunter auch die Möglichkeit, sich passende Jobs vorschlagen zu lassen und sich in Interessens-Gruppen zu engagieren. Mit 10,8 Millionen Mitgliedern (Stand Juli 2011) in Deutschland, Österreich und der Schweiz zählt XING zu den einflussreichsten B2B-Netzwerken.

LinkedIn
LinkedIn ist im Vergleich zu XING internationaler aufgestellt. Mit 34 Millionen Nutzern übersteigt es die Userzahlen von XING bei weitem. Wenn man sich jedoch die Zahlen für den deutschsprachigen Raum ansieht, kommt LinkedIn auf gerade einmal 76.000 Nutzer.

Jobbörsen
Doch auch andere Networks bieten gute Chancen, sich mit seinem Portfolio einer interessierten Zielgruppe zu präsentieren – beispielsweise in der Bewerberdatenbank von karriere.at. Wer hier sein Karriereprofil erstellt, bewegt sich dort, wo sich auch viele Unternehmen tummeln.

Mit ein wenig Kreativität und Geduld können Portfolios entstehen die dann so aussehen:

Jared

Guðmundur

Desandro
Travis

Paiko

Sarah

Red Root

Nick

In Österreich haben sich Online-Portfolios noch nicht wirklich etabliert. Ortig bestätigt: “Selbst bei uns kommen die Bewerbungen in vorsortierter und ausgedruckter Form zu den Entscheidungspersonen. Sofern ein Onlineprofil daranhängt, wird das bei Unklarheiten sicherlich zugezogen.”

Altbewährtes hält am längsten.

Die ideale Bewerbung für Ortig sollte ein gutes Foto (nicht die Schönheit der Person, sondern die Qualität des Bildes ist ausschlaggebend) beinhalten und eine fehlerfreie und informative Aussage haben. „Worauf wir auch Wert legen, ist die Information, warum gerade bei uns das Bedürfnis nach Mitarbeit gegeben ist“, erläutert er. „Hier erwarten wir schlüssige und passionierte Aussagen. Wenn jemand bei uns beginnen möchte und dafür brennt, dann ist das ein sehr großer Pluspunkt sofern die Qualifikation und Persönlichkeit passt. Wenn es hier keine ernsthaften Absichten gibt und der Arbeitgeber in den Unterlagen austauschbar erscheint, dann ist dies meist auch ein Grund für eine Absage.”

Wo geht die Reise hin?

Es ist noch ein langer Weg bis sich Online-Portfolios auch in Österreich etablieren werden, jedoch ist eine Tendenz dafür definitiv ablesbar: Für Bewerber, die aus der Masse hervorstehen wollen und eventuell auch Arbeitsproben publizieren möchten, wird das Erstellen von Online-Portfolios wohl ein To-Do sein, das schwer umgangen werden kann.

Haben Sie schon ein Online-Portfolio oder überlegen Sie eines zu erstellen? Auf welche Probleme sind Sie schon gestoßen?

Artikelbild: complize / photocase.com

Redaktion

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