Nonverbale Kommunikation – Wie kann sie helfen, Ihre Karriere zu fördern?

von in Bewerbung am Dienstag, 22. November 2011 um 10:05

Auch ohne Sprache teilen wir uns unseren Mitmenschen im Privat- und Berufsleben unentwegt mit – durch Gesten, Mimik, Körperhaltung und Blicke. All diese Signale sind der
nonverbalen Kommunikation zuzuordnen. Wir kommunizieren immer nonverbal, ob wir Signale senden möchten oder nicht. Gastautor Thomas Mücke erklärt, warum die nonverbale Kommunikation nahezu genauso wichtig ist, wie die verbale.

Ein Gastartikel von Thomas Mücke

Die Schwierigkeiten, die sich ergeben können, wenn eine spezifische nonverbale Kommunikationsweise nicht beherrscht oder verstanden wird, werden zum Beispiel bei Personen mit Asperger-Syndrom deutlich. Oft können diese Personen sich zwar verbal gut verständlich machen, sie setzen allerdings selbst kaum Signale der nonverbalen Kommunikation ein und sind häufig nicht in der Lage, Signale anderer Personen zu deuten – eine Situation, in der für beide Seiten Missverständnisse und Kommunikationsprobleme wahrscheinlich sind.

Nicht nur bei privaten Beziehungen spielt die nonverbale Kommunikation eine bedeutende Rolle. Alle Interaktionen, also auch diejenigen im Kontext Beruf und Karriere, sind geprägt von den Signalen, die wir durch unseren Körper unbewusst und intentional senden.

Besondere Ereignisse im Berufsleben, bei denen die Körpersprache eine große Rolle spielt, sind Bewerbungsgespräche, Verhandlungen mit Vorgesetzten und Kundengespräche. In diesen Bereichen können Kenntnisse der nonverbalen Kommunikation auch Ihre Karriere fördern.

Körpersprache bewusst einsetzen – geht das gut?

Am einfachsten ist es sicherlich, die eigene Gestik bewusst einzusetzen, um einen bestimmten Eindruck bei einem Gesprächspartner zu erzeugen. Bei der Mimik ist dies schon schwieriger: Kleinste mimische Ausdrücke, die dem Gegenüber bereits viel verraten können, kann kaum ein Mensch intentional unterdrücken, erzeugen oder steuern. Doch ist es überhaupt sinnvoll, die eigene Körpersprache und somit auch den Eindruck, den das Gegenüber von der eigenen Person gewinnt, zu manipulieren?

Hier muss man unterscheiden zwischen allgemeinen Ausdrücken der Körpersprache, die zum einen etwa Höflichkeit, Aufgeschlossenheit und Respekt signalisieren oder zum anderen Störsignale darstellen, und solchen, die auf tiefer liegende Persönlichkeitsmerkmale referieren und somit ein wichtiger Bestandteil der eigenen Persönlichkeit sind. Persönlichkeit ist gefragt, wenn es um Job und Karriere geht. Nicht gefragt sind hingegen Verhaltensweisen und eine Körpersprache, die das Gegenüber verunsichern, abschrecken oder verhindern, dass auch über die nonverbale Kommunikation eine zwischenmenschliche Beziehung aufgebaut werden kann. Versuchen Sie also, Ihre Körpersprache bis in das kleinste Detail zu steuern, so laufen Sie Gefahr, die nonverbalen Kommunikationsprozesse empfindlich zu stören. Im schlimmsten Fall widersprechen sich Ihre natürlichen Gesten und die intentional angewandten – ein Umstand, der dem Gegenüber schnell den Eindruck vermitteln kann, dass der Gesprächspartner unglaubwürdig ist.

Absolut verstellen sollte sich also niemand. Auch in einem Bewerbungsgespräch oder einer wichtigen Besprechung werden einzelne Gesten von guten Personalern und erfahrenen Verantwortlichen nicht überschätzt. Sie haben allerdings die Möglichkeit, sich die eigene Körpersprache einmal genauer zu vergegenwärtigen und Gesten, die eine stark negative Signalwirkung haben, zu vermeiden, sowie Gesten zu erlernen, welche alleine schon die Höflichkeit gebietet.

Tipps für Vorstellungsgespräche und den Job-Alltag

Stark negative Signale vermeiden: Es gibt Signale, die eine stark negative Ausstrahlung haben. Eindrücke, die sicherlich auch Sie bei einem Bewerbungsgespräch oder im Job-Alltag vermeiden möchten, sind zum Beispiel Verschlossenheit, übermäßige Schüchternheit, Unglaubwürdigkeit, Unaufrichtigkeit, Arroganz und Großspurigkeit. Verschlossenheit signalisieren Sie zum Beispiel, wenn Sie den Blick lange vom Gesprächspartner abwenden, die Arme oder Beine verschränken oder die Lippen stark aufeinander pressen. Zeigen Sie sich hingegen bei wichtigen Gesprächen, die Ihrer Karriere auf die Sprünge helfen können, offen, etwa indem Sie Augenkontakt herstellen, eine entspannte, aber aufrechte Sitzhaltung einnehmen, die Sitzfläche des Stuhls dabei ausnutzen und die Hände ohne Anspannung und gegenseitige Berührung auf den Oberschenkeln ruhen lassen, erhöht dieses die Chancen auf ein erfolgreiches Gespräch.

Verschlossenheit kann ein Ausdruck von Unsicherheit sein. Bei manch einer Person äußert sich Unsicherheit allerdings auch durch andere als die oben genannten nonverbalen Signale. Dazu gehören vor allem rastlose Hände, das unruhige Zappeln auf dem Stuhl, gebeugte Schultern oder das Berühren oder Kratzen des Kopfes mit der Hand. Diese Signale vermeiden Sie, was am besten gelingt, indem Sie sich grundsätzlich Ihre Fähigkeiten vor Augen führen und ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln.

Arroganz, die vor allem bei Bewerbungsgesprächen und bei Gehaltsverhandlungen fehl am Platz ist, äußert sich nicht selten durch ein zu lässiges Sitzen, das Verbergen der Hände in den Taschen sowie durch gehobene Brauen. Einen aufrichtigen Eindruck hingegen hinterlassen Sie, wenn Sie sich Ihrem Gesprächspartner zuwenden, ihn offen und freundlich anblicken und die Handflächen offen präsentieren. Weitere Deutungen von nonverbalen Signalen finden Sie hier.

Schau mir in die Augen: Nicht nur beim Flirten ist Blickkontakt wichtig. Bei Vorstellungsgesprächen, Kundenkontakt und bei der Arbeit im Team signalisiert Blickkontakt Offenheit, Aufrichtigkeit, Interesse, Wertschätzung und Selbstbewusstsein. Übertreiben dürfen Sie es mit dem Blickkontakt allerdings auch nicht: Starren Sie Ihr Gegenüber förmlich an, verursachen Sie schnell Unsicherheiten. Bei Besprechungen im beruflichen Kontext ist oft mehr als ein Gesprächspartner anwesend. In solchen Situationen suchen Sie den Blickkontakt, wenn das Gesagte für alle Anwesenden relevant ist, abwechselnd mit allen Gesprächspartnern. Wichtig ist es dabei, den Blick nicht schnell und hektisch von einer Person zur nächsten zu richten. Der Blick wandert vielmehr ruhig und verweilt bei den einzelnen Gesprächspartnern kurze Zeit.

Gesten der Höflichkeit: Höflichkeit ist in allen zwischenmenschlichen Beziehungen wichtig, gerade aber auch im Beruf. Höflich und offen benehmen Sie sich zum Beispiel, wenn Sie Ihrem Gegenüber mit einem Lächeln begegnen und ein Gespür für die zugewiesenen sozialen Rollen an den Tag legen. Bei Bewerbungsgesprächen etwa sind die Rollen klar verteilt: Der Personaler übernimmt quasi als Gastgeber die leitende Position. Aus diesem Grund warten Sie als Bewerber zum Beispiel, bis der Gesprächspartner seine Hand zu einem Händedruck anbietet und Ihnen einen Sitzplatz präsentiert.

Ein fester Händedruck und eine halbe Armlänge Abstand beim Händeschütteln bringen zudem Selbstsicherheit und zugleich Respekt zum Ausdruck. Vermeiden Sie dennoch Unterwürfigkeit und zu theatralische Respektsbekundungen im verbalen und nonverbalen Kontext: Dies könnte schnell den Eindruck erzeugen, dass Sie zu unsicher oder unaufrichtig sind. Auch nicken Sie aus bloßer Höflichkeit nicht alles ab: Zeigen Sie verbal und nonverbal Ihr Interesse, dies ist eine der höflichsten Gesten.

Beobachtungen und Selbstreflexion: Wir selbst sind mit den nonverbalen Kommunikationskonzepten unserer Gesellschaft aufgewachsen. Gesten, die wir selbst als unangenehm empfinden, werden auch unserem Gesprächspartner auffallen, wenn wir sie verwenden. Um herauszufinden, welche Gesten Störsignale sein können, ist es ratsam, sein Umfeld – zum Beispiel morgens in der S-Bahn oder bei einem Nachmittagsspaziergang – einmal genauer zu beobachten. Natürlich können Sie auch Ihr eigenes Verhalten unter die Lupe nehmen. In speziellen Seminaren erstellen Kursleiter beispielsweise Videoaufnahmen von Gesprächen zwischen den Teilnehmern, die Sie und die Kursleiter danach auch in Hinblick auf die nonverbale Kommunikation beurteilen können.

Muster erkennen und ablegen: Viele Menschen neigen insbesondere in Stresssituationen dazu, unbewusst immer wieder ein und dieselbe Geste zu verwenden. Sie fassen sich zum Beispiel immer wieder ins Haar oder reiben die Finger. Solche Gesten können, je nach Intensität ihrer Ausführung und ihrer Art, in einem Gespräch schnell hinderlich wirken. Sie strahlen Unsicherheit aus und ziehen mitunter die Aufmerksamkeit des Gesprächspartners zu sehr auf sich. Prüfen Sie einmal selbst, ob solche Verhaltensmuster bei Ihnen auftreten, oder fragen Sie Freunde und Verwandte, ob diese solche Gesten bei Ihnen beobachten konnten. Haben Sie die kleinen ritualisierten Gesten erst erkannt, ist es oftmals gar nicht zu schwer, sie abzustellen.

Wechselspiel nonverbale und verbale Kommunikation: Wichtig zu wissen ist, dass nonverbale und verbale Kommunikation immer miteinander in Verbindung stehen. Es nützt wenig, wenn nur eine der Kommunikationskompetenzen solide ausgeprägt ist. Zudem können Gesten, die Mimik, Körperhaltung und Blicke eingesetzt werden, um dem Gesagten mehr Nachdruck zu verleihen. Bei wichtigen Gesprächen im beruflichen Kontext nehmen Sie zwar von theatralisch wirkender Körpersprache in jedem Fall Abstand, gehört mäßiges Gestikulieren allerdings zu Ihrer Persönlichkeit, können Sie hiermit Individualität zum Ausdruck bringen. Insbesondere Hand- und Armbewegungen, die das Gesagte natürlich und mäßig oberhalb der Taille unterstreichen, wirken selbstsicher und sympathisch. Zu ausladende Bewegungen können hingegen einen unangemessenen Dominanzanspruch widerspiegeln.

Interkulturell agieren – Kennen Sie die Körpersprache anderer Kulturen?

Wenn Sie Karriere im internationalen Kontext machen möchten, ist die nonverbale Kommunikation für Sie gleich in mehrfacher Hinsicht ein wichtiges Thema. Lernen Sie nicht nur Mechanismen der Körpersprache kennen, die in Ihrem eigenen Kulturkreis relevant sind, sondern auch solche, die sich in anderen Kulturen verfestigt haben. Wichtig zu wissen ist, dass sich die Körpersprache je nach kultureller Zugehörigkeit von Person zu Person stark unterscheiden kann. Gängige, wenn auch ein wenig stereotype Beispiele sind hier etwa die stets freundliche Mimik vieler Asiaten oder das lebhafte Gestikulieren vieler Südländer.

Genauso wie Sie Fremdsprachenkenntnisse erwerben, um sich gut verständigen zu können, sollten Sie sich mit den kulturellen Konzepten nonverbaler Kommunikation spezifischer Kulturen auseinandersetzen, um auf internationalem Parkett nicht von einem Fettnäpfchen in das nächste zu treten. Unternehmen, die international tätig sind, bieten Ihren Mitarbeitern häufig durch Kurse die Gelegenheit, mehr über die nonverbalen Ausdrucksformen spezifischer Kulturen zu erfahren. Natürlich können Sie solche Seminare aber auch aus eigenem Antrieb besuchen, um Ihre interkulturelle Kompetenz zu stärken und diese später vielleicht auch beim nächsten Karrieresprung als eine Ihrer persönlichen Stärken verkaufen zu können.

Nonverbale Kommunikation verstehen erleichtert den Arbeitsalltag

Es gibt mehrere Gründe, warum es sinnvoll ist, sich mit nonverbaler Kommunikation im Berufsleben auseinanderzusetzen. Bisher ist vor allem der Aspekt zur Geltung gekommen, dass man nonverbale Kommunikation einsetzen kann, um seine beruflichen Ziele – insbesondere bei Bewerbungsgesprächen – leichter zu erreichen. Die Beschäftigung mit den Mechanismen der nonverbalen Kommunikation kann allerdings auch in Hinblick auf Teamarbeit und Mitarbeiterführung relevant sein. Hier werden Sie selbst zum Interpreten und können mit grundlegenden Kenntnissen zum Beispiel einschätzen, ob die Harmonie in Ihrem Team unbeeinträchtigt ist oder Ihre Mitarbeiter hinter den gesetzten Zielen stehen und Sie unterstützen. Wissen Sie die vielen kleinen Signale besser zu deuten, stehen Ihre Chancen gut, den Arbeitsalltag selbstsicherer und harmonischer zu meistern – ein entscheidender Grund, der für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Thematik nonverbale Kommunikation spricht.

Zur Person
Thomas Mücke war bei der Wirtschaftspolizei tätig. Seine Zuständigkeit lag im Bereich großer Ermittlungsverfahren gegen Geschäftsführer von Firmen, Kapitalanlagebetrug, Insolvenzen und Insiderhandel börsennotierter Aktiengesellschaften. 2010 trat er mit seinem Kreditvergleich-Portal den Weg in die Selbstständigkeit an und beschäftigt mittlerweile drei Mitarbeiter.

Nützliche Links:

Bildnachweis: colourbox.com

Redaktion

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren