Niemals aufgeben – 10 Tipps, wie Sie bei Monster-Projekten durchhalten!

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 2. Februar 2011 um 13:15

Was tun, wenn eine Aufgabe unlösbar scheint? Wenn das vom Chef auferlegte Projekt so umfrangreich ist, dass sie eigentlich nur noch entmutigt? Wenn der Lernstoff für eine Prüfung so groß ist, dass die pro Tag zu lernenden Seiten die 100er-Marke überschreiten? Und wenn der (selbst auferlegte) Druck, Leistung zu bringen, jegliche Kreativität und Freude am Arbeiten zu verscheuchen droht? Dann ist guter Rat in der Regel teuer. Wir versuchen, ihn trotzdem zu geben – 10 Tipps zum Durchhalten!

Durchhalten: Die Größe des Problems ist relativ!

Beispiel für eine unlösbar scheinende Aufgabe gefällig? Sollen Sie haben! Der mathematische Beweis der so genannten Andrew-Robbins-Vermutung. Fast drei Jahrzehnte bissen sich Mathematiker rund um den Globus die Zähne an diesem letzten großen Beweis der Rechenkunst (ein so genanntes „Millennium Problem“) die Zähne aus. Nichts.

Bis jetzt: Am Institut für Symbolisches Rechnen der Linzer Johannes Kepler Universität (JKU) tüftelten Dr. Christoph Koutschan und Dr. Manuel Kauers an der Lösung des scheinbar unbeweisbaren Problems. Und fanden wonach sie suchten – mittels Hilfsgleichungen, die ausgedruckt rund eine Million A4-Seiten bedecken würden. „Vermutlich die längste Gleichung, die je in einem mathematischen Beweis verwendet wurde“, heißt es in einer Aussendung der JKU. Die Rechenzeit betrug dann einige Monate, um schließlich das Ergebnis zu erhalten: Eine einzige Zeile. (Mehr dazu hier und hier).

Natürlich, nicht jeder schlägt sich Tag für Tag mit Zahlenreihen herum, die Normalsterblichen nicht einmal mehr den kalten Schauer über den Rücken jagen.
Doch auch die eingangs erwähnten Alltags-Job- und Karriereprobleme reichen durchaus, um für Panikattacken zu sorgen. Was also tun, wenn man sich einfach „durchbeißen“ muss?

Zehn Durchhaltetipps:

1. Selbstanalyse: Sogar jene Menschen, die wissen, dass sie sich im Job von allem und jedem von ihren Projekten abhalten lassen, haben bestimmte Bereiche, in denen sie durch besondere Motivation glänzen. Zum Beispiel im Sport. Oder beim Instrumente-Üben. Oder einfach beim wöchentlichen Wohnungsputz. Analysieren Sie Ihre Motivation: Warum sind Sie gerade bei diesen Tätigkeiten so motiviert? Warum haben Sie kein Problem den Trainingsplan einzuhalten? Warum können Sie stundenlang die Badewanne schrubben? Haben Sie spezielle Motivationstricks, die Sie auch auf den Job übertragen lassen?

2. Visualisieren: Oft hilft es, sich die als Gesamtes unlösbar scheinende Aufgabe in Teilabschnitte aufzugliedern. Ähnlich einer Kapitelliste für Lernstoff kann man sich auch eine Task-Liste für Projekte im Job anlegen. Das führt vor Augen, was ansteht und vor allem: Was schon erledigt wurde. Dies darf dann ruhig mit einem dicken, fetten „Hakerl“ versehen werden. Das ermöglicht auch folgenden Punkt:

3. Belohnungen: Setzen Sie sich die Hürden, an denen Sie sich selbst belohnen nicht zu hoch an! Niemand sagt, dass man erst feiern darf, wenn das gesamte Projekt nach Wochen erledigt ist. Auch Teilerfolge, die das Ganze einen Schritt weiterbringen, dürfen und sollten gefeiert werden.

4. Pausendisziplin: Mit dem vorangegangenen Punkt geht dieser Hand in Hand: Unterbrechen Sie Ihre Arbeit in regelmäßigen Abständen, um geistig und körperlich Luft holen zu können.  Wer sich in Projekte dermaßen verbeißt, dass er sich die notwendigsten Dinge wie Essen, Trinken oder den Gang zur Toilette verweigert, befindet sich auf dem besten Weg ins Burnout.

5. Rahmenbedingungen: Was man selten überdenkt, sind die Rahmenbedingungen, die für die Realisierung eines neuen, großen Projekts nötig sind. Arbeitet man seit Monaten auf einem Absturz-affinen Rechner oder fehlt es schlicht an Platz, um sich mit den nötigen Arbeitsunterlagen in die Sache vertiefen zu können? Ist es zu laut im Büro und der Schreibtisch ist ein einziges Chaos? Probieren Sie, sich eine angenehme, strukturierte Arbeitsumgebung schaffen – mit allem was dazugehört. Dieser zeitliche „Mehraufwand“ am Beginn rechnet sich hinterher garantiert.

6. Ziel: Behalten Sie das „Große Ganze“ im Visier. Ermitteln Sie ganz genau, warum das von Ihnen betreute Projekt für den Firmenerfolg essentiell ist oder wie es sie selbst in fachlicher und persönlicher Hinsicht weiterbringt. Das kann über Durststrecken hinweghelfen, weil es unangenehmen Wegstrecken den abstrakten Charakter nimmt.

7. Konkretes: Es ist immer besser, sich auf Konkretes zu fokussieren als auf diffuse Vorhaben. Ein Beispiel: Wer sagt, „Mein Arzt meint, ich soll bis Jahresende fünf Kilo abnehmen“, wird weniger motiviert an das Projekt herangehen, wie jemand der sagt: „Mit Stichtag 31. Dezember habe ich fünf Kilo abgenommen.“ Am besten man sucht sich mehrere konkrete Ziele – und arbeitet sie wie in Punkt 2 beschrieben, ab.

8. Proaktivität: Oft hilft es nicht, einfach abzuwarten, sondern proaktiv zu handeln. Wer beispielsweise weiß, dass er für eine bestimmte Aufgabe Anwenderkenntnisse eines speziellen Computerprogramms braucht, sollte sich beizeiten darum bemühen, sich die Grundbegriffe anzueignen.

9. Außensicht: Man glaubt es fast nie, wenn man in einem Riesenprojekt steht und den Mut verliert – gute Ratschläge von Unbeteiligten können helfen! Vor allem dann, wenn es darum geht, Probleme zu beseitigen. Wer nicht in eine Materie vertieft ist, muss sich bei Problemstellungen auf Schlüsse verlassen, die der so genannte Hausverstand nahelegt. Das beste Mittel um beispielsweise Kommunikationsprobleme, mit denen man sich über Jahre einfach arrangiert hat, aufzudecken. „Wie lange warst du eigentlich schon nicht mehr an der frischen Luft?“, ist auch eine Frage, die man sich selbst selten stellt.

10. Gelassenheit: „It´s my job – it´s not my life!“ Bei aller Wichtigkeit, allem Druck und allem Ehrgeiz: Niemals die Relation aus den Augen verlieren. Jedes Monsterprojekt ist ein Teil Ihrer Arbeitswelt. Dass Sie das so gut wie möglich erledigen möchten, ist klar und muss auch sein. In solchen Phasen ist es umso wichtiger, sich bei Feierabend zu sagen: „Jetzt beginnt mein wirkliches Leben!“ Auch kann es helfen, an vorangegangene Riesen-Aufgaben zu denken, die auch „irgendwie“ gegangen sind. Sonst wären die meisten beruflich und persönlich nicht dort, wo sie gerade sind.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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