Neuer Job Mama: Erste Bilanz nach neun Monaten

von in Inside am Freitag, 4. September 2015 um 09:30

Vor gut einem Jahr habe ich mich an dieser Stelle in die Babypause verabschiedet und damit zugleich meinen bisher aufregendsten neuen Job begonnen: den als Mama. Es ist ein Job wie kein anderer, so viel steht fest. Nach neun Monaten wage ich nun eine erste Bilanz in sieben Punkten.

1. Die Einarbeitung

Auf keinen Jobwechsel habe ich mich so intensiv vorbereitet wie auf diesen – es war ja auch genug Zeit dafür. Wie oft hat man selbst und der Arbeitgeber schon den Luxus, bereits Monate vor einer Veränderung davon zu erfahren? Aber dennoch: Die Einarbeitung verlief alles andere als reibungslos, gab es schließlich keine Übergabe (von wem auch?) und da kein Kind ist wie das andere, halfen gut gemeinte Tipps oft nicht weiter.

2. Meine neue Chefin

Fangen wir beim negativen Teil an: Mein neuer Boss, Fräulein C., hat manche Eigenschaften, die ich, zugegeben nicht sehr schätze. Drückt sich nicht klar aus, ist in manchen Situationen sehr launenhaft und ab und zu gar cholerisch, nimmt wenig Rücksicht auf persönliche Bedürfnisse und Privatsphäre gibt es fast keine mehr. Auf der anderen Seite bringt sie ihre Zuneigung zwar sehr ungeschickt, aber auch sehr deutlich und manchmal lautstark zum Ausdruck. Lob oder Anerkennung im herkömmlichen Sinn gibt es nicht, dafür bin ich für sie der Star und es gibt Dinge, die eben nur ich kann. Und wer kann schon von sich behaupten, in seinem Job unersetzbar zu sein?

3. Die Kollegen

Habe ich tagsüber ehrlich gesagt noch keine entdeckt, der Job passiert schließlich fast ausschließlich im Home Office. Außentermine oder auch Verabredungen mit Gleichgesinnten, sind daher willkommene Abwechslung. Zum Glück wird meine neue Chefin immer mobiler und flexibler, was das Verlassen der gewohnten Umgebung anbelangt. Weiters hat sie etwas an sich, das andere Menschen regelmäßig anlockt, uns zu Hause aufzusuchen. Die Besucher reißen sich regelrecht darum, meine Arbeit zu übernehmen, bringen Essen mit und freuen sich riesig, an den Haaren gerissen oder in die Nase gebissen zu werden. Und Pausen sind ja, das weiß ich noch aus meinen vorherigen Jobs, sehr wichtig. Auch oder gerade als Mama. Abends habe ich dann einen sehr wichtigen Kollegen: Mein Partner, der sich mit mir sogar die Nachtschichten teilt.

Babysocken

4. Fordert mich meine neue Tätigkeit?

Ein eindeutiges JA folgt hier als Antwort. Mein neuer Job ist extrem vielseitig. Gut, gerade die dreimonatige Einarbeitungsphase bestand nur aus wenigen Komponenten, zu denen Schlaf (meinerseits) nicht wirklich gehörte. Aber heute, neun Monate später, kommt täglich Neues hinzu: Fräulein C. ist nämlich eine faszinierende Persönlichkeit und kaum mehr wieder zu erkennen: Als wir uns kennenlernten, war sie sehr mit sich beschäftigt, lebte im Grunde in ihrer eigenen Welt. Heute ist alles interessant, sie will überall gleichzeitig sein, jeden Fussel aufheben und ist körperlich so aktiv, dass man daneben vor Neid nur erblassen kann. Ihre Lernkurve ist extrem steil und auch ich kann wieder einiges entdecken und an meinen Aufgaben wachsen. Zudem kann man sich, wenn man Lust hat, unglaublich viel Wissen über das Mamasein aneignen: Vom Unterschied zwischen Tragehilfe und Tragetuch, über die besten Globuli gegen Zahnungsschmerzen bis hin zum Mysterium der Beikosteinführung. Ja, man kann oder könnte sich hier endlos vertiefen.

5. Healthy facts

Ein neuer Job ist gerade zu Beginn meistens sehr fordernd, anstrengend und führt zu erschöpften Abenden auf der Couch. Das ist nichts Außergewöhnliches. Mit der Zeit wird das Neue jedoch Alltag, man passt sich an und kehrt langsam zurück in einen entspannteren Modus. Auch beim Mama-Job war dies der Fall und aktuell profitiert mein Körper von sehr viel frischer Luft durch tägliche Spaziergänge, Krafttraining mit einer lebendigen 7-Kilo-Hantel und vor allem einer sehr hohen Dosis an Glückshormonen, ausgelöst durch dieses kleine Wesen.

6. Aufstiegschancen

Am Anfang war die Rollenverteilung sehr klar: Sie schreit, ich renne. Nach dem ersten “Nein, Nein!”, welches kürzlich von mir ausgesprochen wurde, um eine geerbte Stehlampe vor einem Kletterangriff zu schützen, spürte ich sie, die Machtverschiebung. “Mama ist der Boss”, wird es (hoffentlich) auch bei uns mal heißen. Die Aufstiegschancen sind also groß und denke ich an Begriffe wie “Trotzphase” oder “Schuleintritt” weiß ich: Auch die Aufgaben werden komplexer.

7. Bezahlung

Diese hängt ja vom gewählten Modell des Kinderbetreuungsgeldes ab. Ich wählte das Einkommensabhängige Modell und aktuell sind Windeln und Co. zwar große Ausgaben, aber machbar. Die Veränderung wird erst nach diesem Jahr und mit Beginn der Teilzeitarbeit kommen. Die – Achtung, jetzt wird es kitschig – beste Währung jedoch ist aktuell 70 cm groß, findet Kabel wahnsinnig interessant, liebt Polsterschlachten, Grimassen und Handys und zieht sich 100 Mal am Tag mindestens einen Socken aus. Und all das macht mich wahnsinnig stolz. Ich finde, diese erste Bilanz kann sich sehen lassen und auch wenn ich meine Kollegen vermisse und mich auf den Wiedereinstieg freue, hab ich den Jobwechsel nie bereut.

Bildnachweis: Gajus / Shutterstock; mongione / Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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