Neuer Boss: Frauen sehen Beförderungen kritischer

von in Arbeitsleben, Gehalt am Mittwoch, 3. April 2013 um 11:47

Beförderungen lassen in Unternehmen häufig die Wogen hochgehen: Wer wird neuer Chef? Welche Lobbys stehen hinter welchen Kandidaten? Und überhaupt: Warum ausgerechnet der oder die? Eine aktuelle GfK-Untersuchung  beschäftigt sich nun mit der Einstellung der Österreicher zu Karrieresprüngen und kommt zu den Schlüssen: Frauen sehen Beförderungen grundsätzlich kritischer. Und Männer behindern am ehesten den Aufstieg anderer Männer.

Die Frage, wer denn nun der oder die „Neue“ in der frei werdenden Führungsposition wird, lässt wohl die wenigsten betroffenen Arbeitnehmer kalt. Immerhin hängt von Beförderungen nicht nur häufig das Funktionieren von Teams, die Arbeitsweise und das Arbeitsklima ab. Postenbesetzungen entscheiden auch die Karrieren jener mit, die nicht zum Zug gekommen sind. Die GfK Austria hat nun eine Repräsentativbefragung unter 1.000 Österreichern zu diesem Thema durchgeführt.

Grundsätzlich stehen die meisten Befragten Beförderungen relativ gelassen gegenüber: 81 Prozent sagen, sie hätten kein Problem mit neuen Vorgesetzten – vorausgesetzt die Qualifikation stimmt. Allerdings lassen sich bei dieser Frage Unterschiede zwischen den Geschlechtern feststellen: Frauen sehen Beförderungen anderer grundsätzlich kritischer und fühlen sich häufiger zurückgesetzt – 27 Prozent, wenn der neue Chef männlich ist, 30 Prozent wenn die neue Vorgesetzte eine Frau ist. Bei Männern liegen diese Werte mit 17 Prozent (männlicher Chef) bzw. 18 Prozent (weibliche Chefin) niedriger.

Kofler: „Luft ist für Frauen nach wie vor dünner“

Dr. Angelika Kofler, GfK Austria

Vielfach strapazierte Rollenklischees sieht Angelika Kofler, Leiterin der GfK Austria Sozial- und Organisationsforschung, jedoch keinesfalls bestätigt: „Das liegt sicher nicht daran, dass Frauen weniger nette Kolleginnen sind. Die Luft ist für Frauen in Führungspositionen einfach nach wie vor dünner als für Männer. Je höher die Positionen werden, umso geringer wird tendenziell der Frauenanteil, obwohl Frauen immer gebildeter und qualifizierter werden. Auch die Gehaltsunterschiede von Frauen und Männern schlagen sich immer noch zu Ungunsten der Frauen zu Buche. Es ist also kein Wunder, dass Männer Beförderungen anderer entspannter sehen, sie können ja tatsächlich mit höherer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass sich für sie noch öfter Gelegenheiten bieten werden, weiterzukommen. Das gilt übrigens nicht nur für die polemisch diskutierten Aufsichtsratspositionen.“

Produktivität schlägt Aggression

Die Studie befasst sich auch mit den möglichen Reaktionen auf Postenbesetzungen von Beförderungen – hier geben sich die Österreicher relativ produktiv und vernunftbetont. Sechs von zehn sagen, sich nach solchen Situationen wieder selbst weiter nach oben arbeiten zu wollen, ein Viertel sucht ein Gespräch mit Entscheidungsträgern, noch weniger wählen Verhinderungsstrategien.

 

Spannend allerdings die Reaktionsmuster auf Beförderungen. Jeder vierte Mann (25 Prozent) würde versuchen eine Personalentscheidung zugunsten eines anderen Manns zu verhindern, bei einer neuen Chefin würden nur 17 Prozent in dieser Hinscht aktiv werden. Zum Vergleich: 18 Prozent der Frauen würden versuchen, einen Aufstieg eines Kollegen zu verhindern – laut GfK machen diese aber keine Unterschiede beim Geschlecht des neuen Vorgesetzten.

Bildnachweis: Pressmaster / Quelle Shutterstock, Frenner/karriere.at, GfK Austria

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren