Auf in die Zukunft? Warum die neue Arbeitswelt nicht zu jedem passt

von in Arbeitsleben, HR am Donnerstag, 23. Juni 2016 um 10:44

Schöne neue Arbeitswelt – das machen wir jetzt auch! Denn ein Arbeitgeber ohne innovative Konzepte lockt doch kaum mehr einen Bewerber. Die Sache hat jedoch einen Haken: Ist das Unternehmen mit den Neuerungen überfordert oder schafft es nicht, die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, geht der Schuss nach hinten los. Was Pioniere auf dem Gebiet New Work auszeichnet und warum manche Arbeitgeber scheitern, hat eine Studie untersucht.

Die Implementierung neuer Arbeitsformen ist leider kein Garant dafür, dass im Unternehmen auch automatisch alles schöner wird. Laut aktueller Top-Job-Trendstudie verbrennen sich einige Arbeitgeber an Trends wie Digitalisierung und innovativen Arbeitskonzepten die Finger. Aber: Wer neue Konzepte erfolgreich in die Unternehmenskultur integriert, profitiert davon richtig.

Funktioniert die neue Arbeitswelt?

Knapp hundert Unternehmen wurden für die Studie untersucht, nur knapp ein Viertel hat den Schritt in die neue Arbeitswelt bereits gewagt. Sie nutzen neue Arbeitsformen wie flexible Arbeitszeiten, virtuelle Teams, Home Office und Desk Sharing bereits in nennenswertem Maße. Nur sechs Prozent waren dabei erfolgreich, 19 Prozent ziehen keine positive Bilanz. Vergleicht man moderne Unternehmen, die New Work bereits leben, mit traditionellen Arbeitgebern, zeigt sich folgendes Bild: Die Pioniere sind innovativer, unternehmerischer und als Arbeitgeber attraktiver als Unternehmen mit traditionellen Vorstellungen von Arbeit. Allerdings haben die „Traditionellen“ bei Unternehmensleistung und ROI die Nase vorn.

Mehr als nur ein Lippenbekenntnis

Der Übergang zu moderen Arbeitsformen ist empfehlenswert, denn Arbeitgeberattraktivität und Innovationskraft sind wichtige Erfolgsfaktoren. Wie erfolgreich Unternehmen dann sind, hängt laut Studie von vier Faktoren ab. Hapert es bereits an diesen Voraussetzungen, währt die Freude am Projekt „schöne neue Arbeitswelt“ nur kurz:

  1. Führung mit Vision und Inspiration: Die neue Arbeitswelt ist dezentral organisiert und individuell. Neuen Führungsformen kommt jetzt eine noch größere Bedeutung zu.
  2. Vertrauenskultur: Ohne ein großes Maß an Vertrauen sind neue Arbeitswelten nicht möglich. Vertrauensarbeitszeit, Home Office – das geht nur, wenn zwischen Führungskräften und Arbeitnehmern die Basis passt und die Unternehmenskultur das auch unterstützt.
  3. Selbstkompetenz: Moderne Formen der Arbeit sind komplex und verlangen allen Beteiligten viel ab. Mitarbeiter müssen daher hohe soziale Kompetenz mitbringen, mit Stress umgehen können und sich mit dem Unternehmen stark identifizieren.
  4. Flexibilität: Fixe Strukturen und komplexe Hierarchien, gepaart mit dem Anspruch auf flexibles Arbeiten? Geht nicht lange gut. Organisationen benötigen höchst flexible Strukturen, müssen dezentral organisiert sein und die Abkehr von der Formalisierung wagen.

Modern oder doch lieber traditionell?

Welchen Weg man als Unternehmen und Arbeitgeber einschlagen möchte, muss gut überlegt sein. „Es ist fatal, ein Unternehmen auf Teufel komm raus auf neue  Arbeitsformen umzustellen und auf die positive Wirkung zu hoffen. Sicherlich gelten Unternehmen, die moderne Arbeitsformen bieten, als hoch attraktiv für Bewerber. Allerdings wird es eine Bauchlandung, wenn die Unternehmen überhitzen und sich korrosive Kräfte ausbilden. Sehr schnell werden die echten Leistungsträger das Unternehmen verlassen. Die Innovationskraft bleibt auf der Strecke und der wirtschaftliche Erfolg aus“, warnt Silke Masurat, Geschäftsführerin des Zentrums für Arbeitgeberattraktivität.

Zur Studie

Top Job ist ein Projekt des Zentrums für Arbeitgeberattraktivität. Die Methodik wurde von der Universität St. Gallen exklusiv für das Projekt konzipiert. Seit 2002 wird die Arbeitgeberattraktivität mittelständischer Unternehmen untersucht und zielgerichtet weiterentwickelt. Die Studie kann kostenlos hier angefordert werden.

Bildnachweis: GaudiLab/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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