Networking: Fünf Schritte, wie man Seilschaften für sich einsetzt

von in Arbeitsleben, Jobsuche, Social am Mittwoch, 27. Oktober 2010 um 12:14

Die einen haben jede Menge davon und wissen sie auch noch perfekt einzusetzen. Andere wiederum glauben, einzig und allein auf ihre eigene Arbeitsleistung vertrauen zu müssen, um beruflich voranzukommen. Weil sie eben keine haben. Oder glauben keine zu haben. Die Rede ist von Beziehungen, Netzwerken oder Seilschaften. Weil letztgenannter Fall oft zutrifft: Fünf Schritte, wie man seine Vernetzungen erkennt, pflegt und für sich nutzt.

Sandra A. blickt oft neidisch nach „oben“. Schon zwei neue Kollegen begannen dieses Jahr in der Firma, beide mussten sich nicht erst nach „oben“ arbeiten. Beide stiegen eine Hierarchieebene über Sandra ein. Warum, das weiß keiner. Sie wäre nämlich mindestens so qualifiziert für den Job. Die Bestätigung für den Aufstieg der beiden liefert dann der „Flurfunk“, der mutmaßt: „Die haben Beziehungen…“

Zeit zum Resignieren? Zeit, sich eigene Karrierebestrebungen abzuschminken, weil man eben nicht über feinmaschige Netzwerke verfügt?
Keinesfalls. So einfach läuft das heute nämlich nicht mehr. Sicher gibt es auch heute noch vereinzelt Fälle, in denen der Sohn eines Bekannten, der Studentenverbindungs-Sozius oder die Nachbarstochter automatisch hinter Schreibtische gesetzt werden, die ihnen eigentlich eine Nummer zu groß sind. Doch müssen diese auch damit leben lernen, dass sie vor allem von Kollegen stärker als andere an ihren Leistungen gemessen werden. Und ihre berufliche Halbwertszeit am eigentlichen Posten oft eine kurze ist – bevor sie an eine andere „verantwortungsvolle Position“ weggelobt werden…
Doch auch Nicht-Golfer, Nicht-Cartellbrüder und Nicht-Parteijungfunktionärinnen haben Netzwerke – sie sind nur nicht ganz so offensichtlich. Oft scheitert es einfach am Wissen, wie man seine (wirklichen) Freunde für seine eigene Karriere nutzen könnte.

Fünf Dinge, die Sie über Seilschaften wissen sollten

  1. Network-Check: Nicht nur die Studentenverbindung, die Parteijugend oder der in Österreich immer noch beliebte Cartellverband (CV) sind Karriereschmieden. Was oft vergessen wird: Jeder Mensch verfügt über eine gewisse Anzahl an Freunden, Bekannten und Kollegen. Und dabei kommt es nicht allein auf deren tatsächlichen persönlichen Einfluss an, sondern darauf, welche Freunde sie wiederum haben. Vor allem in Bewerbungsphasen oder Zeiten der aktiven Jobsuche werden engagierte Freundes-Netzwerker merken, dass aus dem eigenen Bekanntenkreis durchaus brauchbare Infos zugesteckt werden. Voraussetzung dafür ist aber, dass man seine Anliegen einerseits einmal deponiert. Und andererseits darauf achtet, dies bei den richtigen Personen zu tun, die diese auch vertraulich behandeln und weitergeben (Negativbeispiel Facebook-Post: „Bin unglücklich in meinem Job – suche etwas Neues.“)
  2. Ehrlichkeit/Verlässlichkeit: „Gib und dir wird gegeben.“ Ein Grundsatz, der nicht allein auf Social Networks zutrifft. Kontakte, Freundschaften und Netzwerke über Jahre nicht zu pflegen aber dann mit einem konkreten Anliegen vorstellig zu werden, wirft kein gutes Licht auf die eigenen Networking-Fähigkeiten. Für Netzwerk-Partner sollte grundsätzlich dasselbe gelten, wie für wirklich „enge“ Freunde: Ehrlich sein, verlässlich sein, verbindlich sein. Denn „Dampfplauderer“ treten ohnehin genug in Erscheinung, sobald sich irgendwo die Gelegenheit zum Netzwerken ergibt.
  3. Selbstbewusstsein: Eine wesentliche Frage sollte jeder für sich selbst geklärt haben, bevor er netzwerkmäßig aktiv wird: Will ich mein Netzwerk für meine selbst gewählte persönliche Entwicklung nutzen, oder will ich mich in eine Seilschaft einklinken, die alles für mich erledigt, solange ich nur funktioniere? Ein Beispiel für Letzteres wäre eine klassische Partei-Karriere, in der man sich hochdient und in der Leistungen mit höheren Weihen „belohnt“ werden. Ein solches Modell kann gut gehen, birgt aber mitunter auch Risiken: Ist die eigene Karriere bis dato im Seilschafts-Schlepptau von einzelnen oder einigen wenigen Personen vorangeschritten, kann es auch sein, mit diesen in den jobmäßigen Abgrund zu stürzen, sobald deren Karrieren ein abruptes Ende finden – nicht nur in Parteien, sondern auch in der Wirtschaft.
  4. Geduld: Netzwerke kann man nur schwer erzwingen. Wer sich kurzfristig und rein aus Karrieregründen bei einem Verein oder einer Interessensgemeinschaft einschreibt, darf nicht damit rechnen, nach wenigen Tagen automatisch vom persönlichen Karriere-Scout gecastet zu werden. Beziehungsaufbau braucht immer Zeit. Und wenn jemand seine Hand für Sie ins berufliche Feuer legen soll, wird er dies auch erst tun, wenn Ihre Verlässlichkeit gewährleistet scheint.
  5. Social Media: 578 Facebook-Freunde sind zwar schön, haben aber wenig mit klassischem „Netzwerken“ zu tun, das auch dabei hilft, Karrieresprünge zu machen. Was Social Networks aber jedenfalls bringen, wurde unter Punkt 2) bereits angesprochen: Kontakte zu pflegen und sich selbst im Gedächtnis des anderen zu halten. Das kann mit einfachen Geburtstags-Gratulationen, Einladungen zu interessanten Veranstaltungen oder durch angeregtes Mitdiskutieren auf der Pinnwand des Betreffenden geschehen. Wie immer gilt: Den Bogen nicht überspannen, nicht anbiedernd oder verzweifelt wirken! Und vor allem – daran denken, dass Social Networks nie dem wirklichen Kontakt vorzuziehen sind! Denn haben Sie schon einmal via Facebook ein Glas Wein gemeinsam getrunken?
Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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