Neidgesellschaft – Die Angst, dass uns Kollegen etwas nicht gönnen, macht uns hilfsbereit

von in Arbeitsleben am Freitag, 25. Februar 2011 um 13:09

Der Kollege, der für jedes wichtige Meeting dazugerufen wird, während Sie an Ihrem Schreibtisch sitzen bleiben. Die nette Kollegin, die zweimal wöchentlich von der Abteilungsleiterin zum Essen eingeladen wird. Oder die Büro-Kameradin, die dieselbe Arbeit verrichtet wie Sie, aber trotzdem besser verdient. Und da soll einen nicht der blanke Neid fressen?!? Eine Studie versichert nun: Menschen, die Vorteile gegenüber ihren Kollegen genießen, haben so starke Angst vor deren Neid, dass sie insgesamt hilfsbereiter sind.

Die Untersuchung der Forschergruppe rund um Niels van den Ven, über die das Portal forschung-erleben.uni-mannheim.de berichtet, könnte plötzliche Hilfsbereitschaft Ihrer Kollegen als Reflex auf deren schlechtes Gewissen und ihre Angst vor Neidern entlarven. Die Ergebnisse besagen nämlich: Befürchtet jemand böswillige Missgunst unter Kollegen, so reagieren sie – wenn ihr Vorteil unverdient ist – mit extremer Hilfsbereitschaft. Glauben Menschen jedoch, dass ihre Privilegien absolut verdient sind, erwarten sie eher Anerkennung und Bewunderung als Neid.

Unverdiente Vorteile: Schlechtes Gewissen aus Angst vor Neid

Das Experiment der Psychologen basierte auf einem Multiple-Choice-Test, den die Probanden gleichzeitig mit ihrem „Partner“ in einem Raum zu lösen hatten. Dieser Teamkamerad war in Wahrheit jedoch ein heimlicher „Verbündeter“ des Forscherteams.

Nach dem Test wurde den Teilnehmern ihr Punktestand gesagt und ihnen auch erzählt, dass ihr Partner um einen Punkt besser abgeschnitten hätte. Die Hälfte der Probanden erhielt daraufhin einen Fünf-Dollar-Schein – quasi als Prämie trotzdem sie ja „schwächer“ als ihr vermeintlicher Partner waren: Der unverdiente Vorteil.

Der anderen Hälfte wurde erzählt, dass auch ihr Partner das Geld bekommen habe. Daraufhin wurde ein „Eklat“ konstruiert: Beim Aufstehen stieß der „benachteiligte“ Partner (also der, ohne Fünf Dollar) einen Stapel Radiergummis um. Überraschendes Ergebnis: Jene Versuchspersonen, die unter einem schlechten Gewissen litten, weil sie unverdienter Weise Geld zugesteckt bekommen hatten, waren bei weitem hilfsbereiter wenn es darum ging, den Schlamassel aufzuräumen.

Fazit des Forschers: Die Angst vor dem Neid der Kollegen erleichtere in Wahrheit das Zusammenleben von Individuen. Zudem würde die Lage der Benachteiligten durch die Hilfsbereitschaft deutlich verbessert.

Unser Fazit: Ungerechtigkeiten im Job wie unbegründete Gehaltsunterschiede bei gleicher Leistung lassen sich mit zuvorkommender Hilfe beim Zusammenräumen auf Dauer wohl nicht ausgleichen.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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