Narzissten schätzen strenge Hierarchien und steile Karriereleitern

von in Arbeitsleben, HR am Mittwoch, 31. August 2016 um 10:39

Am Arbeitsplatz treffen verschiedene Persönlichkeiten aufeinander, Narzissten stellen da keine Ausnahme dar: Sie prahlen, streben und mögen es, bewundert zu werden. Forscher haben untersucht, was Narzissten an einem Arbeitgeber besonders mögen und was Kollegen von ihnen lernen können.

Der Narzisst braucht nicht nur seine regelmäßige Portion Bewunderung, sondern auch die Aussicht auf Erfolg, Prestige und Macht. Eine steile Karriereleiter erklimmern zu können – für den Narzissten ein sehr schöner Gedanke. Was er dagegen hasst sind flache Hierarchien und ein Umfeld, auf dem sich alle Beteiligten auf Augenhöhe begegnen. Das haben Emily M. Zitek von der Cornell University und Alexander H. Jordan von der Boston University School of Medicine in einer Studie festgestellt.

Narzissten möchten ganz nach oben

Alle sind gleichberechtigt und die Stufe vom Chef-Podest zum „einfachen Angestellten“ ist keine hohe? Für Narzissten ein Alptraum. Das berücksichtigen sie auch bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber und der Wahl des Jobs. Wer Narzissten im Bewerbungsgespräch für sich begeistern möchte, stellt ihnen besser Führungspositionen und gute Karrierechancen in Aussicht.

Die beiden Forscher gehen davon aus, dass narzisstische Persönlichkeiten denken, dass sie gute Arbeit leisten und sich bis an die Unternehmensspitze hocharbeiten werden. Voraussetzung dafür: Ein Umfeld, in dem das Erklettern der Karriereleiter auch möglich ist. Fehlt das, versetzt ihnen das einen Dämpfer. Werden sie darauf hingewiesen, dass in Zukunft keine Führungspositionen vakant werden oder die Organisation solche Hierarchiestufen nicht vorsieht, schwindet ihr Interesse an einem Arbeitgeber. Gegenteilig reagieren nicht-narzisstische Studienteilnehmer. „Unsere Forschung zeigt, dass bei Menschen mit narzisstischen Persönlichkeitszügen der Wunsch größer ist, in hierarchischen Organisationen zu arbeiten als bei weniger narzisstischen Personen“, berichten die Forscher im Harvard Business Review.

Ich bin gut – und das sollen alle wissen

Wer narzisstische Arbeitnehmer für sich gewinnen oder als Mitarbeiter halten möchte, sollte ihnen die gewünschten Karriereperspektiven bieten. So schwierig Narzissten im Berufsleben manchmal sein können, als Mitarbeiter bringen sie auch positive Aspekte mit – besonders wenn es um kreatives Arbeiten geht. Forschungen dazu hat der Psychologe Jack Goncalo durchgeführt.

  • Narzissten sind nicht unbedingt kreativer als nicht-narzisstische Arbeitnehmer, sie glauben das jedoch von sich selbst. So gelingt es ihnen, kreative Ideen und Konzepte gut zu präsentieren. Sie werden von Außenstehenden als besonders kreativ wahrgenommen.
  • Eine weitere Erkenntnis am Arbeitsplatz: Narzissten stimulieren Wettbewerb und provozieren mitunter. Das kann für positive kreative Spannungen sorgen – allerdings kann darunter auch die Teamharmonie leiden. Eine Gratwanderung, die mit Vorsicht zu genießen ist. Vor allem dann, wenn zu viele narzisstische Persönlichkeiten am Werk sind.
  • Ein narzisstischer Kollege kann auch nerven, von Mister oder Miss Besserwisser kann man jedoch auch lernen: Sie sind selbstbewusst, zweifeln nicht an ihrem Erfolg und setzen alles daran, sich und ihre Idee zu verkaufen.

Bildnachweis: lassedesignen/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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