Mut zur Selbständigkeit: Träum nicht, tu was!

von in Arbeitsleben, Arbeitsmarkt am Mittwoch, 21. Dezember 2011 um 11:20

Landwirt werden? Den kleinen Laden in der idyllischen Kleinstadt übernehmen? Viele Angestellte träumen von einem selbstständigen Leben fern von Hektik und Bürostress. Die Karriereberaterin Svenja Hofert sagt, wie Sie es nicht beim Träumen belassen.

Ein Gastartikel von Svenja Hofert

Meine Kundin hatte 20 Jahre als Geschäftsführungsassistentin hinter sich. Jetzt wollte sie einen kleinen Laden in einer kleinen Stadt übernehmen.  Kaum 2.000 Euro Gewinn warf der im Monat ab, viel weniger als sie angestellt verdiente. Sie wagte den Schritt dennoch – und hat es bis heute nie bereut.

Marc Müller, Stadtführer in Hamburg, hat vor fast zwei Jahren seinen Job gekündigt, um aus einer Leidenschaft einen Job zu machen. Diese Leidenschaft heißt Stadtführungen. Wie viel Spaß es macht, anderen Menschen versteckte Winkel und bekannte Denkmäler zu zeigen, hat er während einer Nebentätigkeit festgestellt. Damals arbeitete er nebenberuflich als Guide auf St. Pauli. Zunächst wagte er gar nicht zu träumen, von Stadtführungen einmal leben zu können.  Einige Vernunftentscheidungen lagen auf seinem Weg in die Vollzeit-Selbstständigkeit. Inzwischen ist der Turnaround geschafft: Neben Privatkunden aus der ganzen Welt engagieren ihn auch Reisebüros und Eventagenturen. Marc Müller hat sein Hobby zum Beruf gemacht – und er lebt gut davon.

Svenja Hofert

Svenja Hofert

„Hör auf zu träumen“, sagen Familie, Bekannte und Kollegen, wenn jemand laut davon spricht, aus seiner Freizeitbeschäftigung einen Beruf zu machen. „Fang an zu träumen“, sage ich. Der Unterschied zwischen Menschen, die ungewöhnliche Dinge realisieren und all den anderen ist einziger: Die einen träumen und reden nur, die anderen machen und setzen um.  Die einen wollen Erfolg geschenkt, und die anderen arbeiten dafür – und riskieren ein Stück vermeintliche Sicherheit.

Wenn Sie mit der Idee spielen, sich selbstständig zu machen, gebe ich Ihnen folgende Tipps mit auf den Weg:

  • Klären Sie Ihre Opferbereitschaft: Besonders gute Gehälter sind immer auch Schmerzensgelder und Halteprämien. Doch wer sich mit einer schönen Idee selbstständig macht, wird damit selten reich – und häufig glücklich.
  • Beschäftigen Sie sich nicht mit großartigen Visionen, sondern ganz praktisch mit dem jeweils nächsten Schritt.  Suchen Sie nach Dingen, die Ihnen zu- und leichtfallen, falls Sie noch keine Idee haben, was Sie überhaupt anbieten können. Gehen Sie Ihrer Neugier nach, besuchen Sie Kurse und Veranstaltungen, das inspiriert. Nicht jeder hat ein so eindeutiges Hobby wie Marc Müller Stadtführungen.  Dann ist der nächste Schritt eine Entdeckungsreise.
  • Finde Sie kleine Lösungen. Überlegen Sie, ob es Sinn machen könnte, erst einmal nebenbei zu gründen, bevor Sie alles auf eine Karte setzen. Vielleicht können Sie Ihre Arbeitszeit auf drei oder vier Tage zu reduzieren. Überlegen Sie, wie Sie Ihrem Chef diese Idee so verkaufen können, dass er oder sie Geschmack daran findet.
  • Probieren Sie sich und Ihre Idee aus und geben Sie sich Zeit dafür. Wenn Sie einen Laden übernehmen wollen, probieren Sie erst einmal wie es sich anfühlt, hinter der Theke zu arbeiten.  Wenn Sie etwas bisher kostenlos für Freunde gemacht haben, testen Sie, wie es ist, dafür Geld zu nehmen.
  • Entwickeln Sie Ihre Idee! Am leichtesten gelingt das entlang Ihrer Persönlichkeit und im Einklang mit der Kundennachfrage. Was fällt Ihnen leicht? Was machen Sie gern? Fragen Sie sich aber auch: Was wollen Kunden? Wofür bekommen Sie gutes Feedback?

Langsam wachsen anstatt alles auf eine Karte zu setzen? Wie das geht erklärt Svenja Hofert in Ihrem neuen Buch „Das Slow Grow Prinzip“, das Karriere.at bereits hier rezensiert hat.

Zur Autorin:

Svenja Hofert ist Buchautorin und Karriereberaterin in Hamburg. Sie bloggt unter www.svenja-hofert.de.

Bildnachweis: colourbox.com, karriereundentwicklung.de

Redaktion

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