Musik bei der Arbeit kann Stress vorbeugen

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 10. Juli 2013 um 10:25

Einfach einmal abschalten. Störende Nebengeräusche ausblenden und nichts als die eigene Musik hören – und zwar bei konzentrierter Arbeit. Musik ist manchmal sinnvolles Hilfsmittel gegen Ablenkung und auch Stress, tritt Arbeitsmediziner Friedrich Ring für den freiwillig (!) gesteuerten Musikgenuss ein. Er erklärt, warum es für manche Menschen ein kleines Drama ist, wenn sie die Kopfhörer einmal zu Hause vergessen haben.

Es gibt Menschen, die ohne Musik nicht arbeiten können. Ein Grund hierfür ist sicherlich jener, dass Musik dabei hilft, Ablenkungen von Außen auszublenden. Paradoxerweise sorgt Musik bei vielen Menschen für Ruhe. Dank der immer stärker wachsenden Salontauglichkeit von Kopfhörern & Co. kommen auch immer mehr Arbeitnehmer problemlos zu ihren Ruhepausen.

„Das Gehör kann man nicht abschalten“

laermWeshalb dies gut und wichtig ist, weiß Friedrich Ring. „Unser Gehirn ist für natürliche Schallwellen gebaut, so wie ein Blätterrauschen oder auch Musik. Diese Wellen sind für uns gesund und werden als schön empfunden. Aber jeglicher technischer Lärm, etwa durch Belüftungssysteme, den Verkehr oder auch Ventilatoren, wird als abnorm und störend empfunden.“ Besonders konstanter Lärm irritiert. Das Problem dabei ist, so Ring, dass man diese Geräusche nie wirklich ausblenden kann. „Das Gehör kann man nicht abschalten, es ist ununterbrochen in Betrieb. Auch wenn man etwas nicht Bewusst wahrnimmt, sorgt es im Gehirn für eine Reaktion.“

Selbst steuern ist die Lösung

selbst_steuernUnd diese Reaktion ist es, die wir am Ende eines Arbeitstages als größere Erschöpfung oder auch als Stress wahrnehmen. Welche Art von Musik wie wahrgenommen wird, ist natürlich individuell verschieden. Über Geschmäcker lässt sich ja bekanntlich streiten. Grundsätzlich lässt sich jedoch sagen: Wenn die Musik Geräusche, die man nicht hören möchte, unterdrückt, dann ist es gut. „Das, was jemand selber hören will, ist immer besser als das, was er nicht steuern kann“, so der Mediziner.

„Ich fürchte, dass sie kaum mehr Ruhe finden“

Friedrich Ring, Arbeitsmediziner

Friedrich Ring, Arbeitsmediziner

Es gibt freilich auch Menschen, die bei der Arbeit absolute Ruhe brauchen. „Ich fürchte jedoch, dass sie kaum mehr Ruhe finden“, sagt Ring. So verschieden die Menschen, so verschieden stark ausgeprägt auch die Fähigkeit, störenden Umgebungslärm ausblenden zu können. Insgesamt sollte jedoch versucht werden, diesen zu minimieren – so gut als möglich. Denn das Unbewusste kann man nicht täuschen – reflexähnlich reagiert es auf Störungen und dies erzeugt Stress. In diesem Sinne: Musik für die, die sie brauchen – per Kopfhörer, versteht sich.

Über die Person: Friedrich Ring

Der gebürtige Wiener Friedrich Ring ist Arbeitsmediziner und Lehrbeauftragter der Österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin sowie am

Institut für ChronoPsychologie.

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Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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