Umzug für den Job: Die Erwartungen des Partners entscheiden mit

von in Arbeitsleben, HR am Montag, 24. Oktober 2016 um 10:36

Beruf und Privatleben lassen sich nicht immer trennen. Besonders dann, wenn für die Karriere ein Standortwechsel im Raum steht. So verlockend ein Jobangebot abseits der Heimat auch ist, der Partner hat ein Wörtchen mitzureden. Im Rahmen aktueller Studien wurde erforscht, wie familiäre Erwartungen die eigenen Karriereentscheidungen beeinflussen.

Welcher Job in welcher Stadt? Führungskarriere oder doch lieber nur Fachverantwortung? Diese Entscheidungen hängen immer weniger von finanziellen Umständen ab sondern immer öfter davon, was der Partner zu Karriere- und Umzugsideen sagt. Laut aktueller Studien hängt die berufliche Entwicklung und Mobilität immer stärker vom eigenen sozialen Umfeld und der Partnerschaft ab. Prof. Dr. Marion Büttgen und Dr. Jan Ullrich vom Lehrstuhl für Unternehmensführung der Universität Hohenheim erforschen, wie das Privatleben konkrete berufliche Entscheidungen beeinflusst. Für die Studien wurden rund 1.300 Fach- und Führungskräfte und 200 Lebenspartner befragt.

Deine Karriere  – meine Karriere

Ausschlaggebend ist die Karriereorientierung: Je stärker der Partner oder die Partnerin an der eigenen Karriere arbeitet, desto mehr fühlen sich Mitarbeiter unter Druck gesetzt, ebenfalls Karriere zu machen. Das gilt auch umgekehrt: Wer an seiner eigenen Karriere intensiv arbeitet, erwartet das auch von seinem Partner. Auch der Versorgungsaspekt spielt eine Rolle: „Je materialistischer ein Mitarbeiter seinen Partner wahrnimmt, desto stärker fühlt er eine Erwartung, beruflich erfolgreich zu sein. Dieser Zusammenhang ist für männliche Mitarbeiter stärker als für weibliche Mitarbeiter“, stellt Büttgen fest. Die Erkenntnisse wurden durch die Partnerbefragung bestätigt: Je materialistischer der Partner sich selbst einschätzt, desto höher ist die Erwartung an den Mitarbeiter, beruflich erfolgreich zu sein. Dieser Zusammenhang gilt  für weibliche Partner stärker als für männliche Partner.

Manager oder Experte ohne Führungsverantwortung? Die beiden Forscher vom Lehrstuhl für Unternehmensführung fanden dazu heraus: Eine Führungslaufbahn wird eher dann eingeschlagen, wenn seitens des Partners eine starke Karriereerwartung spürbar wird.

Für den Job in eine neue Stadt?

Für berufliche Mobilität gilt Ähnliches: Winkt ein verlockender Job in einer anderen Stadt oder einem anderen Land, haben bei der Entscheidung dafür oder dagegen Partner ein Wörtchen mitzureden. Für Arbeitgeber ein Aspekt, den sie nicht außer Acht lassen sollten. Entscheidet sich ein Mitarbeiter gegen ein Jobangebot an einem anderen Standort, liegt es vielleicht nicht an der Stelle selbst, sondern an privaten Umständen. „Bei der Entscheidung, ins Ausland zu gehen, ist die wahrgenommene Bereitschaft des Partners zum Standortwechsel der zentrale Schlüssel der Mitarbeitermobilität“, erklärt Ullrich die Ergebnisse.

Auch beim Thema Mobilität lassen sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern feststellen: Denken Frauen über einen Standortwechsel nach, ist für sie die Frage nach den Jobmöglichkeiten für den Partner am zukünftigen Wohnort deutlich wichtiger, als umgekehrt. Die realen Einschätzungen ihres Partners berücksichtigen sie außerdem stärker in ihrer Mobilitätsbereitschaft als männliche Mitarbeiter.

Empfehlungen für Arbeitgeber

Für Unternehmen leiten die Forscher daraus zwei Handlungsempfehlungen ab:

  • Karriere machen – das ist nach wie vor stark an Führungslaufbahnen gekoppelt. Arbeitgeber sollten jedoch auch die Expertenlaufbahn als gleichwertige Alternative zur klassischen Karriere anbieten.
  • Zeichnen sich Karrierechancen für Mitarbeiter im Ausland oder an anderen Standorten ab, sollten deren Partner frühzeitig miteinbezogen werden. Ob sich Arbeitnehmer für oder gegen den neuen Job inklusive Ortswechsel entscheiden, hängt auch davon ab, welche Karrierechancen ihr Lebenspartner vor Ort hat. Durch Dual-Career-Programme oder Relocation Services können Arbeitgeber die gesamte Familie unterstützen.

Bildnachweis: mervas/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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